Am Sonntag konnte ein großflächiger Waldbrand im Föhrenwald bei St. Egyden am Steinfeld (Bezirk Neunkirchen) erst nach mehreren Tagen gelöscht werden. Der Brand war durch Munitionsteile aus dem Zweiten Weltkrieg ausgelöst worden. Die extreme Trockenheit begünstigte die rasche Ausbreitung des Feuers – mehr dazu in „Brand aus“ nach fünf Tagen Waldbrand (noe.ORF.at; 10.8.2026).
Der Brand im Föhrenwald war der größte der aktuellen Waldbrandsaison. Für Florian Kraxner vom IIASA zeige der Brand, wie sich die Bedingungen durch den Klimawandel verändern. „Der Link zum Klimawandel ist eindeutig“, hieß es von Kraxner am Mittwoch. Die Forscher warnen nun vor einer zunehmenden Waldbrandgefahr in Niederösterreich. Durch den Klimawandel seien künftig mehr Brände zu erwarten. Besonders betroffen bleiben bekannte Risikogebiete, neue könnten hinzukommen.
Heuer 50 Prozent mehr Waldbrände
In Österreich wurden heuer bisher rund 270 Waldbrände registriert, knapp 50 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Bereits jetzt sei etwa fünfmal so viel Waldfläche verbrannt, wie in einem durchschnittlichen Jahr.
Mittelfristig sei eine „konstante Steigerung“ der Waldbrände zu erwarten, so Kraxner. Hitze und Trockenheit würden Bedingungen schaffen, unter denen sich Feuer leichter ausbreiten können. Der heurige Sommer sei zwar ein Extremjahr, die grundsätzliche Entwicklung sei aber eindeutig.
Für die Analyse arbeiten Fachleute mehrerer österreichischer Forschungseinrichtungen zusammen. Während die Universität für Bodenkultur (BOKU) die Waldbrände erfasst und die GeoSphere Austria kurzfristige Prognosen zur Waldbrandgefahr erstellt, untersucht das IIASA mit Modellen, wie sich das Risiko langfristig entwickeln könnte.
Niederösterreich besonders betroffen
Dabei rückt Niederösterreich besonders in den Fokus. Im Forschungsprojekt „Austria Fire Futures“ wurden mögliche künftige Waldbrandgebiete untersucht – mehr dazu in Forschungsmodell warnt vor Waldbrand-Hotspots (noe.ORF.at; 15.8.2026). „Dort, wo es immer schon brennt, wird es noch mehr brennen“, fasst Kraxner die Ergebnisse zusammen. Das betreffe insbesondere Teile Niederösterreichs und Tirols, hieß es am Mittwoch.
Wie groß die Gefahr bereits ist, zeigte der Brand im Föhrenwald. Munition aus dem Zweiten Weltkrieg verursache in diesem Gebiet beinahe jedes Jahr Feuer, so Kraxner. Unter den derzeit extrem trockenen Bedingungen habe sich der jüngste Brand jedoch wesentlich stärker ausbreiten können.
Brandgefahr in Föhrenwäldern besonders hoch
Gerade Föhrenwälder gelten als besonders gefährdet. Trockene Böden und leicht entzündliche Nadeln begünstigen dort Brände. In Niederösterreich mussten die Feuerwehren in den vergangenen Jahren immer wieder zu größeren Waldbränden ausrücken.
So etwa auch beim größten Waldbrand der Geschichte Österreichs im Oktober 2021 in Hirschwang an der Rax (Bezirk Neunkirchen). Damals standen mehr als 100 Hektar Wald in Flammen. 9.000 Einsatzkräfte gingen an ihre Grenzen – mehr dazu in 2021: Waldbrand zeigte Helfern Grenzen auf (noe.ORF.at; 20.12.2022).
Neue Risikogebiete entlang der Donau
Nach den Berechnungen der Forscher könnte die Waldbrandgefahr künftig aber auch in Gebieten steigen, die bisher weniger betroffen waren. Als Beispiel nennt Kraxner die Region entlang der Donau zwischen Wien und Bratislava.
Bei zunehmender Trockenheit könnten niedrige Wasserstände dazu führen, dass auch Nebenarme der Donau weniger Wasser führen. Dadurch würde weniger Feuchtigkeit an die umliegenden Flächen abgegeben. Brennbares Material könnte stärker austrocknen. Die Wahrscheinlichkeit von Bränden werde dort in den kommenden Jahren deshalb höher, so Kraxner.
„Können uns ja nicht einmal Umweltschutz leisten“
Wie stark sich die Situation entwickelt, hängt unter anderem von Temperatur, Niederschlag, Vegetation und der weiteren Entwicklung des Klimawandels ab. Der Alpenraum und Zentraleuropa erwärmen sich vergleichsweise stark.
Kraxner sieht den heurigen Sommer deshalb auch als Warnsignal. Die Auswirkungen des Klimawandels würden Österreich nicht verschonen. Die aktuelle Hitze und die Rekordtrockenheit könnten dazu beitragen, das Bewusstsein für die zunehmenden Risiken zu erhöhen. Sehe man sich an, wie gerade das 1,5-Grad-Ziel verfehlt wird, stellen sich die Forscher die Frage, ob die Politik in Krisenzeiten hier tatsächlich vorausschauend die richtigen Schritte in Richtung Dekarbonisierung setzt.
Sehe man sich die momentanen Schäden in der Landwirtschaft und den nachvollziehbaren Ruf nach Hilfen an, frage man sich, wie oft künftig solche Pakete noch geschnürt werden können. „Wir können uns ja nicht einmal Umwelt- und Klimaschutz leisten“, so Kraxner.