In Berliner Gefängnissen werden immer häufiger synthetische Drogen festgestellt, die auf getränktem Papier in die Haftanstalten gelangen. Im ersten Halbjahr 2026 wurden so viele "Neue Psychoaktive Stoffe" (NPS) sichergestellt wie im gesamten vergangenen Jahr. Das teilte die Justizverwaltung dem rbb auf Anfrage mit.
Die synthetischen Drogen gelangen meist auf Papieren in die Gefängnisse, etwa als Post für die Häftlinge. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurde in Berliner Haftanstalten laut Justizverwaltung insgesamt 2,4 Kilogramm NPS-getränktes Material sichergestellt.
JVA-Direktor spricht von unberechenbaren Gefangenen
Die größte Menge wurde mit 1.300 Gramm in der JVA Tegel gefunden. Aber auch fast alle anderen Berliner Haftanstalten waren betroffen: JVA Moabit (500 Gramm), JVA Heidering (300), JVA des Offenen Vollzuges Berlin (150), JVA Plötzensee (130) und Jugendstrafanstalt Berlin (20). Die NPS-Funde steigen seit einiger Zeit rasant an. Im Jahr 2024 war in Berlins Gefängnissen insgesamt 500 Gramm NPS-getränktes Material sichergestellt worden.
Die "Neuen Psychoaktiven Stoffe" stellen die Haftanstalten vor besondere Herausforderungen. "Die Gefangenen werden aufgeputscht und zeigen völlig persönlichkeitsfremde Verhaltensweisen, an die sie sich später nicht mehr erinnern", hatte der Direktor der JVA Heidering, Andreas Kratz, bei einem Termin Anfang Juli berichtet. "Das heißt, die Gefangenen werden für uns nicht mehr berechenbar." Berichtet wird von Häftlingen, die ihre Zellen verwüsten, auf Vollzugsbeamte losgehen und versuchen, sich die Augen auszukratzen. Aufgrund dieser Wirkung ist zum Teil auch von "Zombie-Drogen" die Rede.
Neue Analysegeräte können Substanzen erkennen
Um NPS und andere Drogen zu finden, werden in Berlins Gefängnissen seit 2025 moderne Ionen-Scanner eingesetzt, die auch kleinste Spuren von dutzenden gefährlichen Substanzen erkennen können. Aktuell gibt es nach Angaben der Justizverwaltung vier dieser Geräte. Die Haftanstalten Plötzensee, Heidering, Moabit und Tegel haben jeweils eins angemietet.
Die übrigen Anstalten können verdächtiges Material dort ebenfalls testen lassen. Der starke Anstieg der NPS-Funde in den vergangenen anderthalb Jahren könnte nach Einschätzung der Justizverwaltung auch darauf zurückzuführen sein, dass die modernen Analysegeräte mehr Drogen finden.
Neue rechtliche Möglichkeiten könnten eventuell dabei helfen, das NPS-Problem einzudämmen. Seit Ende Juni ist es in Berlin aufgrund einer Gesetzesänderung erlaubt, Häftlingen ihre Post nur als Kopie auszuhändigen. "Von dieser Möglichkeit kann zukünftig Gebrauch gemacht werden", schreibt die Justizverwaltung. Gefängnisse in anderen Bundesländern handhaben dies bereits so.
Ob Berlin seine Gefängnis-Spürhunde darauf trainiert, auch "Neue Psychoaktive Stoffe" zu erschnüffeln, wollte die Verwaltung "aus einsatztaktischen Gründen" nicht sagen.
Sendung: radioeins vom rbb, 17.08.2026, 13 Uhr
Audio: radioeins vom rbb,, 17.08.2026, Sabine Müller
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2 Kommentare
Ich glaube wir haben echt andere Probleme. Fast alle, die im Gefängnis landen sind dort aus Gründen. Wer auf Beamte losgeht, das muss geregelt werden. Aber sollen sie sich doch die Augen auskratzen. Dann ist mehr Platz für die Clanmitglieder. Die Energie sollte man da reinstecken, diese langsam mal einzubuchten. Die Polizei braucht Personal und Motivation!
Was sind das für Zustände in den Berliner Gefängnissen,im Bezug Zombie Drogen.Eiekommen die Zombie Drogen von draußen in die Gefängnisse.Hierost Aufklärung angesagt. Eben falls eine stärkere Kontrolle ,sollte es geben.