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Stefan Evers

"Ich bin konservativ. Und das ist auch gut so": CDU-Spitzenkandidat wirbt mit Wowi-Slogan

Mit einem neuen Wahlplakat an prominenter Stelle setzt der Berliner CDU-Kandidat Stefan Evers auf eine klare Botschaft. Und benutzt einen Satz mit SPD-Historie.


Möglicherweise will so mancher Sozialdemokrat Stefan Evers wegen Urheberrechtsverletzung verklagen… (Bild: CDU Berlin)

An der Bundesgeschäftsstelle der CDU in Berlin-Tiergarten prangt jetzt ein überdimensionales Wahlplakat. Darauf blickt Stefan Evers, der erste offen schwule CDU-Spitzenkandidat für den Posten des Regierenden Bürgermeisters, auf Passant*innen und vorbeifahrende Autos. Seine Botschaft: "Ich bin konservativ. Und das ist auch gut so." Hintergrund ist, dass die Bundeshauptstadt am 20. September ein neues Abgeordnetenhaus wählt.

Evers bedient sich dabei sprachlich bei der Konkurrenz von der SPD. Deren späterer Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hatte im Juni 2001 auf einem Parteitag erklärt: "Ich bin schwul, und das ist auch gut so."2 Diese neun Worte zählen zu den bekanntesten deutschen Politikersprüchen dieses Jahrhunderts.

Evers sprang als Kandidat ein

Derzeit regiert in Berlin eine Koalition aus CDU und SPD. Finanz- und Kultursenator Evers ist erst seit knapp vier Wochen Spitzenkandidat der CDU (queer.de berichtete3). Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) war zuvor zurückgetreten.

Grund waren Debatten und immer neue Enthüllungen über seine falschen Angaben zum Krisenmanagement während eines großen Stromausfalls im Januar. In letzten Umfragen lagen CDU, Linke, AfD und Grüne in unterschiedlicher Reihenfolge vergleichsweise eng beieinander. Die SPD rangierte mit deutlichem Rückstand auf Platz fünf.

Evers hatte bereits in Interviews darüber gesprochen, wie sehr ihn der bekannte Satz von Wowereit geprägt habe. Wowereit sei damit gelungen, über Parteigrenzen hinweg Akzeptanz zu schaffen. "Das kann man gar nicht genug wertschätzen. Und das tue ich bis heute", erklärte er letztes Jahr. Er berichtete auch davon, dass er 2014 Wowereit nach dessen Rücktritt einen persönlichen Brief geschrieben habe, in dem er zum Ausdruck brachte, dass genau dieser Satz auch für ihn selbst und sein "entscheidendes Fortkommen" eine große Bedeutung hatte.

Der Evers-Wahlspruch könnte auch eine Trotzreaktion auf den Queerbeauftragten Alfonso Pantisano (SPD) sein. Dieser hatte nach dem islamistischen Terroranschlag auf den CSD Berlin erklärt: "Das, was uns am meisten beschäftigt, ist, wir werden gerade politisch angegriffen von rechts und vor allem von konservativen Kräften, von Rechtsextremen, von Neonazis." Daraufhin kam es zu Kritik, weil Pantisano den Begriff "konservativ" in eine Reihe mit Neonazis gestellt und außerdem Islamismus nicht erwähnt hatte. Der Chef der Lesben und Schwulen in der Union (LSU) forderte gar seine Ablösung (queer.de berichtete4). Der Queerbeauftragte erklärte auf die Kritik: "Unter konservative Kräfte zähle ich auch alle religiösen Gruppen, die ein Problem mit uns haben. Und die Islamisten gehören da dazu." (dpa/cw)

Update 15:20 Uhr: Wowereit reagiert gelassen

Wowereit reagierte gelassen auf die Übernahme seines berühmten Satzes. "Dass Stefan Evers konservativ ist, das wissen wir", sagte er dem "Tagesspiegel"5. "Ob das auch gut ist, sei dahingestellt."

Des weiteren erklärte der SPD-Politiker, dass es auf seinen Satz kein Copyright gebe. "Außerdem ist Wahlkampf", fuhr er fort. Er stelle sich aber die Frage, wen Evers damit erreichen will.

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