Icon Pfeil zurück Start
Liveticker Anschlag auf Berliner CSD +++ Polizei durchsucht erneut Tiergarten +++ Debatte im Innenausschuss +++
Einsatzkräfte der Polizei suchen in der Nähe des Tatorts des Anschlags auf den Christopher Street Day (CSD) nach Spuren (Quelle: picture alliance/dpa/S.Kaeuler)
1 Min
Einsatzkräfte der Polizei suchen in der Nähe des Tatorts des Anschlags auf den Christopher Street Day (CSD) nach Spuren (Quelle: picture alliance/dpa/S.Kaeuler)
  • Innenausschuss kommt zu Sondersitzung zusammen
  • Spranger verspricht Aufklärung, Grüne fordern U-Ausschuss
  • Polizei durchsucht Tiergarten
  • Abdul B. fiel schon in der Grundschule auf und gehörte salafistischer Gruppe an

Dieser Ticker bildet die Ereignisse und Debatten vom Mittwoch ab.

Hier finden Sie den Liveticker mit Informationen zum Dienstag, zum Montag und vom Wochenende.

16:17 Uhr: Brandenburger Verfassungsschutz: Islamistisches Potenzial steigt

Der Brandenburger Verfassungsschutz sieht ein steigendes islamistisches Potenzial im Land. Das sagte der Leiter der Behörde, Wilfried Peters, dem rbb mit Verweis auf Zahlen im Verfassungsschutzbericht. Das Personenpotenzial sei in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen, so Peters - von 210 im Jahr 2021 auf inzwischen rund 260 Personen. Etwa 200 davon ordne der Verfassungsschutz als gewaltbereit ein.

Auffällig sei vor allem die Rekrutierung junger Menschen über soziale Medien. Im Bereich des Onlinemonitorings sei die Behörde aber "gut aufgestellt", so Peters. Das konkrete Vorgehen gegen sogenannte Gefährder sei dann allerdings Aufgabe der Polizei. Diese geht derzeit von einer mittleren einstelligen Zahl an Gefährdern aus.

13:46 Uhr: Polizei durchsucht erneut Berliner Tiergarten

Nach dem Anschlag auf den CSD hat die Polizei am Mittwoch wieder Teile des Berliner Tiergartens durchsucht. Das bestätigte eine Sprecherin auf rbb-Anfrage. Es werde weiter nach einer Tatwaffe gesucht, mit der der mutmaßliche Täter Menschen angegriffen haben soll - möglicherweise ein Messer oder eine Machete.

Schon am Dienstag hatte es Durchsuchungen mit einer Einsatzhundertschaft in Teilen des Tiergartens gegeben. Ob dabei Spuren entdeckt wurden, ist nicht bekannt.

12.30 Uhr: Polizeipräsidentin: Keine Voraussetzungen für Fußfessel oder Präventionshaft bei Abdul B.

Vor dem Anschlag am Rande des Christopher Street Days am Samstag gab es laut Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel bei Abdul B. nicht die Voraussetzungen für eine Fußfessel oder eine Präventionshaft. Es sei kein Verdacht einer terroristischen Straftat erkennbar gewesen, sagte sie in der Innenausschuss-Sondersitzung des Berliner Abgeordnetenhauses.

Der Tatverdächtige sei im Mai als Hochrisikofall eingestuft worden, so Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel. Er sei eng in den Blick genommen worden.

Nach dem CSD-Anschlag: Wie sinnvoll sind Forderungen nach schärferen Gesetzen? () ()

12.30: Uhr Abdul B. gehörte salafistischer Gruppe an

Der mutmaßliche islamistische Attentäter Abdul B. gehörte nach Angaben des Berliner Senats zeitweise einer salafistischen Gruppe an. Das sagte die Berliner Innensenatorin am Mittwoch Iris Spranger (SPD) im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses.

In der Gruppe sei er missionierend unterwegs gewesen und versuchte Leute anzuwerben. Dem Berliner Verfassungsschutz war Abdul B. demnach seit November 2021 bekannt. Seitdem habe er sich in der salafistischen Szene bewegt, sagte Spranger. Bei der Polizei fiel er seit 2019 mit Delikten wie Körperverletzungen, Betrug, Raub und Beleidigungen auf.

In Berlin gehören 1.250 Menschen zur salafistischen Szene, so Spranger. Davon seien 350 gewaltorientiert. Insgesamt gebe es laut Verfassungsschutz 2.590 Islamisten in Berlin.

12:22 Uhr: Details zu Verletzten

Bei dem Anschlag auf den CSD am Samstag hat es ein Todesopfer, sieben Schwerverletzte und 24 Menschen mit leichten Verletzungen gegeben. Das teilte Innensenatorin Iris Spranger (SPD) am Mittwoch mit. Die sieben Schwerverletzten seien stationär ins Krankenhaus gekommen.

Von den 24 leicht verletzten Personen sind zwölf ambulant im Krankenhaus behandelt worden. Sie konnten anschließend entlassen werden. Die anderen zwölf Menschen mussten nicht ins Krankenhaus.

Der Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses ist wegen des tödlichen Anschlags eines mutmaßlichen Islamisten zu einer Sondersitzung mit Polizeipräsidentin Slowik Meisel und Innensenatorin Spranger zusammengekommen. (Quelle: dpa/Ukas)
Der Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses ist wegen des tödlichen Anschlags eines mutmaßlichen Islamisten zu einer Sondersitzung mit Polizeipräsidentin Slowik Meisel und Innensenatorin Spranger zusammengekommen. (Quelle: dpa/Ukas)

12:18 Uhr: Grüne fordern Untersuchungsausschuss

Der Berliner Grünen-Fraktionsvorsitzende, Werner Graf, hat am Mittwoch einen Untersuchungsausschuss gefordert, um den Anschlag auf den Christopher Street Day aufzuarbeiten.

Graf sagte in der Sondersitzung des Innenausschusses, er sehe im Zusammenhang mit dem Anschlag enorm hohen Aufklärungsbedarf. Es müsse vor allem geklärt werden, warum die polizeilichen Überwachungsmaßnahmen gegen den mutmaßlichen Attentäter vor dem Anschlag wieder zurückgefahren wurden. Sollten nicht genügend Informationen im Parlament ankommen, brauche es einen Untersuchungsausschuss, so Graf.

12:08 Uhr: Innensenatorin verspricht Aufklärung

Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) hat am Mittwoch eine vollständige Aufarbeitung möglicher Versäumnisse im Zusammenhang mit der Überwachung des mutmaßlichen Attentäters vom Christopher Street Day angekündigt. Sie werde vollständige Transparenz über die polizeilichen Maßnahmen gegenüber dem 21-jährigen Abdul B. herstellen, sagte sie in einer Sondersitzung des Innenausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus.

Linke und Grüne kritisierten Spranger. Sie habe keine Informationen preisgegeben, die nicht bereits über die Medien bekannt seien. Unter anderem geht es um zeitweilige Überwachungslücken durch die Polizei.

Eine Kerze mit einer Sonnenblume am Ort des CSD- Anschlags. (Quelle: rbb)
ARD Player Poster
Betroffene_Opfer_nehmen_zusammen_AnteilBetroffene_Opfer_nehmen_zusammen_Anteil
2 Min
Berlin Große Anteilnahme am Ort des CSD-Anschlags
Eine Kerze mit einer Sonnenblume am Ort des CSD- Anschlags. (Quelle: rbb)

10:55 Uhr: Justiz wehrt sich gegen Kritik

In einer gemeinsamen Presseerklärung haben am Mittwoch die Präsidentin des Kammergerichts Andrea Diekmann und Generalstaatsanwältin Margarete Koppers Kritik im Fall um den CSD-Attentäter zurückgewiesen und die Unabhängigkeit der Justiz betont.

Im Mai ist Abdul B. vom Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Tiergarten zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden. Die Kritik daran sei "vielfach pauschal oder von wenig Faktenkenntnis", heißt es in der Erklärung. Entgegen vielfacher Behauptungen war der mutmaßliche Täter nicht wegen schwerer Gewaltdelikte vorbestraft, teilen Diekmann und Koopers mit.

"Eine solch undifferenzierte und nicht die Aufklärung in den Mittelpunkt rückende Bewertung stellt die Unabhängigkeit der Justiz und damit eine Säule des Rechtsstaats infrage".

CSD-Vorstandsmitglied nach Anschlag: "Jetzt erst recht" () ()

07:34 Uhr: Berliner Linke fordern umfassende Aufklärung

Die Berliner Linken fordern eine umfassende Aufklärung der Hintergründe des CSD-Anschlages vom Wochenende. Spitzenkandidatin Elif Eralp sagte im rbb24 Inforadio, jetzt schon schärfere Gesetze zu fordern, sei falsch.

"Es hilft jetzt nicht der schnelle Ruf nach Gesetzesverschärfungen, sondern wir müssen uns ganz genau angucken, was dort passiert ist. Als erstes muss die Tat umfassend aufgeklärt werden. Deswegen haben wir als Linke die Innenausschusssitzung heute mit beantragt. (...) Von Schnellschüssen halte ich nichts."

Eralp sagte weiter, es seien vorhandene Instrumentarien nicht genutzt worden. Außerdem gebe es zahlreiche offene Fragen:

"Warum wurde die Untersuchungshaft gegen den wegen IS-Propaganda (...) verurteilten Täter aufgehoben? Warum gab es dort Überwachungslücken, obwohl der Täter bereits als islamistischer Gefährder eingestuft wurde? Das sind Fragen, die man jetzt klären muss - auch, ob es noch Hintermänner gab."

Sabine Dahl im Interview mit Elif Eralp (Linke) | rbb24 Inforadio () ()

07:15 Uhr: Wegner spricht sich für Islamunterricht aus

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner hält Islamunterricht an Berliner Schulen für sinnvoll. "Es gibt immer wieder Jugendliche, die durch radikal religiöse Kontakte in sogenannten Hinterhofmoscheen radikalisiert werden", sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur.

"Religionsunterricht an staatlichen Schulen könnte einen großen Teil dazu beitragen, Jugendliche vor solchen Beeinflussungen zu schützen. Dazu gehört, dass auch der Islamunterricht an Schulen stattfindet, der dadurch staatlicher Kontrolle unterliegen würde", sagte Wegner.

"Auf diese Weise könnten wir Radikalisierungstendenzen entgegenwirken, die es in einigen wenigen, nicht in allen Moscheen in Berlin gibt", sagte Wegner. "Gleichzeitig müssen wir den Druck und die Kontrolle auf radikale Moscheen erhöhen, mit dem Ziel sie zu verbieten."

CDU und SPD hatten 2023 in ihrem Koalitionsvertrag die Einführung eines Wahlpflichtfachs Weltanschauungen/Religionen vereinbart, aber nicht umgesetzt. Die Teilnahme am Religionsunterricht in Berlin ist freiwillig.

07:00 Uhr: Mutmaßlicher Attentäter schon in Grundschule verhaltensauffällig

Der mutmaßliche Attentäter des Berliner CSD-Anschlags, Abdul B., ist den Behörden deutlich früher bekannt gewesen, als bisher angenommen.

Wie die "Berliner Morgenpost" [Bezahlschranke] berichtet, geht das aus internen Akten aus dem Umfeld der Jugendhilfe hervor. Demnach fiel Abdul B. als Erstklässler durch massiv aggressives Verhalten auf und wurde mehrfach vom Unterricht suspendiert. Die Eltern hätten über Jahre hinweg die Zusammenarbeit mit Schulen und Jugendamt verweigert. Auch für eine psychiatrische Diagnostik gaben die Eltern dem Bericht zufolge keine Zustimmung.

Berlins Bildungssenatorin Günther-Wünsch hat deshalb eine Debatte darüber gefordert, wann Kinder- und Jugendschutz über den elterlichen Willen gestellt werden sollte.

06:00 Uhr: Innenausschuss kommt zu Sondersitzung zusammen

Vier Tage nach dem Anschlag auf den Berliner CSD kommt heute Vormittag der Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses zu einer Sondersitzung zusammen. Dabei geht es um die Frage, ob die Behörden im Umgang mit dem Tatverdächtigen Fehler gemacht haben. Außerdem wollen die Abgeordneten über bessere Sicherheitsmaßnahmen beraten. Diskutiert werden unter anderem schärfere Gesetze, elektronische Fußfesseln und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz zur Überwachung.

Die Sitzung kann im Livestream des Abgeordnetenhauses verfolgt werden [www.parlament-berlin.de].

Hilfe-Telefone für Betroffene

Betroffene des Anschlags am Rande des Christopher Street Days (CSD) in Berlin können ab sofort kostenlose telefonische Hilfe erhalten. Die Beratungs-Hotline 030 90229 6300 sei von Montag bis Freitag zwischen 7:30 und 16 Uhr erreichbar, teilte das Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales mit.

Zudem gibt es ein gemeinsames Hilfetelefon des Bundes und des Landes Berlin. Unter 0800 0009546 steht eine psychosoziale Beratung zur Verfügung, wie die Webseite der Bundesregierung informiert.

Weitere Hilfe und Unterstützung bieten auch Vereine an wie etwa

  • Weißer Ring: (030) 8337060
  • Opferhilfe e.V.: (030) 3952867
  • Berliner Krisendienst (030) 3906300
  • Telefonseelsorge Deutschland 0800 1110111 oder 0800 1110222 oder 116123

Sendung: rbb24 Inforadio, 29.07.2026, 12 Uhr
Audio: rbb24 Inforadio, 29.07.2026, Bastian Sorge

Berlin Queer CSD-Anschlag

50 Kommentare

  • Wannseeotter

    Nein, da liegt keine ,,Verwechslung'' vor, der islamistische Terror ist in seinen Zielen dem rechtsextremistischen terror ebenbürtig! Wir müssen beide Extremistenlager rund um die Uhr und mit allen Mitteln beobachten und bekämpfen.

    • Ungut

      Nein, sie haben Unrecht und sie wissen das auch und es beleidigt alle Opfer des Terrors.

    • Klatsch

      Sind sie nur naiv oder unwissend?

    • Auweia

      Na gut, in den Zielen dieser Extremisten, sind die gleich, könnten sich die Hände reichen.

    • Ideologie

      Sie dürfen Islamismus nicht relativieren, das beleidigt die Opfer. Haben Sie etwas Anstand vor den Opfern, Sie nutzen die Situation für niedere Beweggründe, ihr Ego, mehr nicht.

  • Paleface

    Man muß auch mal Danke sagen!" Danke für die schnelle Ermittlung und Unschädlichmachung des Täters! Dann auch die hervorragende Arbeit der vielen Seelsorger und Polizisten! Und zu guter Letzt auch dem Senat und dem Justizministerium, die sich von den überhitzten und rechtspopulistischen Forderungen nicht vom Prinzip des unseres Rechtsstaates abbringen lassen, laut Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland!

    • Nachdenker

      Korrekt! Das übergehen hier die Kommentatoren, die NUR vom Islamistischen terror reden, aber die eigentliche und schwerwiegendere Gefahr für Deutschland verschweigen: den Rechtsextremismus. Die gehen Hand in Hand mit den Islamisten.

  • Auweia

    Die Eltern des Täters haben ihrem Kind also nicht geholfen! Sie haben die Zusammenarbeit mit Behörden und Hilfen verweigert, als es in der Grundschule durch Gewalttätikeit auffiel. Damit sind die Eltern durchaus in der Rechtfertigungspflicht und tragen eine Mitverantwortung für das Abgleiten ihres Sohnes in die islamistische Szene. Der Vater versucht aber in Interviews ein ganz anderes Bild zu vermitteln.

    0 Antworten

Mehr bei rbb|24