Eine Tote und Verletzte bei CSD + Anschlagsverdacht - Polizei ermittelt mit Fahndungsaufruf +
Ein Transporter ist am Rande des Berliner CSD in eine Menschenmenge gefahren. Eine Frau starb, mindestens 16 weitere Menschen wurden verletzt. Die Polizei fahndet nach dem mutmaßlichen Täter mit einem öffentlichen Fahndungsaufruf. Er soll der islamistischen Szene angehören.
- Tatverdächtiger wird islamistischem Milieu zugerechnet
- Merz verurteilt "abscheuliche Tat"
- Motiv noch unklar
- Drei lebensbedrohlich Verletzte
Nach dem Angriff am Rande des Berliner Christopher Street Days (CSD) durchsuchen Polizisten das Gebiet rund um den Wagen, der in eine Menschenmenge gefahren war. Die Polizisten sammelten sich zunächst vor dem Gebiet im Tiergarten und starteten kurz nach 11.00 Uhr mit der Suchaktion.
Was ist über den Tatverlauf bekannt? Welche Informationen sind über den mutmaßlichen Täter bekannt? Und wie haben Politiker auf den Angriff beim Christopher Street Day reagiert? Hintergründe in einem FAQ.
Nach Informationen von SZ, NDR und WDR war der Tatverdächtige Abdul B. als islamistischer "Gefährder" eingestuft. Sicherheitsbehörden schätzten ihn demnach als radikalisiert und gewaltbereit ein. Er soll versucht haben, nach Syrien auszureisen, um sich dem "Islamischen Staat" anzuschließen.
Demnach wurde er Ende 2025 bei einer Rückreise aus dem Libanon am Berliner Flughafen BER festgenommen. Laut Ermittlerkreisen soll er wegen des Verdachts auf Vorbereitung einer terroristischen Straftat bis Mai 2026 in Untersuchungshaft gesessen haben.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich erschüttert über den mutmaßlichen Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin geäußert. "Diese Tat ist ein Angriff auf unsere offene Gesellschaft, auf unsere Art zu leben und zusammenzuleben“, sagte Steinmeier in Hamm laut Redemanuskript.
Seine Gedanken seien bei den Angehörigen und Freunden der beim Anschlag getöteten Frau und den schwer Verletzten, sagte Steinmeier, der in Hamm das große Tempelfest der Hinduistischen Gemeinde in Deutschland besuchte.
" Es gab eine große Erschütterung auch in der Bundespolitik", Iris Sayram, ARD Berlin, zu den Reaktionen auf die Tat in Berlin
Nach dem Angriff auf die Christopher-Street-Kundgebung werden im Zuge der Ermittlungen weitere Details bekannt. ARD-Terrorismusexperte Holger Schmidt erklärte auf tagesschau24, dass der mutmaßliche Täter Abdul B. offenbar den weißen Transporter selbst angemietet haben soll.
Ob er ihn selbst gefahren habe oder Beifahrer war und welche Rolle er bei dem Angriff spielte, sei noch unklar. Die Ermittlungen würden jetzt auch darauf ausgerichtet, ob Hintermänner involviert waren. Auch sei eine Frage, wie der oder die Täter vom Tatort weggekommen seien.
Feststeht, dass der 21-jährige Abdul B. zuvor im Zusammenhang eines Verfahrens zum Paragraphen 89a StGB (Vorbereitung einer terroristischen Straftat) Kontakt zum "Islamischen Staat" eingeräumt haben soll. Es sei davon auszugehen, dass die Tat "vorsätzlich" geschehen sei, mit der Absicht Menschen zu töten.
Holger Schmidt, ARD-Terrorismusexperte, zum Tatverdächtigen in Berlin
Berliner Erzbischof trauert um Opfer
Der Berliner katholische Erzbischof Heiner Koch hat mit Entsetzen auf den mutmaßlichen Anschlag auf den Christopher-Street-Day (CSD) in Berlin am Samstagabend reagiert. "Wie schrecklich! Ein so frohes und bewegendes Fest, brutal zu zerstören", erklärte Koch auf Anfrage. In den Sonntagsgottesdiensten werde Fürbitte für die Betroffenen und ein friedliches Miteinander in der Gesellschaft gehalten, kündigte Koch an. "Der Hass darf nicht gewinnen."
Entsetzen in der CSD-Community
Teilnehmer der Christopher Street Day-Kundgebung sprechen von einer "traurigen Nacht".
Die Rapperin Ikkimel rief nach dem tödlichen Vorfall am Rande des Berliner Christopher Street Days (CSD) zu Zusammenhalt auf. "Liebe ist NIEMALS der Fehler, ANGST UND HASS niemals eine Antwort", schrieb die 29-Jährige bei Instagram. Sie hoffe, dass viele Menschen jetzt realisierten, wie wichtig es sei, zusammenzuhalten - "jetzt noch mehr als sonst".
CSD-Teilnehmer berichten von Tat in Berlin
Der ARD-Terrorismusexperte Holger Schmidt berichtet, der Tatverdächtige sei den Behörden im Zusammenhang mit der Terrororganisation "Islamischer Staat" aufgefallen. Es soll auch Verfahren gegeben haben, der Mann soll in Haft gewesen sein. Doch die Hintergründe seien noch unklar.
Holger Schmidt, ARD-Terrorismusexperte, zum Tatverdächtigen in Berlin
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) erklärte laut einer Mitteilung des Ministeriums: "Diese feige, abscheuliche Attacke auf friedlich feiernde Menschen erschüttert mich zutiefst. Meine Gedanken sind bei den Opfern, ihren Angehörigen und allen, die diese Tat miterleben mussten."
Man werde alles daransetzen, die Tat und Hintergründe schnell aufzuklären und zu ahnden. Bundeskanzler und Bundesinnenminister stünden in engem Kontakt mit den Berliner Sicherheitsbehörden und hätten Unterstützung aus dem Bund angeboten, heißt es weiter. Ausdrücklich dankte der Minister den Einsatzkräften vor Ort.
Reaktionen auf mutmaßlichen Anschlag in Berlin
Ermittlungen laufen auf Hochtouren
Experten sichern am Tatort in Berlin weiter Spuren und versuchen, sich weiter ein Bild von der Lage zu machen. Unklar ist, ob es sich um einen oder mehrere Täter handelt. Auch wurde eine Wohnung in Berlin-Schöneberg durchsucht. Mehr als 2000 Polizisten sollen im Einsatz sein.
Die Veranstaltungen des Christopher Street Day wurden abgesagt.
Birgit Langhammer, ARD-aktuell, zu den Ermittlungen in Berlin
Fahndungsaufruf der Polizei Berlin
Wegen des "Verdachts eines Anschlags" am Rande der Christopher Street Day (CSD) in Berlin haben die Ermittler den 21-jährigen Tatverdächtigen Abdul B. öffentlich zur Fahndung ausgeschrieben.
Die Polizei Berlin warnte in einer im Onlinedienst X veröffentlichten Erklärung davor, den mutmaßlich islamistischen Verdächtigen anzusprechen, da er "möglicherweise bewaffnet und gefährlich" sei. Der Mann habe eine schlanke Statur, sei etwa 1,90 Meter groß und habe schwarze Haare.
Die Berliner Polizei hat dieses Fahndungsfoto veröffentlicht.
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) spricht nach der Attacke am Rande des Christopher Street Days von einem "Angriff auf unsere freie und weltoffene Gesellschaft“. "Nach einem friedlichen und bunten CSD wurde die Versammlung für ein tolerantes und friedliches Berlin auf brutalste Art attackiert", teilte er mit.
Eine Tote und Verletzte bei CSD in Berlin · Verdächtiger soll zu islamistischer Szene gehören
Bei dem mutmaßlichen Täter soll es sich um einen 21 Jahre alten Mann handeln. Er wurde nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa erst im Mai 2026 aus dem Jugendarrest entlassen. Nach ihm solle in Kürze öffentlich mit Fotos gefahndet werden.
Todesopfer ist eine Frau
Bei dem Todesopfer in Berlin handelt es sich um eine Frau. Das sagte Polizeisprecher Florian Nath am frühen Morgen. Die Frau wurde demnach bei dem Vorfall am Rande des Christopher Street Days so schwer verletzt, dass sie noch vor Ort starb. Weitere Details nannte der Sprecher nicht. Auch Angaben zum aktuellen Zustand der mindestens 16 Verletzten lagen nicht vor.
"Es sollen 16 Personen verletzt worden sein und es soll offenbar einen Toten gegeben haben", Lilli Michaelsen, ARD-aktuell, zum aktuellen Stand
Die Fahndung nach dem mutmaßlichen Täter läuft laut Polizei mit Hochdruck. Es liefen bereits Maßnahmen gegen diesen Tatverdächtigen, sagte ein Polizeisprecher. Er kündigte an, dass die Polizei bei der Fahndung nach dem Verdächtigen wahrscheinlich auch die Öffentlichkeit einbeziehen wolle. Weitere Details dazu nannte er nicht.
Die Polizei hat einen möglichen Tatverdächtigen identifiziert. Er gehöre dem islamistischen Milieu in Berlin an, sagte ein Polizeisprecher. Der Mann sei polizeibekannt. Laut der Nachrichtenagentur dpa hat die Polizei eine Wohnung in Berlin Schöneberg durchsucht. Es erfolgte aber keine Festnahme, weil der mutmaßliche Täter nicht angetroffen wurde, wie Polizeisprecher Florian Nath der dpa sagte.
Polizei richtet Hinweisportal ein
Die Polizei hofft auf Hinweise aus der Bevölkerung und hat dafür ein Hinweisportal eingerichtet. Zeugen werden gebeten, sachdienliche Hinweise in Form von selbst aufgenommenen Fotos oder Videos zum Tatgeschehen über einen Link an das Hinweisportal der Polizei zu übertragen. Die Polizei fahndete in der Nacht weiterhin nach dem oder den Tätern.
Auto rast in Menschenmenge während der CSD-Parade in Berlin
Nach Angaben von Feuerwehrsprecher Dominik Pretz sind von den 16 Verletzten drei lebensbedrohlich und acht schwer verletzt. Zudem gibt es fünf leicht verletzte Menschen, wie Pretz sagte. Die schwer verletzten Menschen seien alle in Krankenhäuser gebracht worden. Zudem werden nach Angaben des Sprechers 30 Menschen von den Helfern der Feuerwehr betreut. Sie stünden unter dem Eindruck des Geschehens.
Unklar, ob ein oder mehrere Täter
Nach Polizeiangaben gibt es unterschiedliche Aussagen darüber, ob es ein Täter war, oder ob es mehrere waren. "Deshalb haben wir uns sehr breit aufgestellt“, sagte Polizeisprecher Florian Nath. Details wollte er nicht nennen.
In Rettungsdecken gehüllte Menschen
Merz verurteilt "abscheuliche Tat"
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) verurteilte die Todesfahrt am Rande des Christopher Street Day als "abscheuliche Tat". Merz stehe mit Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) "in engstem Kontakt" und werde von den Sicherheitsbehörden "fortlaufend unterrichtet", erklärte ein Regierungssprecher in der Nacht .
Motiv noch unklar
Die genauen Hintergründe der Tat waren zunächst unklar. "Wir wissen momentan noch nichts über irgendwelche Motivlagen, über die Person des Täters oder Ähnliches", sagte ein Polizeisprecher. "Das ist alles noch nicht gesichert bekannt."
Ein Augenzeuge sagte der Nachrichtenagentur AFP, ein Lieferwagen sei mit hoher Geschwindigkeit von der Lennéstraße in den Tiergarten abgebogen. Dabei habe er mindestens zwei Menschen angefahren. Die Nachrichtenagentur dpa meldete, ein weißer Wagen sei gegen 22.00 Uhr am Ahornsteig parallel zur Lennéstraße gefahren. Dort habe er mehrere Menschen angefahren, bevor er mit einem Baum kollidierte. Der Fahrer habe das Fahrzeug verlassen und sich in unbekannte Richtung entfernt.