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AfD-Strategie
Christina Baum heuchelt Sorge um Sicherheit schwuler Männer vor
Die AfD-Hardlinerin Christina Baum würde gerne CSDs verbieten und betrachtet Homosexuelle als nicht normal. Nun macht sie sich aber auf Social Media angeblich Sorgen um Schwule – um gegen eine noch verhasstere Gruppe zu hetzen.
Christina Baum macht sich Sorgen über Milieus, die "unsere Werte nicht nur ablehnen, sondern aktiv bekämpfen" (Bild: IMAGO / Mauersberger)
- 19. Juni 2026, 12:49h 4 Min.
Christina Baum hat am Donnerstagabend auf Social Media vorgegeben, sich um die Sicherheit schwuler Männer Sorgen zu machen: "Schwule Männer werden über Dating-Apps gezielt in Hinterhalte gelockt, ausgeraubt und brutal verprügelt", so die AfD-Bundestagsabgeordnete aus Sachsen-Anhalt auf Facebook. Dabei sprach sie von einem Fall aus dem hessischen Offenbach, bei dem mindestens sieben Schwule bei einem angeblichen Online-Date von einer Gruppe maskierter Männer in einen Hinterhalt gelockt und brutal verprügelt worden sind (queer.de berichtete1).
Da die Täter laut Polizei einem "arabischen oder südländischen Phänotypen" entsprechen würden, sah Baum deren "muslimisches Weltbild" als Grund für die Attacke an und beklagte: "Arabische Banden verprügeln Schwule". Weiter schrieb die enge Vertraute von Björn Höcke: "Dieses Weltbild lehnt die Gleichberechtigung der Geschlechter ebenso ab wie die Akzeptanz von Homosexualität. Wer ein solches religiös motiviertes Feindbild mitbringt, wird nicht plötzlich zum toleranten Bürger, nur weil er in Deutschland lebt", so Baum. "Die Realität zeigt vielmehr, dass Teile dieser Milieus unsere Werte nicht nur ablehnen, sondern aktiv bekämpfen."
Baum für CSD-Verbot
Freilich ist ihre plötzliche Sorge um schwule Männer eigenartig, da Baum, ihre AfD-Mitabgeordneten und ihr "Milieu" ebenfalls queere Menschen "aktiv bekämpfen". So forderte die dem völkischen Flügel der Partei zugerechnete Politikerin ein pauschales Verbot von CSD-Demonstrationen2, und behauptete, dass die Gleichbehandlung queerer Menschen "eine echte Gefahr für die geistige Gesundheit von Kindern"3 darstelle. Außerdem attestierte sie Homosexuellen, nicht normal zu sein ("Wäre Homosexualität normal, wäre die Menschheit schon längst ausgestorben"4).
Eine Auwahl der geistigen Ergüsse von Christina Baum auf Facebook (Bild: Facebook)
Baum hat trotzdem bereits in der Vergangenheit versucht, Homosexuelle zu umwerben. So schrieb sie 2021 an ihre "Fangemeinde der LGBTQ Community", "dass es nur eine einzige Partei gibt, die Ihr wählen müsst" – nämlich die AfD. Auch hier verwies sie auf die angebliche Gefahr durch Einwanderung aus "kulturfremden" Ländern (queer.de berichtete5).
Für ihren neuen Umschmeichelungskurs für Schwule erhielt Baum in Kommentaren einiges Kontra: "Du hast mehrere Posts bezüglich des Stolzmonats6, welches eine bewusste Bewegung ist den Pride Month ins Lächerliche zu ziehen", beklagte ein Nutzer auf Facebook. Andere wiesen darauf hin, dass ein Fünftel der CSDs letztes Jahr von rechten Gegenversammlungen und Störaktionen betroffen7 gewesen sei.
Ein andere Nutzer erklärte auf Facebook: "CSDs finden nur noch unter massivem Polizeischutz statt oder werden abgesagt, nicht wegen möglicher Gewalt von arabischstämmigen Menschen. Der große Teil der queerfeindlichen Gewalt kommt aus dem politisch rechten Bereich (BKA-Statistik)." Tatsächlich zeigen die letzte Woche veröffentlichten Zahlen des Bundeskriminalamtes zu Hasskriminalität gegen queere Menschen, dass mehr als 80 Prozent der Fälle rechtsmotiviert seien und nur jeder zehnte Fall von einer ausländischen oder religiösen Ideologie ausgehen würde (queer.de berichtete8). Zudem verschweigt die AfD gerne jene Taten, die von Personen mit in AfD-Kreisen vertrauteren Namen verübt werden, etwa von Daniel F., der in Berlin erst am Mittwoch zu fünf Jahren Haft wegen der Hatz auf queere Cruiser verurteilt wurde (queer.de berichtete9).
Baum wirft den Medien auch vor, dass angeblich Taten, die von mutmaßlich muslimischen Personen verübt werden, "von großen Teilen der Medien und der Politik systematisch verschwiegen oder verharmlost" werden würden – gleichzeitig verlinkt sie dazu einen Artikel der "Frankfurter Rundschau", die nicht gerade als AfD-nah bekannt ist und genau die von Baum beklagte Tat beschreibt.
Dass die mutmaßlichen Täter laut Polizei einem "arabischen oder südländischen Phänotypen" entsprechen, berichtete übrigens auch queer.de in der Erstmeldung (queer.de berichtete1). Der CSD Offenbach rief danach dazu auf, Queerfeindlichkeit als "gesamtgesellschaftliches Problem" zu betrachten und im Kampf gegen antiqueere Gewalt von Jugendlichen gerade Projekte zu fördern, "die queere Lebensmodelle in der Gesellschaft sichtbar und normal machen" (queer.de berichtete10). Genau dagegen wehrt sich aber die AfD. (dk)
Links
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=58378
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=39207
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=35105
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=39494
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=39947
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=45801
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=55900
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=58306
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=58436
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=58404













