Icon Pfeil zurück Start
Daten zum Autobestand Immer weniger Pkw-Neuzulassungen in Berlin – doch es gibt eine "Schattenflotte"
Symbolbild: Eine Radfahrerin fährt im sommerlichen Berlin an parkenden Autos vorbei. (Quelle: dpa/Steinberg)
ARD Player Poster
Abschied vom Auto?Abschied vom Auto?
3 Min
Symbolbild: Eine Radfahrerin fährt im sommerlichen Berlin an parkenden Autos vorbei. (Quelle: dpa/Steinberg)

Die Zahl der in Berlin zugelassenen Autos pro Einwohner ist auf den niedrigsten Stand seit Jahren gefallen. Das geht aus einer Antwort des Senats auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Abgeordneten Antje Kapek hervor. Demnach gab es im vergangenen Jahr 275 Pkw je 1.000 Einwohner – im Jahr 2010 waren es noch 298. Der "Tagesspiegel" [Bezahlinhalt] hatte zuerst darüber berichtet.

Die Quote ist in den vergangenen Jahren gesunken, obwohl die absolute Zahl der zugelassenen Autos leicht gestiegen ist. Der Grund: In den vergangenen 15 Jahren ist die Einwohnerzahl viel schneller gewachsen als die Zahl der in der Hauptstadt zugelassenen Pkw.

Zudem gibt es immer weniger Neuzulassungen: Seit dem Höchststand im Jahr 2009 ist die Zahl der neu zugelassenen Pkw langsam gesunken und erreichte 2025 mit 59.523 Neuzulassungen einen Tiefpunkt.

Zwischen den Bezirken gibt es dabei teilweise große Unterschiede. Am größten ist der Rückgang der zugelassenen Pkw pro 1.000 Einwohner in Lichtenberg (-18,6 Prozent) und Pankow (-13,8 Prozent). Am wenigsten zurückgegangen sind die Zahlen in Bezirken im Berliner Westen wie Spandau (-3,6 Prozent) und Steglitz-Zehlendorf (-3,4 Prozent), in Neukölln ist die Zahl sogar gestiegen (+0,8 Prozent).

Zahl der Elektroautos und Wohnmobile steigt rasant

Was hingegen stark steigt, ist die Zahl der batterie-elektrischen Fahrzeuge: Waren Ende 2015 noch weniger als 2.000 E-Autos in der Stadt registriert, hat sich die Zahl zehn Jahre später mehr als verzwanzigfacht: Ende 2025 waren es 57.226 Elektrofahrzeuge – Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge zählen in der Statistik nicht dazu.

Ein großer Zuwachs ist auch beim Wohnmobil-Bestand zu beobachten: Laut der Statistik hat sich die Zahl der zugelassenen Wohnmobile zwischen 2010 und 2024 in Berlin mehr als verdoppelt. In diesem Zeitraum ist der Bestand von rund 8.000 auf rund 19.000 Wohnmobile gestiegen.

Berlins "Schattenflotte"

Doch die Zahlen aus der Zulassungsstatistik liefern kein komplettes Bild – es fehlen nämlich viele Autos, die in der Hauptstadt fahren und stehen, aber woanders zugelassen sind. Man erkennt sie an Kennzeichen, die mit Buchstaben wie LOS (Landkreis Oder-Spree), EU (Euskirchen) oder F (Frankfurt am Main) beginnen.

Der Soziologe und Mobilitätsforscher Andreas Knie spricht von einer "Schattenflotte" von nicht in Berlin zugelassenen Autos. Seiner Einschätzung nach könnten sie fünf bis zehn Prozent der Pkw in der Stadt ausmachen. Dazu gehören die Autos großer Unternehmen, von Fahrdienstleistern wie Uber und Bolt sowie Mietautos. Der Carsharing-Anbieter Miles mit etwa 10.000 Fahrzeugen in der Stadt meldet beispielsweise viele seiner Autos in Wiesbaden (WI) an.

Auf große Pkw-Flotten spezialisierte Kreise

"In Deutschland gibt es Zulassungsbehörden in gewissen Kreisen, die einfach auf große Flotten spezialisiert sind", sagte Adrian Limbach-Smiatek, Sprecher des Auto-Abo-Anbieters Finn, der 4.500 Pkw in Berlin vermietet. "Man kann dort mit wenig Aufwand, auch gerade digital, mehrere Autos auf einmal zulassen." Dazu gehörten Landkreise wie eben Euskirchen oder Wiesbaden.

Zudem spielen auch private Halter bei der sogenannten Schattenflotte eine Rolle: Pendler mit auswärtigen Kennzeichen und Fahrzeuge, deren Kennzeichen vom Vorbesitzer übernommen wurden. Halter müssen nämlich seit 2015 ihre Autos nicht mehr in der Gemeinde ummelden, in der sie leben.

Angesichts der statistischen Zahlen geht die Verkehrssenatsverwaltung trotzdem davon aus, dass die Einwohner Berlins weniger Autos haben als noch vor einigen Jahren, wie eine Sprecherin dem rbb sagte. "Wir gehen tatsächlich davon aus, dass viele Berliner tatsächlich auf ein Auto verzichten."

Doch geht mit weniger Autos auch weniger Autoverkehr in der Hauptstadt einher? Eine Antwort darauf liefert die Studie "Mobilität in Städten" der Technischen Universität Dresden. Demnach werden in Berlin 22 Prozent aller Wege mit dem motorisierten Individualverkehr zurückgelegt (vor allem mit Pkw und Motorrädern). Die Daten stammen aus dem Jahr 2023. Zehn Jahre zuvor lag der der motorisierte Anteil noch bei 30 Prozent.

Aktuell sind die Berliner der Studie zufolge am häufigsten zu Fuß unterwegs - rund jeder dritte Weg wird so zurückgelegt. Der ÖPNV-Anteil liegt bei 26 Prozent und der von Fahrrädern bei 18 Prozent – fünf Prozentpunkte mehr als 2013. Wie viele Fahrräder in der Hauptstadt inzwischen unterwegs sind, ist unbekannt – es gibt für Fahrräder keine Zulassungspflicht. Somit hat Berlin eine weitere "Schattenflotte", die nicht kleiner werden dürfte.

Mit Material von Juliane Kowollik und Uri Zahavi.

Sendung: rbb24 Abendschau, 17.06.2026, 19:30 Uhr

Video: rbb24 Abendschau, 17.06.2026, Uri Zahavi

Berlin

54 Kommentare

  • Horst

    Also wenn ich mir vorstelle, meine Lebenszeit damit zu verbringen, neben der Miete und den allgemeinen Kosten auch noch für den Unterhalt eines (oder gar zwei) eigenen PKWs zu arbeiten - och nö. Die Kombi Berlin und Deutschlandticket ist für mich klar das unschlagbare Preis-Leistungs-Angebot.

    • Interessant

      Ich freue mich jeden Arbeitstag darüber, dass ich mit dem Auto in Summe eine Stunde schneller bin als mit den Öffis (nach Fahrplan). Wie oft "nach Fahrplan" nicht klappt, sollte ja bekannt sein, sodass ich realistisch betrachtet täglich mehr als eine Stunde spare. Und ja, Autofahren kann nervig sein, aber die Öffis sind es mindestens genauso.

    • Onkel Uhu

      In Brandenburg ist das anders. Viele haben ein Eigenheim und können die Kosten besser steuern. Die allgemeinen Unterhaltungskosten sind etwas günstiger, aber ein Auto braucht man vielerorts. Das ist ein wahrlich teurer Posten, aber meist unverzichtbar. Wenn in einer Familie beide zur Arbeit fahren müssen, sind sogar zwei Autos notwendig. Uns ging es zwölf Jahre so.

  • Horst

    Also wenn ich mir vorstelle, meine Lebenszeit damit zu verbringen, neben der Miete und den allgemeinen Kosten auch noch für den Unterhalt eines (oder gar zwei) eigenen PKWs zu arbeiten - och nö. Die Kombi Berlin und Deutschlandticket ist für mich klar das unschlagbare Preis-Leistungs-Angebot.

    0 Antworten
  • Realist

    Auch die Firmenwagen großer Unternehmen mit Mitarbeitern in Berlin sind nicht zu unterschätzen, z. B. Bonn mit Telekom und DHL. @ rbb: Übrigens ist der Begriff Schattenflotte belegt. Der Begriff Gastflotte wäre zutreffender.

    0 Antworten

Mehr bei rbb|24