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Offizielle Zahlen veröffentlicht
Queerfeindliche Straftaten erreichen neuen Höchststand in Deutschland
Keine Entwarnung, ganz im Gegenteil: Letztes Jahr gab es einen erneuten Anstieg bei politisch motivierter Kriminalität. Queerfeindliche Straftaten nahmen überdurchschnittlich zu.
Schaut man auf die neuen BKA-Zahlen, mangelt es offenbar an Bildung in Deutschland (Bild: IMAGO / Müller-Stauffenberg)
- 9. Juni 2026, 13:10h 3 Min.
Die Zahl registrierter Fälle von Hasskriminalität1 gegen queere Menschen ist im Jahr 2025 weiter gestiegen. Wie aus der am Dienstag von Bundesinnenministerium und Bundeskriminalamt veröffentlichten Statistik (PDF2) zu politisch motivierter Kriminalität (PMK) hervorgeht, wurden im Bereich "sexuelle Orientierung" 2.070 Fälle gemeldet – im Vorjahr waren es 1.765. Das bedeutet einen Anstieg von 17 Prozent. Im Vergleich zu 2022 haben sich die Fälle sogar mehr als verdoppelt. Auch die Zahl der Gewaltdelikte ging nach oben – von 253 auf 284.
Von den Taten, die einer Ideologie zugeordnet werden konnten, waren 84 Prozent rechtsmotiviert. Weit abgeschlagen folgten sogenannte ausländische Ideologien (7 Prozent) und religiöse Ideologie (5 Prozent) sowie linke Ideologie (3 Prozent).
(Bild: BKA)
Im Bereich "geschlechtsbezogene Diversität" stieg die Zahl der registrierten Fälle auf 1.294 – und damit um zwölf Prozent. Im Vergleich zu 2022 bedeutet das eine Verdreifachung. Auch hierfür waren vor allem rechtsideologische Motive verantwortlich (89 Prozent).
Immerhin: Die Zahl der Gewalttaten aufgrund von "geschlechtsbezogener Diversität" ging laut dem BKA von 128 auf 112 zurück.
(Bild: BKA)
Alle queerfeindlichen Straftaten zusammengerechnet stiegen um 13 Prozent auf 2.377 Fälle, meldete das BKA. "Auffällig ist dabei der hohe Anteil von Gewaltdelikten, der deutlich über dem Durchschnitt aller PMK-Delikte liegt", teilte die Behörde mit. Die Gesamtzahl ist geringer als die einzelnen Fälle "sexuelle Orientierung" und "geschlechtsbezogener Diversität", da bei Hasskriminalität auch eine Zuordnung zu mehreren Gruppen möglich ist.
(Bild: BKA)
Insgesamt legte die Zahl der Fälle von Hasskriminalität um lediglich zwei Prozent auf 22.159 zu. Mit Abstand die meisten Fälle von Hasskriminalität waren Fremden- und Ausländerfeindlichkeit sowie Antisemitismus.
Das BKA vermeldete zudem einen neuen Rekord bei politisch motivierter Gewalt – es gab insgesamt 85.837 Fälle, auch hier wurde ein Anstieg um zwei Prozent vermeldet. Der Anstieg ging fast ausschließlich auf mehr linksextremistische Taten zurück, die aber immer noch weniger als ein Drittel der rechtsmotivierten Straftaten ausmachten.
Das Wortungetüm "Politisch motivierte Gewalt" ist ein formaler Oberbegriff im deutschen Polizeisystem, der auch alle Fälle von Hasskriminalität umfasst. Politisch motivierte Gewalt bezeichnet auch Straftaten, die sich nicht direkt gegen gegen die Identität einer bestimmten Menschengruppe richtet; beispielsweise wenn ein Täter nachts das Auto eines bestimmten Autokonzerns anzündet, um gegen den Kapitalismus zu protestieren. Hasskriminalität richtet sich dagegen ausdrücklich gegen eine bestimmte Gruppe von Menschen. Das Bundeskriminalamt und die Landespolizeibehörden erfassen Hasskriminalität offiziell seit 2001.
BKA warnt vor "zunehmender Polarisierung und Radikalisierung"
"Die Entwicklung zeigt eine zunehmende Polarisierung und Radikalisierung in Teilen der Gesellschaft", erklärte das Bundeskriminalamt. "Digitale Räume und soziale Medien wirken dabei als zentrale Beschleuniger: Hass, Hetze und extremistische Propaganda verbreiten sich schnell und können Radikalisierungsprozesse verstärken – bis hin zu schweren Straftaten im analogen Raum."
Unionsfraktionsvize Günter Krings (CDU) kritisierte insbesondere, dass Kinder in Deutschland in sozialen Netzwerken zum Hass angespornt würden: "Es ist nicht zu akzeptieren, dass wir in unserem Land den Algorithmen amerikanischer und chinesischer Plattformen ausgeliefert sind, die daran verdienen, wenn schon unsere Kinder mit hetzerischen Inhalten aufgestachelt werden."
Bundesregierung zeigt trotz der Zahlen wenig Interesse an Queerpolitik
Eine im Februar veröffentlichte BKA-Studie kam bereits zu dem Ergebnis, dass queere Menschen besonders häufig Opfer von Gewalt werden (queer.de berichtete3). Trotzdem baut die schwarz-rote Bundesregierung seit dem Machtwechsel 2025 den Schutz queerer Menschen ab: So wird der Aktionsplan gegen Queerfeindlichkeit offenbar nicht fortgesetzt4. Ende Januar verteidigte5 Bundesfamilienministerin Katrin Prien (CDU) diesen Schritt mit dem Argument, dass queere Themen nicht im Koalitionsvertrag stünden. Zudem ließ sie in ihrem Ministerium den Begriff "Queerpolitik" aus dem internen Queer-Referat entfernen (queer.de berichtete6).
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat bislang zudem die SPD-Politikerin Sophie Koch, Queerbeauftragte der Bundesregierung, nicht einmal zu einem Gespräch getroffen7. Auch symbolisch geht die Politik gegen queere Sichtbarkeit vor: So verbot Bundestagspräsidentin Julia Klöckner die Beflaggung des Reichstags zum CSD, die in der Legislaturperiode zuvor noch kein Problem gewesen war (queer.de berichtete8). (dk)
Links
- https://www.bka.de/DE/UnsereAufgaben/Deliktsbereiche/PMK/PMKZahlen/PMKZahlen.html#doc272486bodyText6
- https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/UnsereAufgaben/Deliktsbereiche/PMK/2025PMKFallzahlen.pdf?__blob=publicationFile&v=4
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=56847
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=56506
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=56684
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=57616
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=58079
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=58044













