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"Null-Toleranz-Strategie"

Bangladesch: Uni schmeißt homo­sexuelle Studierende raus und übergibt sie der Polizei

An einer Universität in Bangladesch fand offenbar eine regelrechte Jagd auf mutmaßliche Homosexuelle statt.


An der Hajee Mohammad Danesh Science and Technology University sind mehr als 11.000 Studierende eingeschrieben (Bild: IMAGO / Anadolu Agency)

Internationale Menschenrechts­organisationen verurteilen das Vorgehen einer Universität im Norden von Bangladesch, an der im Mai mehrere Studenten wegen mutmaßlicher Homosexualität exmatrikuliert und der Polizei übergeben wurden. Der Vorfall unterstreicht das zunehmend repressive und gefährliche Klima für queere Personen im 178 Millionen Einwohner*­innen zählenden Land.

Betroffen ist die Hajee Mohammad Danesh Science and Technology University (HSTU) in Dinajpur, das im äußersten Nordwesten von Bangladesch liegt. Aktivist*­innen sprechen von einer gezielten "Jagd" auf queere Studierende.

Der Ablauf der Vorfälle

Nach Berichten der Menschenrechtsorganisation JusticeMakers Bangladesh in France (JMBF)1 ereigneten sich die Vorfälle Mitte Mai in zwei Wellen. Am 16. Mai schlossen Universitätsbehörden Studierende wegen des Vorwurfs der Homosexualität und "unmoralischer Aktivitäten" offiziell vom Lehrbetrieb aus. Drei Tage später wurden zwei Studierende von der Universitätsleitung direkt an die lokale Polizei übergeben.

Laut lokalen Quellen ging den behördlichen Maßnahmen eine Hetzkampagne innerhalb der Studierendenschaft und auf Social-Media-Plattformen voraus. Homophobe Gruppierungen hatten gezielt Informationen gesammelt, um queere Kommiliton*innen zu outen und Druck auf die Universitätsleitung auszuüben. Der oberste Disziplinarbeauftragte der Universität, Professor Dr. Nausher, erklärte laut 76crimes.com2: "Wir verfolgen eine Null-Toleranz-Strategie gegen diese gesellschaftliche Fehlentwicklung. Sofort nach Eingang der Vorwürfe wurden bereits rechtliche Schritte gegen die Beschuldigten eingeleitet."

Homosexuellen droht nach britischem Kolonialrecht lebenslange Haft

Der Vorfall an der HSTU reiht sich ein in eine Serie von Übergriffen und staatlichen Verfolgungen. In Bangladesch ist Homosexualität unter Paragraf 377 des Strafgesetzbuches – ein Überbleibsel aus der britischen Kolonialzeit – nach wie vor illegal und kann theoretisch mit bis zu lebenslanger Haft bestraft werden. Obwohl das Gesetz im Alltag selten für formelle Verurteilungen genutzt wird, dient es Behörden, Polizei und konservativen Gruppen laut queeren Organisationen regelmäßig als Rechtfertigung für willkürliche Festnahmen und Razzien oder Erpressungen und Schikanen gegen queere Menschen.

"Wir verurteilen diese illegalen und diskriminierenden Maßnahmen der Universitätsleitung aufs Schärfste. Der Ausschluss von Studierenden aufgrund ihrer sexuellen Orientierung verletzt das grundlegende Recht auf Bildung und bringt sie in unmittelbare körperliche Gefahr", erklärte Shahanur Islam, Gründer von JMBF.

Seit dem Mord an dem prominenten LGBTI-Aktivisten Xulhaz Mannan und seines Freundes3 durch islamistische Fundamentalisten im Jahr 2016 operiert die queere Community in Bangladesch fast vollständig im Untergrund. Laut einer Umfrage des Pew Research Center aus dem Jahr 20254 hätten nur elf Prozent der Bevölkerung keine Bedenken, wenn ihr Kind homosexuell wäre – das ist weit weniger als in anderen asiatischen Ländern wie Thailand, Indien oder den Philippinen. (cw)

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