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Mögliche Körperverletzung im Amt Berliner Polizei untersucht Fall von Gewalt durch Beamte
Symbolbild: Logo mit Schriftzug der Berliner Polizei auf der Arbeitskleidung eines Polizisten. (Quelle: imago-images/Maximilian Koch)
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Symbolbild: Logo mit Schriftzug der Berliner Polizei auf der Arbeitskleidung eines Polizisten. (Quelle: imago-images/Maximilian Koch)

Die Berliner Polizei untersucht einen Fall von Gewalt durch Beamte, es geht um mögliche Körperverletzung im Amt. Die Vorwürfe, die Betroffene sowie drei Bezirkspolitiker:innen erheben, sind schwerwiegend. Nach einem Straßenfest in Friedrichshain sollen Polizisten grundlos mehrere Menschen attackiert und verletzt haben, darunter einen ehemaligen politischen Beamten und Sprecher der Linkspartei.

Der Vorfall soll sich am vergangenen Wochenende ereignet haben, in der Nacht von Samstag auf Sonntag, kurz nach Mitternacht, in der Kreutziger Straße in Friedrichshain. Dem rbb liegen verschiedene Videos dazu vor, die - Stand Freitagabend - teilweise im Internet abrufbar sind.

Schubser auf Video zu erkennen

Die Aufnahmen zeigen, wie vor einem Hausdurchgang eine Gruppe von Polizisten einer Gruppe von Zivilisten gegenübersteht. Die Polizei lässt niemanden durch. Die Menschen, die auf dem Rückweg von einem linken Straßenfest sein sollen, wollen wissen, warum. "Polizeiliche Maßnahme", sagt eine weibliche Stimme, offenbar eine Beamtin.

"Ich bin dann plötzlich unversehens geschubst worden, als ich dort stand, ich habe keine Ahnung, warum", erzählt Martin Bialluch dem rbb. Der 57-Jährige war Staatsrat in Bremen, kurz stellvertretender Regierungssprecher in Brandenburg und Pressesprecher für die Berliner Linkspartei. Er ist einer der Zivilisten, die in den Videos zu sehen sind.

Der Schubser ist auf den Aufnahmen deutlich zu erkennen, provozierendes Verhalten von Bialluch im Vorfeld nicht. Allerdings ist auf den Aufnahmen nicht alles immer völlig klar zu sehen und zu hören. Und es ist unklar, was die Kamera eventuell nicht eingefangen hat.

Ausweislich der Videos heizt sich die Stimmung nach dem Schubser auf. Es wird diskutiert, ein betrunken klingender Mann wird laut. Ein Polizist fragt, was das Problem sei. Dann spricht ein Mann, offenbar Bialluch: "Ich finde es doof, wenn irgendwelche Arschlöcher rumstehen und mich nicht durchlassen". Bialluch will dem rbb nicht bestätigen, ob wirklich er diese Äußerung tätigte - "aus prozesstaktischen Gründen", wie er sagt.

Auf den Videos ist zu hören, ein Polizist ruft: "Was haben Sie gesagt? Arschloch? Arschloch?". Dann zeigen die Aufnahmen, wie erst einer und dann mehrere Polizisten auf den Mann zustürmen. Bialluch schildert es dem rbb so: "Ich war in einer Art Traube, bis ich irgendwann auf den Boden geklatscht und dann weiter geschlagen und getreten wurde. Zwischendurch hatte ich richtig Angst, als sich jemand mit dem Knie auf meinen Nacken gestellt hat."

Später aufgenommene Fotos zeigen Bialluch mit blutenden Verletzungen im Gesicht, außerdem hat er nach eigenen Angaben eine massive Rippenprellung erlitten.

Polizei: Mann soll zuerst die Beamten beleidigt haben

Die Berliner Polizei schreibt dem rbb auf Anfrage dies zu dem Vorfall. "Den bisherigen Ermittlungen zufolge soll der 57-jährige Mann zuerst die eingesetzten Polizeibeamten beleidigt haben. Als diese daraufhin an den 57-Jährigen herangetreten seien, soll er einem Beamten während der Festnahme ins Gesicht geschlagen und nach ihm getreten haben."

Drei Bezirkspolitiker:innen aus Friedrichshain-Kreuzberg haben ein Unterstützerschreiben für Bialluch verfasst. Darunter Oliver Nöll, ehemaliger Vize-Bezirksbürgermeister, früher Linkspartei, jetzt SPD. "Wenn man die gesamte Geschichte kennt, ist das für mich ein veritabler Skandal", sagt er dem rbb.

Nöll beklagt unangemessenen Gewalteinsatz der Polizei und verlangt vollständige Aufklärung. Die Polizei schreibt dem rbb, zurzeit werde die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen Körperverletzung im Amt geprüft. Aber: "Aktuell liegen noch nicht alle für eine abschließende Bewertung des Geschehens benötigten Beweismittel vor."

Oliver Nöll findet das nicht nachvollziehbar, schließlich lägen Journalist:innen und anderen die Videos längst vor. "Ich bin völlig überrascht, dass Menschen, die fürs Ermitteln bezahlt werden, es nicht schaffen, sich dieses Material zu verschaffen", so Nöll.

Linke will Vorfall im Innenausschuss ansprechen

Die Linksfraktion will den Vorfall am Montagvormittag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses ansprechen. Sie will Antworten von Innensenatorin Iris Spranger (SPD) und Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel.

Noch sind viele Fragen offen, was genau am vergangenen Wochenende in Friedrichshain passierte. Bei der Aufklärung helfen könnten vermutlich auch die Bodycams der beteiligten Einsatzkräfte. Nach Angaben der Polizei waren sie eingeschaltet.

Sendung: Radioeins vom rbb, 12.06.2026, 20 Uhr

Audio: Radioeins vom rbb, 12.06.2026, Sabine Müller

Berlin

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