Norddeutsch-dänische StrompreiszoneAm Ende siegt die Physik

Bernward Janzing

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Bernward Janzing

Schleswig-Holstein und Hamburg wollen sich vom deutschen Strommarkt lösen und mit Dänemark zusammentun. Die Idee ist gut, müsste aber ausgeweitet werden.

E in interessantes Gedankenspiel: Schleswig-Holstein und eventuell auch Hamburg lösen sich aus dem einheitlichen deutschen Strommarkt heraus und bilden zusammen mit Westdänemark eine gemeinsame Preiszone.

Schon lange sucht der windreiche Norden nach Wegen, um von seinem reichlich vorhandenen Windstrom auch preislich stärker zu profitieren. Heute trifft ein hohes Angebot im Norden allzu oft auf hohe Nachfrage in der Mitte und im Süden.

Beim herrschenden bundeseinheitlichen Börsenpreis des Stroms, der sich in jeder Viertelstunde aufs Neue aus Angebot und Nachfrage ergibt, bleibt der Preisvorteil für den Norden damit gering. Würde man hingegen regionale Preiszonen schaffen, würden stets zuerst jene Landesteile profitieren, die über viel eigene Erzeugung verfügen. Somit verfolgt Schleswig-Holstein mit seinem Vorschlag ein legitimes Eigeninteresse. Genau, wie die Südbundesländer, die ihn ablehnen – Baden-Württemberg und Bayern.

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Gleichwohl sollten derartige Regionalinteressen nicht entscheidend sein, wenn es um den Zuschnitt des deutschen Strommarkts geht. Viel wichtiger ist, dass der Vorstoß aus dem hohen Norden auch dem Gesamtsystem zugutekäme. Denn seit im Norden immer mehr Strom erzeugt wird, der die großen Verbrauchszentren aufgrund von Netzengpässen nicht erreicht, provoziert das aktuelle Marktsystem unnötige Kosten.

Anschaulich gesagt sind die Strommärkte so angelegt, als sei Deutschland eine Kupferplatte – als könne jeder Erzeuger seinen Strom jederzeit an jeden beliebigen Verbraucher liefern. Entsprechend wird der Strom an der Börse gehandelt. Wenn er dann geliefert werden soll, die Leitungen das aber gar nicht bewerkstelligen können, müssen die Übertragungsnetzbetreiber das aufwendig ausbügeln.

Es siegt am Ende eben immer die Physik. Weil die Schieflage zwischen der Organisation des deutschen Strommarkts und der Physik längst auch die Nachbarländer umtreibt, gibt es auch auf europäischer Ebene Pläne, die deutsche Gebotszone zu teilen.

Diese Debatte wird nun durch den Vorstoß aus Schleswig-Holstein neu entfacht. Das ist zu begrüßen – gleichwohl sollte man nicht den Fehler begehen, das Ansinnen separat zu betrachten; alleine die Tatsache, dass ein Land aufgrund seiner Partikularinteressen einen Sonderweg gehen möchte, rechtfertigt einen so umständlichen Eingriff in die europäische Strommarktarchitektur nicht. Deswegen sollte der Vorschlag aus dem hohen Norden jetzt zur Initialzündung werden für eine grundsätzliche Neuordnung des deutschen Strommarkts. Idealerweise mit mehreren Preiszonen.

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Bernward Janzing

Bernward Janzing

Fachjournalist mit Schwerpunkt Energie und Umwelt seit 30 Jahren. Naturwissenschaftler - daher ein Freund sachlicher Analysen.
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4 Kommentare

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  • Ein Vorteil hätte diese Preiszone für die restlichen Nordländer. Sie würden weiterhin den dt Preis bekommen. Der Preis in S-H wäre zwar niedriger, aber er würde nur bis zur Übertragungskapazität die dt Preiszone beeinflussen, Überkapazitäten, die nicht durch die Leitungen passen blieben, unberücksichtigt. Dann käme der teurere Strom aus den anderen Nordländern zum Zuge, egal ob es dort Überkapazitäten gäbe, die genutzt werden können oder nicht.



    Das Problem der fehlenden Übertragungskapazitäten wäre damit nicht gelöst, letztlich nur die Ausgleichszahlungen und es entstünde ein Anreiz in S-H mit Strom zu produzieren, ob das aber einen Boom erzeugt, muß sich zeigen. In Jütland liegen die Erzeugerpreise auch niedriger als in Restdänemark. Was aber nicht zu einer Industrieansiedlung und einem Wirtschaftsboom geführt hat. Die Effekte bleiben punktartig, auf einzelne Anlagen begrenzt. Auf die lokale Wirtschaft haben sie wenig Auswirkungen.

  • Eine gemeinsame Strompreiszone Schleswig-Holstein/Hamburg mit Jütland klingt nach einem Gewinn für den Norden. Effektiv wäre es, aber eher volkswirtschaftlich effizient, etwas weniger für die Akteure (Erzeuger, Land und Bürger). Weniger Redispatch, weniger Abregelung bedeuten Anreize für Elektrolyse, Speicher und stromintensive Industrie, das ist volkswirtschaftlich sinnvoll.

    Das bedeutet aber nicht automatisch einen lokalen Boom. Für private Haushalte in Schleswig-Holstein wären die Entlastungen sehr wahrscheinlich gering, weil der Strompreis stark von anderen Abgaben überlagert ist. Elektrolyse schafft nur begrenzt dauerhafte Arbeitsplätze. Gewerbesteuer entsteht nur punktuell und kann (das ist sehr wichtig) durch Gesellschaftsstrukturen leicht anderswo landen.

    Für Windkrafterzeuger wäre die Zone ohne neue flexible Nachfrage sogar riskant. Der regionale Marktwert von Windstrom würde sinken, diese neue Zone wäre in niedrigeren Umsätzen der Erzeuger sofort sichtbar. Der Anreiz für neue Anlagen, wäre niedriger.



    Für eine wirtschaftliche Entwicklung von SH wäre es nötig, dass die Wertschöpfung in der Bevölkerung ankäme, das ist bei Großprojekten nicht der Fall.

  • Statt über Einteilungen zu philosophieren, sollt der Strommarkt abgeschafft und endlich die Infrastruktur so aufgestellt werden, dass der Strom auch dort ankommt, wo er gebraucht wird.

  • > Anlagen zur Wasserstofferzeugung ... Damit soll sich in der neuen Preiszone die Zahl der Stunden mit negativen Strompreisen gegenüber der heutigen Einheitszone um 35 Prozent reduzieren. [Im Parallelartikel]



    Ich verstehe den Vorteil nicht. Wasserstoff gibt es schon und er hat einen Marktpreis. Die Elektrolyse muß entweder zu diesem Preis oder darunter produzieren oder sie muß subventioniert werden. Diese Kosten gehören in die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung natürlich mit hinein. Negative Strompreise sind das beste, das einer solchen Anlage passieren kann. Fallen sie weg, wird es teurer.



    Es sei denn, diese Subventionen sollen von /anderen/ getragen werden. Dann ist das ganze Vorgehen nur eine Nebelwand, um diese Subvention der Windkraft zu verschleiern. "Staatsknete abgreifen" ist ein sehr bewährtes Wirtschaftsmodell. Auf die Weise läßt sich Windkraft im Norden dann natürlich gewinnbringend betreiben.

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