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Komiker als Staatsoberhaupt?

Online-Petition: 20.000 für Hape Kerkeling als Bundespräsident

Der schwule Komiker soll Nachfolger von Frank-Walter Steinmeier werden, fordern schon über 20.000 Menschen. Kerkeling kommentierte die inoffizielle Nominierung für das höchste Staatsamt mit den Worten, er schließe nichts mehr aus.


Im April hielt Hape Kerkeling die zentrale Gedenkrede zum 81. Jahrestag der Befreiung der KZ Buchenwald und Mittelbau Dora (Bild: IMAGO / Bildgehege)

Hape Kerkeling als Bundespräsident: Eine Online-Petition1 zur Nominierung des schwulen Komikers für das höchste Staatsamt hat inzwischen mehr als 20.000 Unterstützer*innen. Gerichtet ist der Aufruf auf der Plattform der Kampagnenorganisation Campact an die Fraktionsführungen von Union, SPD, Grünen und Linken im Bundestag.

"Nominieren Sie Hans-Peter Kerkeling als gemeinsamen, überparteilichen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten für die Wahl am 30. Januar 2027", heißt es darin. "Deutschland braucht an der Spitze keine Parteitaktik, sondern eine Persönlichkeit, die unser Land würdig repräsentiert und gesellschaftlichen Zusammenhalt stiftet."

"Besitzt Tiefe"

Kerkeling habe bewiesen, dass er Tiefe besitze, heißt es zur Begründung. "Seine Rede in der Gedenkstätte Buchenwald am 12. April 2026 hat viele von uns erschüttert und gleichzeitig inspiriert. Er sprach dort als Enkel von Hermann Kerkeling, der drei Jahre in Buchenwald für die Freiheit litt. Kerkeling hat klargemacht, dass unsere Demokratie tägliche Pflege und eine lebendige Erinnerungskultur braucht."

Der 61-jährige Kerkeling ist seit Jahrzehnten als Komiker und Autor erfolgreich. Furore machte er unter anderem mit seiner Kunstfigur Horst Schlämmer – sein Buch "Ich bin dann mal weg" wurde zum Bestseller.

Beim Gedenkakt zum Jahrestag der Befreiung des NS-Konzentrationslagers Buchenwald erinnerte er an die Leidenszeit seines dort damals inhaftierten Großvaters, der nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten Flugblätter gegen Adolf Hitler verteilt hatte. "Nie wieder" müsse täglicher Kompass sein, forderte sein Enkel in der Rede (queer.de berichtete2).

"Schließe nichts aus"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gibt sein Amt nach zehn Jahren 2027 ab. Ein*e Nachfolger*in wird von der Bundesversammlung gewählt, die aus Abgeordneten des Bundestags und Delegierten aus den Ländern besteht. Die schwarz-rote Koalition will sich erst im Herbst festlegen, wen sie nominieren will.

Über die Petition hatten mehrere Medien berichtet. Laut "Stern TV" sagte Kerkeling zu der möglichen Nominierung: "Ich muss ihnen ehrlich sagen, nach all dem, was in der Welt passiert und wer so an der Spitze von Nationen steht – ich schließe nichts mehr aus." Sein Unterton war allerdings deutlich ironisch. Online-Petitionen haben in der Regel wenig Einfluss auf politische Entscheidungsprozesse.

CSD-Schirmherr in Golßen und Leipzig

Hape Kerkeling ist in diesem Jahr Schirmherr des Christopher Street Day am 20. Juni in der brandenburgischen Landstadt Golßen (queer.de berichtete3). Darüber hinaus wird er den CSD Leipzig als "offizieller Botschafter" unterstützen. Das gaben die Veranstalter*innen am Mittwoch bekannt.

"Unser diesjähriges Motto 'Keine Ruhe, kein Zurück – Queere Rechte Stück für Stück!' klingt kämpferisch, und das muss es auch. Denn wir spüren alle, dass der Wind kälter wird", schreibt Kerkeling in seinem Grußwort4 zum Leipziger CSD am 18. Juli. "Wenn Errungenschaften, die wir für sicher hielten, wieder zur Debatte stehen, wenn Menschen Angst haben müssen, händchenhaltend durch unsere Innenstädte zu laufen, dann ist das ein Alarmzeichen für uns alle. Freiheit ist kein Zustand, den man einmal erreicht und dann in den Schrank stellt. Freiheit ist wie ein Garten: Man muss sie hegen, pflegen und manchmal auch gegen Unkraut verteidigen." (cw/dpa)

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