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Inside-Report Das System Enpal

Hat Enpal bei dem Versuch, seine aggressiven Wachstumsziele zu erreichen und die horrenden Verluste zu minimieren, den moralischen Kompass verloren?
Fotos: [M] Dirk Bruniecki (2), [M] privat (2)
Von Sarah Heuberger und Jonas Rest
aus manager magazin 11/2025

Mario Kohle (41) gibt gern den edlen Klimaretter. In einem Podcast erzählte er einmal, dass er „immer noch eine Gänsehaut“ bekomme, wenn er sich an die Anfänge seines Solar-Start-ups Enpal zurückerinnere. Der Unternehmer, der 2016 seine erste Gründung Käuferportal für 100 Millionen Euro verkauft hat, will einen regelrechten „Greta-Thunberg-Moment“ erlebt haben. Ihm sei plötzlich bewusst geworden, wie stark der Klimawandel die Menschheit bedroht. Mit der Gründung von Enpal gehe es nun darum, mit „jedem Euro, der umgesetzt wird, auch auf eine hoffnungsvolle und gute Zukunft für uns Menschen einzuzahlen“.

Kurzum lässt der Gründer und CEO auf der Unternehmenswebsite erklären, er sei ein „Kapidealist“ – „wie Kapitalismus, nur für das Gute“.

Kaum jemand in der deutschen Start-up-Landschaft trägt so dick auf wie Mario Kohle, wenn es um die eigene Mission geht. Es gibt nur ein gewaltiges Problem: Die Story von Edelmut und Weltenrettung passt so gar nicht zu dem, was jenseits der sorgsamen Inszenierung geschieht.

Wer ins Innere des Sonnengeschäfts blickt, entdeckt dunkle Schatten. Enpals Geschäfte, das zeigen wochenlange Recherchen des manager magazins, scheinen im Kern auf fragwürdigen Methoden zu beruhen. Enpal bestreitet dies.

Das Berliner Start-up vermietet oder verkauft grüne Energietechnik über das Internet in einem „Rundum-sorglos-Paket“, bei dem Solaranlagen, Wallboxen, Speicher oder Wärmepumpen von Enpals eigenen Handwerkern installiert werden. Kohle hat eine arbeitsteilige Vertriebsmaschine erschaffen, die unter hohem Druck möglichst viele Anlagen in den Markt drücken soll. Bei dem Versuch, die ambitionierten Wachstumsziele zu erreichen und die horrenden Verluste zu minimieren, hat Enpal aber offenbar den moralischen Kompass verloren.

Während der Recherche zum Fall Enpal hat das manager magazin mit 21 derzeitigen und ehemaligen Mitarbeitern sowie Managern gesprochen, zudem etliche Arbeitsverträge, Fotos und interne Dokumente ausgewertet, darunter Chatnachrichten aus der Führungsebene.

Transparenzhinweis: Das Landgericht Berlin hat am 10. Februar 2026 auf Antrag von Enpal und Enpal-CEO Mario Kohle erstinstanzlich im Eilverfahren dem manager magazin unter anderem vorläufig untersagt, über verschiedene Vorwürfe und interne Dokumente zu Arbeitsbedingungen im Unternehmen, Experteneinschätzungen zu diesen sowie über Unfallzahlen zu berichten. Eine schriftliche Urteilsbegründung liegt noch nicht vor.

Die Redaktion des manager magazins ist der festen Auffassung, dass die hier betroffenen Informationen für die öffentliche Meinungsbildung von erheblicher Relevanz sind und äußerungsrechtlich zulässig waren. Das manager magazin wird die schriftliche Urteilsbegründung abwarten und anschließend weitere rechtliche Schritte prüfen, um den Informationsanspruch der Öffentlichkeit zu wahren und die recherchierten Inhalte rechtskonform zugänglich zu machen.

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