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Hinge-Report

Händchenhalten als Statement: Queere Menschen daten anders

Pünktlich zum Pride Month zeigt der neue "LGBTQIA+ Report" der Dating-App Hinge: In einer unruhigen Welt wird das Liebesleben der Community bewusster und politischer.


In der Öffentlichkeit führt Händchenhalten bei queeren Menschen noch oft zu Ablehnung (Bild: Image by freepik)
  • Heute, 14:12h 4 Min.

Wie datet es sich als queere Person in einer von Krisen geschüttelten Welt? Dieser Frage ist die Dating-App Hinge in ihrem jährlichen Report nachgegangen. Für den aktuellen Bericht unter dem Titel "Clarity Builds Chemistry" (Klarheit stärkt die Verbindung)1 wurden weltweit über 31.000 queere und heterosexuelle Singles befragt. Das Ergebnis zeigt eine klare Trendwende: Queere Menschen reagieren auf die Unsicherheiten in der großen Welt, indem sie beim Dating auf Entschleunigung, das Urteil ihrer Freund*innen und radikale Klarheit setzen. Ein einfaches Symbol steht dabei besonders im Fokus: das Händchenhalten in der Öffentlichkeit.

Für viele heterosexuelle Paare ist Händchenhalten eine banale Alltagshandlung, für die queere Community bleibt es oft ein Moment des Abwägens. Laut dem Hinge-Report empfinden zwar 65 Prozent der queeren Singles öffentliche Zärtlichkeiten als bestärkend, da sie ein Gefühl der Zugehörigkeit vermittelten.

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Queere Menschen zögern beim Händchenhalten

Gleichzeitig zeigt die Studie jedoch eine bittere Realität: Queere Singles zögern beim ersten Date immer noch um 50 Prozent häufiger als heterosexuelle Personen, in der Öffentlichkeit die Hand des Gegenübers zu greifen. Die Sorge vor Diskriminierung oder feindseligen Reaktionen im öffentlichen Raum schwingt nach wie vor mit. Wenn queere Menschen beim Date öffentlich Hand in Hand gehen, ist das nicht nur Romantik, sondern oft auch ein bewusster Akt des Mutes und der Sichtbarkeit.

Die Welt verunsichert, die Community reagiert

Diese Vorsicht im öffentlichen Raum spiegelt sich auch in der allgemeinen Stimmung wider: Satte 76 Prozent der befragten queeren Singles gaben an, eine große oder sehr große Unsicherheit in Bezug auf die gesellschaftliche Gesamtlage zu spüren – im Vergleich zu 52 Prozent bei heterosexuellen Befragten.

Doch anstatt sich zurückzuziehen, nutzt die Community diese Situation zur persönlichen Schärfung: 74 Prozent erklären, dass ihnen diese allgemeine Unsicherheit paradoxerweise dabei geholfen hat, viel genauer zu verstehen, was sie eigentlich von einer Beziehung erwarten. Grenzen, Dealbreaker und persönliche Bedürfnisse werden schneller kommuniziert.

"Slow Dating" und die Macht der kleinen Gesten

Umso wichtiger wird das, was abseits der Straße passiert. Weil der öffentliche Raum oft als stressig empfunden wird, erfährt das Dating im privaten Raum eine Aufwertung. Getreu dem Motto "Slow Dating" lassen sich 52 Prozent der queeren Singles (und sogar 76 Prozent der bisexuellen Befragten) bewusst mehr Zeit, um das Gegenüber kennenzulernen.

Anstelle von großen, inszenierten Gesten rücken die sogenannten "private Darstellung von Beständigkeit" in den Vordergrund – kleine, wiederkehrende Zeichen der Aufmerksamkeit und Verlässlichkeit im geschützten Rahmen. So geben 86 Prozent der Befragten an, dass eine konstante, verlässliche Kommunikation in der Kennenlernphase ihre Dating-Ängste drastisch senkt. Und 78 Prozent fühlen sich deutlich wohler, wenn Verabredungen verbindlich und konkret geplant werden. Bevor man sich also draußen Hand in Hand zeigt, muss das emotionale Fundament im Privaten absolut stabil sein.

Ohne die nahen Freund*innen läuft nichts

Ein weiteres Kernergebnis des Reports unterstreicht die fundamentale Rolle der Chosen Family, also der queerakzeptierenden Wahlfamilie: Für queere Menschen ist Dating Teamsport. Queere Singles sind laut der Studie um 33 Prozent häufiger der Meinung, es sei entscheidend, dass die eigenen Freund*innen die neue Person mögen. Bei trans Personen steigt dieser Wert sogar auf 37 Prozent.

Sie binden ihr Umfeld zudem deutlich früher ein: Queere Singles stellen ein Date im Schnitt 18 Prozent häufiger frühzeitig dem Freundeskreis vor. Erst wenn die Chosen Family ihr Okay gibt, fühlt sich der Schritt, mit der neuen Liebe Hand in Hand durch die Straßen zu gehen, für viele richtig sicher an.

Hinge-Datingexperte Moe Ari Brown fasst die Studienergebnisse positiv zusammen: Die aktuelle Dating-Kultur der Community sei eine Antwort auf eine unsichere Umgebung. Indem queere Singles das Tempo drosseln, auf Konsistenz setzen und ihre Community einbeziehen, verwandeln sie potenzielle Anspannung in echte, tiefgründige Nähe – und finden den Mut für die Sichtbarkeit nach außen. (cw)

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