https://queer.de/?58164
Unterfranken
Neuer Aschaffenburger CSU-OB verbietet Regenbogenfahnen an öffentlichen Gebäuden
Im vergangenen Jahr wehte an öffentlichen Gebäuden in Aschaffenburg die Regenbogenfahne – damals regierte noch die SPD. Dann übernahm die CSU – und prompt wird ein Verbot ausgesprochen.
Markus Schlemmer gewann erst im März die OB-Wahlen (Bild: CSU Aschaffenburg)
- 29. Mai 2026, 12:32h 3 Min.
In Aschaffenburg wird an öffentlichen Gebäuden keine Regenbogenfahne mehr gehisst. Sie werde an städtischen Fahnenmasten in diesem Jahr nicht aufgehängt, teilte die Stadt mit. Der CSD Aschaffenburg findet in einer Woche am 6. Juni statt.
Der neue Oberbürgermeister Markus Schlemmer (CSU) sagte: "Öffentliche Gebäude und zentrale Fahnenmasten stehen aus meiner Sicht in besonderer Weise für die Gesamtstadt und für alle Bürgerinnen und Bürger. Deshalb möchte ich die offizielle Beflaggungspraxis auf staatliche, städtische und besondere hoheitliche Anlässe konzentrieren."
OB behauptet, er handle nicht aus Queerfeindlichkeit
Das bedeute "ausdrücklich" keine Distanz zur queeren Community, behauptete Schlemmer laut einer Mitteilung. "Im Gegenteil: Ich möchte queeres Leben nicht als Ausnahme markieren, sondern als selbstverständlichen Teil unserer Stadtgesellschaft achten." Sichtbarkeit entstehe "für mich nicht allein durch Fahnen, sondern auch durch konkrete Präsenz im öffentlichen Raum, durch Veranstaltungen, Begegnung, klare Haltung und durch den Schutz vor Anfeindungen."
Außerdem betonte der CSU-Politiker: "Ich lasse mich durch diese Entscheidung auch nicht in eine Ecke stellen oder stigmatisieren. Wer aus einer zurückhaltenden Beflaggungspraxis eine mangelnde Wertschätzung gegenüber queeren Menschen ableitet, wird meiner Haltung nicht gerecht."
Im Vorjahr: Solidarität mit Pride-Demo in Budapest
Schlemmer wurde im März zum neuen OB der Stadt gewählt. Im Vorjahr hatte der damalige Rathauschef Jürgen Herzing (SPD) noch bewusst die Regenbogenfahne hissen lassen – unter anderem aus Solidarität mit der ungarischen Hauptstadt Budapest, wie es damals hieß. Dort hatte der inzwischen abgewählte Ministerpräsident Viktor Orbán eine Pride-Demo verbieten lassen, trotzdem waren Ende Juni zahlreiche Menschen durch Budapest gezogen (queer.de berichtete1).
Kontroversen gab es auch um die Regenbogenfahne am Berliner Reichstag: Im vergangenen Jahr hatte es Streit gegeben, weil Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) die Hissung die Regenbogenfahne zum Berliner CSD verbieten ließ. Ihre Amtsvorgängerin Bärbel Bas (SPD) hatte zuvor mit dem Symbol der queeren Community kein Problem. Klöckner begründete das mit dem Neutralitätsgebot. LGBTI-Organisationen kritisieren dagegen derartige Regenbogenfahneverbote als besonders niederträchtig in einer Zeit, in der die queerfeindliche Gewalt laut offiziellen Statistiken in die Höhe schießt.
Bayern gilt ohnehin als Schlusslicht bei LGBTI-Rechten. Als einziges Bundesland hat der Freistaat noch keinen Aktionsplan gegen Queerfeindlichkeit beschlossen. Insgesamt finden dort bis September 42 CSD-Veranstaltungen statt (queer.de berichtete2).
Allerdings lehnen nicht alle Christsozialen die Regenbogenfahne als Symbol grundsätzlich ab: So erklärte Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) vergangenes Jahr, die Regenbogenfahne stehe "für sehr demokratische Werte" – und erlaubte die Hissung am Landtag zum CSD München (queer.de berichtete3). (dpa/cw)
Links
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=54129
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=58154
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=54095












