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Wahlkampf auf Speed
Demokratische Partei bezeichnet Stephen Miller nach queerfeindlicher Lüge als "ugly fuck"
In den USA ist wieder Wahlkampf – und die Debatte zwischen Demokraten und Republikanern ist selbst für amerikanische Verhältnisse schrill.
Politikberater Stephen Miller nimmt es mit der Wahrheit nicht so genau – und wird deshalb derb von den Demokraten angegriffen (Bild: IMAGO / ZUMA Press Wire)
- Heute, 14:26h 3 Min.
Der stellvertretende Stabschef des Weißen Hauses, Stephen Miller, hat am Dienstag fälschlicherweise während eines hitzigen Online-Schlagabtauschs behauptet, dass der in Texas antretende demokratische Senatskandidat James Talarico trans sei. Damit verschärften Republikaner ihre queerfeindlichen Angriffe gegen den Demokraten, die ihrerseits auf recht derbe Art zurückschlugen.
Hintergrund sind die Zwischenwahlen im November, bei denen die Demokraten die Mehrheit im US-Repräsentantenhaus und möglicherweise sogar im US-Senat zurückerobern könnten – und damit die Position von Präsident Donald Trump erheblich schwächen würden.
Der Schlagabtausch begann, nachdem das Führungsgremium der Demokraten den 37-jährigen Talarico auf ihrem offiziellen X-Account beworben hatte. Talarico hatte seine Vorwahl bereits im März gewonnen, am Dienstag hielten dann die Republikaner ihre Vorwahl ab – hier ging mit dem von Trump unterstützten texanischen Justizminister Ken Paxton ein besonders radikaler Kandidat als Sieger hervor. Die Demokraten rechnen sich daher Chancen aus, die texasweite Senatswahl zum ersten Mal seit 1988 wieder zu gewinnen.
Ken Paxton (li.) und James Talarico kämpfen Anfang November darum, in den US-Senat gewählt zu werden (Bild: 1 Gage Skidmore / flickr2, 3 Antonioaesparza / wikipedia4 )
Miller, der wegen seiner völkischen Ansichten als einer der radikalsten Berater von Trump gilt, behauptete daraufhin auf X ohne jeglichen Beweis, dass Talarico trans sei. "Die Demokraten haben in Texas Geschichte geschrieben, indem sie ihren ersten transgender Senatskandidaten nominiert haben", schrieb er wörtlich. Hintergrund ist, dass die unter Druck stehenden Republikaner derzeit besonders auf transfeindliche Äußerungen setzen, da sie so hoffen, ihre christlich-evangelikale Wählerschaft zu aktivieren, die trans Menschen kritisch gegenübersteht.
Talarico ist übrigens cisgender und heterosexuell. Er gilt jedoch als Unterstützer der Gleichberechtigung queerer Menschen.
Die Demokratische Partei antwortete Miller auf ihrem offiziellen Account knapp mit den Worten: "Halt die Klappe, du ugly fuck." Der derbe Kraftausdruck am Ende bedeutet auf Deutsch so viel wie "hässlicher Wichser".
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Talarico hatte zuvor mehrere Äußerungen getätigt, die von den Republikanern als provokativ aufgenommen worden sind. In einer Rede sagte er etwa, Gott sei "nichtbinär". Gegenüber "CBS News" erklärte er dann, die Aussagen seien "absichtlich provokant" gewesen, zugleich aber gelte: "Gott kann nicht durch menschliche Kategorien definiert werden."
Talarico ist in der republikanischen Welt nicht nur trans, sondern auch Veganer
Auch anderweitig versuchen die Republikaner, dem demokratischen Kandidaten durch Lügen zu schaden. So sagte der republikanische Bundesparteichef Joe Gruters erst am Dienstag im Sender Newsmax: "Er ist Veganer. Er glaubt, Gott sei nichtbinär, und er will Kinder verstümmeln. Er will Jungen in Mädchenumkleiden bringen. Die Leute haben genug davon." In Wirklichkeit ist Talarico Fleischesser – und die Demokraten veröffentlichten ein Bild, das ihn mit einem Hemd in den Farben der texanischen Fahne beim Genuss von Barbecue zeigten. Er hatte aber in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass zu viel Fleischgenuss negative Auswirkungen auf das Klima haben könnte.
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Das Ergebnis der Wahl zwischen Talarico und Paxton wird mit Spannung erwartet. Paxton griff bereits am Dienstagabend kurz nach der Verkündung seines Sieges bei den Vorwahlen Talarico an. Dieser sei "seltsam" (weird), weil er trans Jugendliche unterstütze. Paxton gab seinem Gegenkandidaten auch Spitznamen wie "James Tala-freako" oder – in Anlehnung an die Veganer-Lüge – "Tofu Talarico". Derartige Spitznamen wurden durch Donald Trump populär gemacht, der etwa vor seiner Wahl 2024 den damaligen Präsidenten Joe Biden als "sleepy Joe" (müden Joe) bezeichnete.
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Ken Paxton ist seit 2015 Justizminister und Generalstaatsanwalt von Texas. Er gilt als einer der queerfeindlichen Republikaner der Vereinigten Staaten. 2022 sagte er etwa, er werde als Generalstaatsanwalt eine mögliche Rekriminalisierung von Homosexualität konsequent umsetzen (queer.de berichtete11). Der 63-Jährige ist außerdem umstritten, weil es gegen ihn mehrere Korruptionsvorwürfe gibt. Eine Verurteilung erfolgte aber nicht, weil ihn der texanische Senat, in dem die Republikaner die Mehrheit stellen, frei sprach. Erst am Mittwoch veröffentlichte sein Kontrahent Talarico deshalb den Mugshot des Republikaners auf X. (dk)
Links
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- https://commons.wikimedia.org/wiki/File:James_Talarico_Press_Conference_(cropped).jpg
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- https://www.queer.de/detail.php?article_id=42465
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- https://x.com/TeamTalaricoHQ/status/2059451508366680375?ref_src=twsrc%5Etfw
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