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Gastkommentar

Zurück in die 1980er Jahre

Die Bundesregierung schaltet ihr eigenes Regenbogenportal ab. Ein Rückschritt, beklagen Queeres Brandenburg und der Christopher-Street-Day Sachsen-Anhalt.


Die politische Verantwortung für die Einstellung des Regenbogenportals trägt die Grünen-Politikerin Lisa Paus, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Bild: Laurence Chaperon)
  • Von Queeres Brandenburg u. CSD Sachsen-Anhalt
    28. November 2024, 07:15h 3 Min.

Informationen über gesellschaftliche Gruppen, insbesondere wenn sie Minderheiten wie LSBTIQ* betreffen, bedürfen einer verlässlichen, verständlichen und wissenschaftsbasierten Ansprache an Interessierte in allen Bevölkerungsgruppen. Das Regenbogenportal der Bundesregierung ist erste Informationsquelle für interessierte Eltern, Fachkräfte, zivilgesellschaftliche Institutionen und die Community selbst. Das Portal ist ein deutliches Signal der Bundesregierung an LSBTIQ*, dass ihre Bedarfe und Belange ernst genommen werden.

Großer Vertrauensverlust in der Community

Die für den 29. November 2024 geplante Abschaltung des Regenbogenportals zieht einen Vertrauensverlust der LSBTIQ*-Community in die Verlässlichkeit von Regierungshandeln nach sich.

Mit der Abschaltung des Regenbogenportals1 gehen gesicherte wissenschaftsbasierte Informationen und eine kompakte Übersicht über Leitlinien, Handlungsempfehlungen und helfende Informationen verloren.

Informationen und Artikel gesichert

Die nun angekündigte Reduzierung des Regenbogenportals auf eine Broschüre (Realisierung irgendwann) ist ein Rückschritt in die 1980er Jahre.

Mitteilung des Ministeriums

Einstellung des Regenbogenportals zum 29. November 2024

Hiermit möchten wir Ihnen mitteilen, dass das Regenbogenportal am 29. November 2024 offline geht. Bei seiner Konzeption und seinem Start im Mai 2019 fehlte es an verlässlichen und einer interessierten Öffentlichkeit leicht zugänglichen Informationen zu LSBTIQ*. Auf diesen Bedarf antwortete das Regenbogenportal mit Fachartikeln, Materialien, Veranstaltungshinweisen und einem Überblick über Community-Organisationen und Beratungsangebote. Damit trug es wesentlich zu mehr Orientierung, Aufklärung und Vernetzung vieler Menschen bei.

Seit seinem Start haben sich parallel zum Regenbogenportal zahlreiche fundierte Informationsangebote etabliert, die insbesondere von vielen zivilgesellschaftlichen Organisationen (aber auch staatlichen Stellen in den Bundesländern) bereitgestellt werden. Mittlerweile ist es erfreulicherweise leicht möglich, sich über eine sehr breite Palette queerspezifischer Themen zu informieren oder Aufklärungs-, Beratungs- und Freizeitangebote in der Nähe zu finden. Diese Vielfalt gab es vor fünf Jahren allenfalls in Ansätzen. Insofern mag das Regenbogenportal auch Impulse für eine Verbreiterung von Informationsangeboten gesetzt haben.

Der fortlaufende Betrieb einer Website ist jedoch nur mit einem beträchtlichen personellen und finanziellen Aufwand möglich, insbesondere aufgrund fortlaufender Investitionsbedarfe für eine technische und redaktionelle Aktualisierung und Weiterentwicklung. Zudem stünde ein zwingend erforderlicher weiterer Relaunch an, um die Website hinsichtlich technischer Funktionalität, Barrierefreiheit und Design auf einen Stand zu bringen, der heutigen Standards gerecht würde. Vor diesem Hintergrund ist nach sehr sorgfältiger Evaluation und Abwägung festzustellen, dass ein Weiterbetrieb des Regenbogenportals nicht wirtschaftlich abgebildet werden kann.

Daher möchte sich das Regenbogenportal herzlich verabschieden und sich ganz besonders bei allen Leser*innen für ihr Interesse und ihre lobenden und kritischen Rückmeldungen bedanken. Außerdem danken wir ausdrücklich allen Akteur*innen aus der Zivilgesellschaft sowie Fachleuten aus den Ländern, die mit eigenen Beiträgen zur Diversität des Portals maßgeblich beigetragen haben.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) arbeitet daran, die wesentlichen Inhalte in Form einer Broschüre weiterhin zugänglich zu machen und wird sich weiterhin aktiv für die Gleichstellung und Sichtbarkeit queerer Menschen einsetzen, etwa durch die weitere Begleitung des Aktionsplans "Queer leben". Zudem sollen bisherige Inhalte zu queerpolitischen Themen auf der Homepage des BMFSFJ überarbeitet und erweitert werden. Damit ist beabsichtigt, Queerpolitik noch stärker als bislang als eigenständiges Politikfeld abzubilden sowie die querschnittliche Zuständigkeit des BMFSFJ für Queerpolitik darzustellen. Das BMFSFJ bleibt folglich queerpolitisch präsent und engagiert.

Datenschutzhinweis: mit Einstellung des Regenbogenportals werden alle gespeicherten personenbezogenen Daten, Namen von Institutionen etc. unwiderruflich gelöscht.

Queeres Brandenburg und der Christopher-Street-Day Sachsen-Anhalt haben die Informationen und Artikel kurzfristig gesichert und werden diese so schnell wie möglich für eine interessierte Öffentlichkeit online wieder zugänglich machen.

-w-

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