Alles Fake. Push-Mitteilungen des Xiaomi-Browsers verlinkten auf eine gefälschte Tagesschau-Seite mit reißerischer Titelzeile. © Foto: Stiftung Warentest, Screenshot: Stiftung Warentest (M)
Auf Xiaomi-Handys tauchen Push-Mitteilungen auf, die auf eine gefälschte und offenbar betrügerische Tagesschau-Seite führen. Was Nutzer tun können.
Während unseres ständig laufenden Handy-Tests haben Smartphones des chinesischen Anbieters Xiaomi in letzter Zeit mehrfach Push-Mitteilungen des vorinstallierten Web-Browsers „MiBrowser“ angezeigt, die auf die gefälschte Version einer Tagesschau-Seite führen. Mit solchen Mitteilungen am oberen Bildschirmrand geben Handy-Apps sonst Bescheid, wenn zum Beispiel neue E-Mails eingegangen oder wichtige Updates verfügbar sind. In diesem Fall stand in der Mitteilung: „Das ist wichtig zu wissen – Die Zuschauer waren sehr überrascht“. Daneben prangte das Wappen der Bundesrepublik Deutschland.
Anlagebetrug oder Phishing-Versuch
Wer auf die Mitteilung tippte, wurde auf eine Webseite geleitet, die aussah wie die der Tagesschau. Hier stand unter einer länglichen und ziemlich reißerischen Überschrift zunächst ein angebliches Interview zwischen der ZDF-Fernsehmoderatorin Maybrit Illner und Bundeskanzler Friedrich Merz. Dann folgte ein Angebot, über ein angeblich todsicheres System mit einer Investition von nur wenigen Hundert Euro schnell zum Millionär zu werden – unseres Erachtens handelt es sich dabei um Anlagebetrug oder einen Phishing-Versuch, vielleicht auch beides.
Reaktion von Xiaomi: Anbieter geht der Sache nach
Dass betrügerische Websites versuchen, mit dem Design seriöser Medien und den Namen bekannter Persönlichkeiten das Vertrauen ihrer Opfer zu erlangen, ist nicht neu. Auch Webseiten, die politische Desinformation streuen, arbeiten oft so. Meist führen gefälschte E-Mails oder Textmitteilungen auf derlei Seiten. Dass aber auch Systemmeldungen vorinstallierter Handy-Apps solch potenziell schädliche Botschaften verbreiten, war in unseren Tests bisher nicht aufgetreten.
Wie genau gelangen diese Mitteilungen auf Xiaomi-Handys? Was unternimmt der Anbieter, um derlei in Zukunft zu verhindern? Wir haben Xiaomi um Stellungnahme gebeten. Ein Sprecher beteuerte darauf: „Wir nehmen diesen Fall sehr ernst und haben eine interne Untersuchung eingeleitet, um die Ursache des Problems zu ermitteln.“ Zum Hintergrund erklärte er, Xiaomi arbeite „mit einer Reihe von globalen Inhaltsanbietern zusammen, die je nach Region oder Land variieren können, um Push-Benachrichtigungen an Benutzer zu senden“. Der Anbieter habe Kontrollmechanismen, die diese Inhalte überprüften. Diese Kontrolle scheint hier versagt zu haben.
Werbung bei Xiaomi: Einst nur lästig, jetzt gefährlich
Tatsächlich nerven manche Xiaomi-Geräte wie etwa das Redmi 13 schon seit 2024 mit Werbeeinblendungen in vorinstallierten Apps, zum Beispiel dem Datei-Browser. Das haben wir bisher schon kritisch gesehen: Betroffene Geräte erhalten in dem Urteil für Menü und Bedienung die Note Ausreichend, was zu einer Abwertung der Handhabungs-Note führt. In letzter Zeit kamen vermehrt Push-Mitteilungen des vorinstallierten Web-Browsers hinzu, die zum Beispiel für den Online-Marktplatz Temu warben.
Dass auf diesem Weg nun aber auch gefälschte Webseiten verlinkt werden, ist im Test zuerst beim Redmi 15 aufgetreten, dessen Ergebnisse wir heute veröffentlicht haben. Das hat in unseren Augen eine neue, noch bedenklichere Qualität. Darum vergeben wir hier nun die Note Mangelhaft für Menü und Bedienung – und damit dann auch für die Handhabung.
So gehts: Push-Mitteilungen abschalten
Allgemein zeigt der Fall, dass auch gegenüber Nachrichten in der Mitteilungszentrale von Handys ein gewisses Maß an Vorsicht angebracht ist. Auch hier können gefälschte Botschaften auftauchen – wie im E-Mail-Postfach oder in der Nachrichten-App.
Wer ein betroffenes Xiaomi-Handy besitzt und die Push-Mitteilungen des vorinstallierten Web-Browsers abschalten will, kann das in den Systemeinstellungen unter „Einstellungen/Benachrichtigungen und Statusleiste/App-Benachrichtigungen/MiBrowser“ tun. Dann kann der Browser keine lästigen Werbe-Nachrichten mehr senden.
Es kommen dann allerdings auch keine möglicherweise erwünschten Meldungen des Browsers mehr durch. Wer die braucht – etwa weil er den Web-Browser auch für E-Mail nutzt und über Neues im Posteingang unterrichtet werden will – kann auf eine andere Browser-App umsteigen, zum Beispiel Google Chrome oder Firefox. In den Einstellungen des Handys lässt sich dieser alternative Browser dann auch als Standard-App für Webseiten einstellen. Dies geht im Einstellungs-Menü des Handys unter „Einstellungen/Apps/Optionsmenü [drei Punkte]/Andere Einstellungen/Standard-Apps“.
Tipp: Testergebnisse zu 452 Smartphones finden Sie in unserem Handy-Test.
-
Starker Schutz für lau
Antiviren-Apps wehren Schadsoftware und Phishing ab. Unser Test von Sicherheits-Apps für Android zeigt: Viele Programme schützen gut. Ganz vorn liegt eine Gratis-App.
-
Was filmt am besten?
Smartphone, Kamera, Camcorder: Wer dreht die besten Videos? Wir haben Camcorder getestet und sie mit anderen Geräten zum Filmen verglichen. Die Ergebnisse überraschen.
-
Texte scannen mit dem Handy – so gehts
Abfotografieren statt abtippen: Android-Handys und iPhones können Textpassagen auf Fotos erkennen und auslesen. Wir zeigen, wie es funktioniert.
Diskutieren Sie mit
Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Bitte melden Sie sich an. Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice.
Kommentarliste
Nutzerkommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.
Das ist doch mal ein Grund die gesamte Marke aus dem Kaufentscheidungsprozess rauszuschmeißen.