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Regierungskrise

Bekommt Großbritannien einen schwulen Premierminister?

Der von seinem Amt als britischer Gesundheitsminister zurückgetretene offen schwule Labour-Politiker Wes Streeting will Regierungschef Keir Starmer herausfordern. Sein Coming-out hatte er als Student in Cambridge.


Wes Streeting war vom 5. Juli 2024 bis zu seinem Rücktritt am 14. Mai 2026 Minister für Gesundheit und Soziale Dienste im Kabinett Starmer. Er ebt mit seinem Partner Joe Dancey in London (Bild: IMAGO / ZUMA Press / Thomas Krych)
  • 17. Mai 2026, 15:57h 3 Min.

Der kürzlich von seinem Posten als Gesundheitsminister zurückgetretene schwule Politiker Wes Streeting will Premierminister von Großbritannien werden. Er werde in einer Wahl um das Amt des Labour-Parteichefs gegen Regierungschef Keir Starmer antreten, bestätigte der 43-Jährige bei einem Auftritt in London.

Unter anderem im Hinblick auf den Brexit schlug Streeting einen deutlich anderen Ton an als sein früherer Chef: "Die EU zu verlassen, war ein katastrophaler Fehler", sagte er. Die Entscheidung habe dazu geführt, dass das Land weniger wohlhabend, weniger mächtig sei und einen Verlust an Kontrolle erlitten habe.

Starmer wollte Brexit funktionsfähig machen

Streeting fügte hinzu: "Wir brauchen eine neue besondere Beziehung mit der EU, weil Großbritanniens Zukunft in Europa liegt und eines Tages wieder in der Europäischen Union."

Starmer hatte stets betont, er strebe weder eine Rückkehr in die EU noch in den Binnenmarkt oder die Zollunion an. Starmers Mantra lautete stets, den Brexit funktionsfähig machen zu wollen. Hintergrund ist die Angst, Teile der traditionellen Labour-Wähler*innenschaft zu vergraulen, die für den Brexit gestimmt hatte. Allerdings erreichte er damit nicht die Mehrheit der britischen Bürger*innen, die den Brexit inzwischen rückgängig machen will.

Burnham soll auch Chance zur Bewerbung haben

Streeting positioniert sich als Konkurrent des Bürgermeisters von Manchester, Andy Burnham, der in den kommenden Wochen den Sprung ins Parlament schaffen will. Streeting betonte, er wolle mit dem Auslösen der Führungswahl abwarten, bis Burnham die Chance habe, seinen Hut ebenfalls in den Ring zu werfen. Um den Parteichef herauszufordern, ist die Unterstützung von mindestens 81 Abgeordneten aus der Fraktion notwendig.

Der charismatische Burnham gilt als aussichtsreichster Herausforderer für den politisch angeschlagenen Premierminister. Noch hat er nicht bestätigt, dass er den Regierungschef ebenfalls herausfordern will. Doch daran gibt es kaum Zweifel. Ob es ihm gelingen wird, die Nachwahl im Bezirk Makerfield nahe Manchester für sich zu entscheiden, gilt aber noch nicht als ausgemacht.

"Ich habe mich erst in meinen Zwanzigern geoutet"

Wes Streeting sprach erstmals ausführlich über sein Coming-out im Zusammenhang mit seiner 2023 erschienenen Autobiografie "One Boy, Two Bills and a Fry Up". Darin beschreibt er, dass er sich erst während seines Studiums an der University of Cambridge in seinen frühen Zwanzigern outete.

In einem Gastbeitrag für "The Independent"1 erklärte er 2023: "Ich habe mich erst in meinen Zwanzigern geoutet" und schilderte, dass er lange Angst vor Ablehnung hatte. Über den Moment seines Coming-outs sagte er im Interview mit "The Guardian"2: "Ich kann nicht länger so tun, als wäre ich jemand, der ich nicht bin." Danach habe er eine große Erleichterung gespürt, eine "völlige Befreiung", weil "diese enorme Last von mir abgefallen war".

Seine Erfahrungen prägen bis heute seinen Einsatz für mehr Sichtbarkeit und Gleichberechtigung von homosexuellen Menschen in der britischen Politik. Mit dem Verbot von Pubertätsblockern im Jahr 2024 ließ er jedoch die trans Community im Stich (queer.de berichtete3). Streeting lebt mit seinem Partner Joe Dancey in London. (cw/dpa)

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