Friedrichsfelde – Das Gesicht ist übersät mit Platzwunden, die Nase gebrochen und geschwollen, die Augenpartien rot und violett. Unter dem rechten Jochbein zieht sich ein blutunterlaufenes Hämatom von der Nase quer bis zur Wange.
Steven K. (36) ist der Mieter, der am Sonntagnachmittag im Hinterhof des Mietshauses an der Lincolnstraße krankenhausreif geprügelt wurde. Der unfassbare Grund: Er hatte Nachbarn nur auf ein Grillverbot hingewiesen, das für alle Mieter im Haus gilt.
Mindestens zwei Männer haben den frisch gebackenen Familienvater (drei Monate alte Tochter) so übel zugerichtet.
Das Grillen stank vielen Mietern schon im vergangenen Jahr gewaltig. Es waren immer wieder dieselben Mieter, die verbotenerweise im Hof brutzelten.
Am Sonntag begannen die Vorbereitungen morgens um 8 Uhr. Steven K. zu B.Z.: „Die haben Stühle und Tische in den Hof gebracht.“ Er habe dann einen der Mieter, der zu einer Familie aus Rumänien gehört, angesprochen und auf das Grillverbot hingewiesen.
„Dann war auch Ruhe. Der Mieter brachte die Sachen wieder zurück.“ Allerdings fing er drei Stunden später wieder an, im Hof Stühle und Tische aufzustellen. Was Steven K. besonders ärgert: „Die Rauchschwaden ziehen direkt ins Fenster des Kinderzimmers. Das können wir dann nicht mehr öffnen.“
Steven K. ging wieder runter und redete dem Griller ins Gewissen. Der Mann baute erneut ab. Zwischen 13 und 14 Uhr ging das „Rein-Raus-Spiel“ mit Tischen, Stühlen und Grill in die dritte Runde. Der Mieter wollte schon anheizen, als Steven K. mit Nachdruck dazwischen ging.
Dreimal auf das Grillverbot hingewiesen
Aber der Mieter machte keine Anstalten, zu stoppen. Der Familienvater verlor die Geduld: „Pass auf, wir brauchen da jetzt nicht weiter zu diskutieren. Ich rufe die Polizei und dann soll die das mit Dir klären.“
Die Polizisten ließen sich die Situation erklären und versprachen, zum Haus zu kommen und mit dem uneinsichtigen Mieter zu sprechen. Verbunden mit dem Hinweis, dass er besser in seiner Wohnung zurückgehen solle. „Zu seiner eigenen Sicherheit“ sei es das Beste.
Wie recht die Beamten damit haben sollten, zeigte sich nur einen Moment später. Steven K. ging zusammen mit dem sturen Mieter in Richtung Vorderhaus aus dem Hof. Der drohte ihm unverhohlen: „Pass auf, meine Familie kommt gleich noch.“
Und tatsächlich: Ein Opel Corsa fuhr vor. Ein Mann sprang heraus, hinter ihm eine Frau und ein Kind. Dann kam er auf Steven K. zu, der noch bei dem Nachbarn stand. Offenbar waren die beiden verwandt. Nun redeten die beiden Männer auf Steven K. ein. Der Ton wurde rauer.
Ohne Vorwarnung Pfefferspray ins Gesicht gesprüht
Ohne Vorwarnung zog ein Mann Pfefferspray aus der Tasche und sprühte ihm direkt ins Gesicht. Danach prügelten beide mit Fäusten auf Steven K. ein. Unter der Wucht der schnellen und brutalen Schläge ging er zu Boden. Doch die beiden ließen nicht von ihm ab. Sie traten mit den Füßen gegen Kopf und Körper. Andere Mieter konnten die Angreifer schließlich in die Flucht jagen.
Steven K. kam ins Krankenhaus. Neben den vielen Hämatomen wurde eine Schulter ausgekugelt, vermutlich sind Sehnen beschädigt – ihm droht noch eine Operation.
Zwei Tage später sitzt er in seiner Wohnung und ringt fassungslos um Worte: „Ich hätte nie gedacht, dass Menschen wegen einer Nichtigkeit so heimtückisch und brutal sein können.“ Nach B.Z.-Informationen sind die Täter namentlich bekannt, aber offenbar noch nicht gefasst.