Der alte, männliche Weg der Erleuchtung und der neue, weibliche Weg der Durchleuchtung
Und warum der „alte, männliche Bewusstseinsweg" heutzutage um einiges schwerer geworden ist
Bildidee: von mir – umgesetzt mit Hilfe von ChatGPT (KI von OpenAI)
Was Sie in diesem Beitrag erwartet…
Die Vorteile, aber auch die Herausforderungen des männlichen Bewusstseinsweges (PAID)
Warum ist es in der heutigen Zeit schwieriger geworden, den alten männlichen Weg zu gehen (PAID)
Spiritualität ist keine Exit-Strategie! (PAID)
Über einen der großen Irrtümer dieses Weges schreiben: Sich „wegbeamen“ ist zwar ein “Aussteigen”, ab KEIN „Aufsteigen“! (PAID)
Die drei wichtigsten Anzeichen dafür, dass sich jemand nicht weiterentwickelt, sondern nur „weggebeamt“ hat (PAID)
Unterschiedliche Entwicklungswege
Seit längerer Zeit bereits beschäftigen mich zwei große, aber auch sehr unterschiedliche Entwicklungswege.
Da gibt es einmal
den männlich-geistigen Bewusstseinsweg
und den weiblich-spürenden Bewusstseinsweg
Die Beschreibung von „männlich“ und „weiblich“ bezieht sich hierbei nicht auf das biologische Geschlecht, sondern auf die dahinterliegende archetypische Qualität.
Was aber unterscheidet diese beiden Entwicklungswege?
Und warum meines Erachtens der weibliche Weg zunehmend an Bedeutung gewinnen wird, darüber möchte ich in diesem Beitrag schreiben.
Zwei Wege, die einander kreuzen und doch nicht unterschiedlicher sein könnten
Alles begann vor vielen Jahren, als ich meinen Partner kennen lernte.
Zwei Menschen, die einander begegneten,
zwei Lebenswege, die einander kreuzten, aber auch
zwei Entwicklungswege, die demselben Ziel folgten und doch so unterschiedlich waren.
In einer gewissen Art und Weise war mein Partner – „spirituell betrachtet“ – wohl um einiges weiterentwickelter, als ich.
Er war sehr bewandert in den gängigen spirituellen Themen – ich war ein ziemlicher Laie.
Er hatte viel gelesen, war bereits bei großen Lehrern und Meistern – ich hingegen hatte nur ein klein wenig in dieses Feld hineingeschnuppert.
Als ich ihn kennenlernte meditierte er bereits seit Jahren, ging zu Satsangs und zu Retreats – ich hatte noch nie meditiert, wusste nicht einmal was ein Satsang oder ein Retreat war.
Entwicklung war ihm sehr wichtig und so setzte er viel Energie in seine Weiterentwicklung. Er übte, praktizierte täglich Yoga, war am meditieren… – Während ich – ok, ich hatte eine Psychotherapie gemacht, aber für ein tägliches Üben oder Praktizieren hatte ich gar keine Zeit. Als wir uns trafen war ich alleinerziehend und voll berufstätig, also ziemlich mit den weltlichen Dingen beschäftigt.
Er hatte sich mit Herz und Seele seiner Weiterentwicklung verschrieben – und ich – nun ja, mein Ziel war wohl weniger heroisch: Ich suchte nicht nach Erkenntnis oder nach Erleuchtung. Ich suchte nach Liebe – ich wollte die Liebe leben.
Zwei Wege, die nicht unterschiedlicher hätten sein können und dennoch – das erkannte ich aber erst einige Zeit später – dasselbe Ziel verfolgten. Auch wenn es anfangs nicht unbedingt danach aussah.
Wie gehen wir mit unserem Spüren um?
Der größte Unterschied zwischen uns – und auch zwischen dem männlichen und weiblichen Entwicklungsweg – zeigt sich vor allem im unterschiedlichen Umgang mit dem Spüren.
Ich hatte mich viel mit meinen Gefühlen beschäftigt und gelernt, „dem, was ich spürte“ mehr Raum zu geben, „das, was ich spürte auch auszuhalten und halten zu können“, so wie differenzierter zu spüren.
Er hingegen tippte das Spüren lediglich an, sah ein wenig darauf hin und ging dann rasch darüber hinaus.
Für mich war er emotional viel zu schnell. Er ging zu schnell über das Spüren hinweg, so dass es mir zeitweise wie ein emotionales Flüchten erschien.
Andererseits glich mein Hineingehen und mein Beharren auf mein Spüren in seinen Augen durchaus einem Festhalten an unangenehmen Zuständen. Er verstand nicht, warum ich mir mein Leben so erschwerte. Dass ich ständig ins Spüren ging und nicht einfach über diese „Fühlerei“ hinausging.
Manchmal wirkte es auf ihn so, als ob ich leiden wollte
und mir erschien es zeitweise so, als ob er sich emotional nicht wirklich einlassen wollte.
Während ich – in seinen Augen – den Gefühlen und dem Spüren zu viel Raum gab,
gab er – meiner Ansicht nach – den Gefühlen, wie dem Spüren zu wenig Raum.
Und dennoch: Eine Zeit lang dachte ich, dass er mir entwicklungsmäßig voraus war. Denn er war belesen, er kannte sich aus und wandelte bereits seit Jahren auf dem Bewusstseinsweg.
Erst später erkannte ich, dass ich einem völlig anderen Weg folgte. Mein Weg war weder schlechter noch besser als seiner, er war einfach anders. Er folgte dem männlich-geistigen Bewusstseinsweg, während ich dem weiblich-spürenden Pfad folgte.
Was ich mit diesem männlich-geistigen und weiblich-spürenden Bewusstseinspfad meine, das versuche ich nun ein wenig näher zu beschreiben:
Der „männlich-geistige“ Bewusstseinsweg
Bildidee: von mir – umgesetzt mit Hilfe von ChatGPT (KI von OpenAI)
Der männlich-geistige Entwicklungsweg, so scheint mir, beschreibt den ursprünglichen, den alten Bewusstseinspfad.
Es ist ein Weg, der primär über den Geist läuft. Der Geist erhebt sich über die Materie.
Ein Mensch, der diesen Weg beschreitet lernt über seinen Geist die Materie – seinen Körper, seine Gedanken, Gefühle und Impulse
zu erkennen,
sie gezielt zu lenken und
schlussendlich über sie hinauszugehen.
Dies geschieht mithilfe unterschiedlicher Techniken, wie: eine gesteuerte oder bewusste Atmung, ein bewusstes Beobachten, über Meditation oder auch über Techniken der Körperbeherrschung.
All diese Techniken verlangen Disziplin. Menschen, die diesen Weg folgen, haben einiges zu tun - über lange Zeit. Aber das Ziel ist erstrebenswert: Führt der geistige Entwicklungsweg doch letztendlich in die ultimative Freiheit.
Folglich geht es auf diesem Weg auch darum, sich aus allen irdischen Anhaftungen zu befreien. Die Fesseln, die uns festhalten und an das irdische Sein binden, zu lösen. Dabei geht es um Bindungen und Verstrickungen
zu anderen Menschen,
zum Körper, oft auch zur Sexualität,
zu den Gefühlen und Gedanken,
zu uns selbst – also an unsere Vorstellung, ein getrenntes „Ich“ zu sein.
Der geistige Bewusstseinsweg soll den Menschen helfen diese – einstmals aufgebauten – Bindungen wieder aufzulösen. Und so sind Bindungen auch etwas, das tunlichst vermieden oder gelöst werden sollte. Leider wird dieser Punkt häufig auch missverstanden – dann wird nicht nur Bindung, sondern auch Beziehung vermieden.
Die Richtung des männlichen Weges geht somit hinaus aus den irdischen Anhaftungen. Sie führt den Menschen nach oben, eben hinauf. In einem gewissen Sinne ist es eine Form des Aussteigens. Ein Aussteigen – aus den menschlichen Anhaftungen und Bindungen. Und damit einhergehend eine Befreiung aus dem weltlichen Gebundensein. Doch genau hierin, liegt auch eine der größten Gefahrenquellen. Mehr dazu aber später.
In dieser Entwicklungsrichtung lassen sich somit auch die
aufgestiegenen Meister – also jene Meister, die aus dem irdischen Erfahrungskreislauf ausgestiegen und somit aufgestiegen sind – finden,
wie auch aktuellere Begrifflichkeiten wie der „Aufstieg“ – also von den niederen irdischen Ebenen emporzusteigen und aufzusteigen.
Für manche ist dies der „einzige Bewusstseinsweg“, doch dieser Weg wird nicht für alle sein.
Im Gegensatz zu meinem Partner, der diesen Weg ging, folgte ich zum Beispiel einem anderen Weg. Einem Weg, den meiner Beobachtung nach immer mehr Menschen beschreiten. Dies ist der weiblich-spürende Bewusstseinsweg.
Während der männliche Weg, der Weg des Geistes, mental verankert ist – und somit üblicherweise auch einer bewussten Entscheidung folgt, ist
der weibliche Weg, der Weg des Spürens, emotional verankert – dieser folgt seltener einer bewussten Entscheidung, viel eher ergibt er sich aus dem Leben heraus.
Der weiblich-spürende Bewusstseinsweg
Bildidee: von mir – umgesetzt mit Hilfe von ChatGPT (KI von OpenAI)
Ich folge also dem weiblichen Bewusstseinsweg – und auch all meine Beiträge gründen in dieser Haltung.
Nicht, weil ich gegen Klarheit oder Disziplin wäre, sondern weil meine Erfahrung mir aufgezeigt hat: Die menschliche Seite lässt sich nicht so einfach übergehen.
Gefühle wollen gesehen werden, sie wollen gefühlt werden.
Gedanken brauchen Raum, um sich zu ordnen und
der Körper will gehört und gelebt werden.
So geht es mir auch nicht darum, mein menschliches Sein hinter mir zu lassen, sondern es zu leben – Das Leben zu erleben.
Ich betrachte das menschliche Sein nicht als etwas, das es zu überwinden gibt, sondern als etwas, das bewusst gelebt werden möchte.
Und das ist nicht leicht. Denn das Leben läuft nicht immer so, wie ich es gerne hätte. Und so fordern mich gerade jene Erfahrungen, die ich eigentlich „gar nicht machen will“ am meisten.
Der weiblich-spürende Weg erfordert einen völlig anderen Zugang. Es fordert ein „Hineingehen“, ein „Eintauchen“, ein „sich Einlassen auf das, was gerade ist.“ Aber genau dieses "Einlassen” ist oftmals sogar schwieriger als ein Aussteigen.
Auf diesem Weg gibt es bestenfalls Begleiter, aber keinen Lehrer mehr. Denn das Leben selbst wird zum Lehrmeister. Auch wenn das Leben – wie jeder andere Meister auch – nicht immer das bringen wird, was wir uns wünschen oder gerne hätten.
Der Weg der Erleuchtung oder der Weg der Durchleuchtung?
Der männliche Weg des Geistes geht im Grunde nach oben. Er geht hinaus.
Hinaus in eine höhere Ebene,
über den niedrigen Geist, den Verstand hinaus – in einen höheren Geist,
hinaus in ein höheres Bewusstsein.
Auf diesem Weg versuchen die Menschen aus ihren irdischen Begrenzungen auszusteigen. Es ist der Weg des Ausstiegs, des Aufstiegs – ein der Weg der Erleuchtung.
Lange, so erscheint es mir, war dies der „übliche“ oder gängige Weg. Und er war und ist wichtig. Denn er zeigt uns auf, dass wir uns nicht immer nur im Kreis unserer Erfahrungen drehen müssen, sondern dass es möglich ist, aus diesen unbewussten Kreisläufen auszusteigen.
Der weibliche Weg des Spürens hingegen verläuft konträr dazu. Er geht nach unten – hinein.
Hinein in das menschliche Sein mit all seinen Erfahrungen, mit all seinem Fühlen und Spüren,
aber auch – oder vor allem – hinein in die niederen dunklen, vergessenen und unbewussten Ebenen.
Und dennoch ist es in einer gewissen Weise auch ein darüber Hinausgehen – ein Hinausgehen, aus der vertrauten Ablehnung und Spaltung.
Auf dem weiblichen Weg steigen wir vollends in das menschliche Sein ein. Nicht um uns darin zu verlieren, sondern um Bewusstsein ins Menschliche, ins „Menschsein“ zu bringen.
Es ist ein Weg, der in eine völlig andere Richtung geht. Ein Weg des Abstiegs, ein Weg der Durchleuchtung. Hier geht es nicht um den Versuch, selbst „erleuchtet“ zu werden, sondern darum, das menschliche Sein zu durchleuchten – sozusagen Licht ins Unbewusste zu bringen. Und so auch das „Niedere“, das „Abgelehnte“, das „Ungewollte“ aus den Schatten heraus und in das Licht des Bewusstseins zu holen.
Dazu müssen wir aber lernen, anders mit unseren abgelehnten Anteilen umzugehen. Wie dieses „anders damit umgehen“ bespielsweise emotional aussehen kann, können Sie im Beitrag: Wie wir leichter mit herausfordernden Gefühlen umgehen können? nachlesen.
Neugierig geworden?
Im kostenpflichtigen Bereich werde ich dieses Mal vertiefend über den männlichen Bewusstseinsweg schreiben. Dabei werde ich:
die Vorteile, aber auch die Herausforderungen des männlichen Bewusstseinsweges beschreiben,
erklären, warum es in der heutigen Zeit viel schwieriger geworden ist, den alten männlichen Weg zu gehen,
über die Verführung, den männlichen Bewusstseinsweg aus den falschen Gründen zu beschreiten - Spiritualität ist keine Exit-Strategie!
über einen der großen Irrtümer dieses Weges schreiben: Sich „wegbeamen“ ist zwar ein “Aussteigen”, aber KEIN „Aufsteigen“!
die drei wichtigsten Anzeichen dafür, dass sich jemand „weggebeamt“, also sich geistig abgespalten hat, aufzeigen.
Damit es nicht zu viel auf einmal wird, werde ich den weiblichen Entwicklungsweg des „Durchleuchtens“ in einem der Folgebeiträge aufgreifen und vertiefen.
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