Praxis
Die Schilddrüse aus der Sicht der Osteopathie: Teil 1: Grundlagen

https://doi.org/10.1016/S1615-9071(23)00011-4Get rights and content

Zusammenfassung

Nicht nur funktionelle Störungen des hormonellen Systems (wie z. 14;B. Fertilitätsstörungen), auch strukturelle Pathologien der Hormondrüsen (wie z. 14;B. AIT – autoimmune Thyreoiditis, Hashimoto-Thyreoiditis) treten in den letzten Jahren zunehmend häufiger auf. Eine wichtige Schlüsselrolle spielt dabei die Schilddrüse (Glandula thyroidea). So erlangte die Schilddrüse in den letzten Jahren auch eine wichtigere Rolle in der osteopathischen Betrachtung. Barral [2] und Camirand [6] haben sich in ersten Publikationen mit der Schilddrüse und ihrer Funktion beschäftigt. Frühwein [9] hat die Mobilität und Motilität der Schilddrüse beschrieben und in die Osteopathie eingeführt.
Im 1. Teil des Artikels werden die Grundlagen der Schilddrüse beschrieben: Embryologie, Anatomie, Topografie, Physiologie, Mobilität/Motilität und Diagnostik.

Abstract

Not only functional disorders of the hormonal system (such as fertility disorders), but also structural pathologies of the endocrine glands (such as AIT – autoimmune thyroiditis, Hashimoto‘s disease) have become increasingly common in recent years. An important key role is played by the thyroid gland (Glandula thyroidea). Thus, in recent years, the thyroid gland also acquired a more important role in osteopathic consideration. Barral [2] and Camirand [6] have addressed the thyroid gland in early publications. Frühwein [9] has described the mobility and motility of the thyroid gland and introduced it into osteopathy.
The 1st part of the article describes the basics of the thyroid gland: embryology, anatomy, topography, physiology, mobility/motility, and diagnosis.

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Embryologie

Im Rahmen der embryologischen Entwicklung kommt es zu einem ausgedehnten Deszensus der Schilddrüsenknospe nach kaudal. Am 24. Tag beginnt die Entwicklung der Schilddrüsenknospe im Sinne einer exokrinen Drüse als Verdickung des Entoderms auf Höhe des 2. Schlundbogens. Anfangs besitzt die Schilddrüse eine Aushöhlung und Verbindung zum primitiven Vorderdarm bis zum Foramen caecum der Zunge. Ab der 6. Woche bildet sie eine kompakte Anlage, den Vorläufer des Lobus pyramidalis. Von der Spitze der

Topografie und Lage

Die Schilddrüse, ein weiches, rotbraunes Organ, erscheint von ventral betrachtet H- oder schmetterlingsförmig, von kranial oder kaudal betrachtet hufeisenförmig mit Öffnung nach dorsal. Sie liegt relativ oberflächlich im unteren Halsdrittel. Ventral wird sie von der infrahyoidalen Muskulatur überlagert (Kontakt zum M. sternothyroideus). Trotz der oberflächlichen Lage ist die Schilddrüse schwierig zu palpieren.
Die Schilddrüse bildet das Hauptorgan der viszeralen Halsloge (mit Larynx und

Anatomie der Schilddrüse

Über die Größe und das Volumen der Schilddrüse existieren sehr unterschiedliche Angaben (je nach Quelle). Meist wird die Schilddrüse der Frau als im Verhältnis größer angegeben und unterliegt zyklusbedingten Schwankungen (Größe ca. 10–25 g, Volumen bei Männern ca. 25 ml, bei Frauen ca. 18 ml [27]; durchschnittliche Größe der Lappen: 6–7 cm Breite, 3–4 cm Höhe, 1,5–2 cm Dicke). Die Schilddrüse besteht aus zwei relativ symmetrischen Lappen (Lobus dexter und sinister) und dem dazwischen

Mobilität und Motilität

Die Mobilität und Motilität der Schilddrüse wurden lange wenig beachtet. So schreibt Barral, die Schilddrüse bewege „sich mit der Atmung” [2]. Camirand [6] weist darauf hin, dass sich die Schilddrüse bei der Einatmung mit dem Zwerchfell nach kaudal bewegt, bei der Ausatmung entsprechend nach kranial.
Frühwein [9] hat ausgehend von der empirischen Beobachtung durch die Palpation ein Modell der Mobilität und Motilität entwickelt, basierend auf dem Barral'schen Konzept der allgemeinen viszeralen

Diagnostik

Bei der Diagnostik von Schilddrüsenstörungen stehen Schulmediziner*innen alle gängigen diagnostischen Mittel zur Verfügung (wie z. 14;B. Labor, apparative Diagnostik, wie Sonografie, nuklearmedizinische Untersuchungen etc.). Kommen in der Anamnese typische Schilddrüsensymptome zur Sprache, kann mittels Labordiagnostik und Sonografie nach einer Pathologie gesucht werden.
Regelmäßig jedoch kommen auch Patienten mit blanden Verläufen, teilweise bereits mit negativen Laborwerten, in die

Literatur (12)

  • J.P. Barral et al.

    Manipulation viszeraler Gefäße. Osteopathie in Theorie und Praxis

    (2011)
  • J.C. Behrends

    Physiologie

    (2012)
  • N. Camirand

    Osteopathische Behandlung hormoneller und nervlich bedingter Störungen

    (2019)
  • H. Fritsch et al.

    Taschenatlas Anatomie – Innere Organe

    (2013)
  • J. Frühwein

    Schilddrüse (Kap.21)

  • F.H. Netter

    Altlas der Anatomie

    (2011)
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Cited by (0)

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