An einem Julitag 2019 bricht eine merkwürdige Reisegruppe in den Südwesten Polens auf. Sechs junge Frauen, die jüngste ist 16 Jahre alt. Sie haben Gitarre und Fahne im Gepäck, tragen lange, dunkelblaue Röcke und geflochtene Zöpfe. Etwas altmodisch angezogene Pfadfinderinnen, könnte man denken.
Von Görlitz aus trampen und wandern die jungen Frauen übers Riesengebirge bis nach Breslau. Ihre auf den ersten Blick harmlosen Abenteuer halten sie in einem Reisebericht fest.
Sie springen demnach bei Mondschein in einen See und singen in Fußgängerzonen. Sie ziehen in Regenponchos durch Nebelschwaden, zelten verbotenerweise in Wäldern und wachen morgens mit Schneckenschleim im Haar auf. Sie pflücken Himbeeren und rollen sich auf dem Boden zu einem Kuschelhaufen zusammen. Mittags gibt es Schokomüsli mit Obst, zum Abendbrot Brennnesseln, angebraten in Butter. Einmal fangen sie mit der Hand einen Frosch und erwägen, ihn zu küssen. Am letzten Abend lassen sie beim Singen am Lagerfeuer einen Flachmann kreisen. Als Gutenachtgeschichte lesen sie ein Kapitel aus dem Buch Fliegen – mein Leben von Hanna Reitsch.