Icon Pfeil zurück Start
Elbe-Elster Rund 70 Rinder aus Stall einer Agrargenossenschaft gestohlen
Ein junges schwarzbuntes Niederungsrind liegt im Stroh. (Quelle: IMAGO/Schoening)
00:20 Min
Ein junges schwarzbuntes Niederungsrind liegt im Stroh. (Quelle: IMAGO/Schoening)
  • 70 junge Rinder aus Stall in Brandenburg verschwunden
  • Polizei geht von Diebstahl aus
  • Agrargenossenschaft schätzt finanziellen Schaden auf 50.000 Euro
  • Rinderdiebstahl laut weiterer Landwirte nicht unüblich

Unbekannte haben in Uebigau-Wahrenbrück (Elbe-Elster) rund 70 Rinder gestohlen. Das teilte die Polizeidirektion Süd am Dienstag mit. Die Tiere verschwanden demnach zwischen Montagmittag und Dienstagmorgen von dem Gelände einer Agrargenossenschaft.

Weibliche Rinder zwischen drei und sechs Monaten

Die Rinder wurden nach rbb-Informationen aus dem Stall der Agrargenossenschaft Gräfendorf in Langennaundorf nördlich von Uebigau-Wahrenbrück gestohlen. Bei den gestohlenen Tieren handelt es sich ausschließlich um weibliche Rinder der Rasse Deutsches Schwarzbuntes Niederungsrind im Alter zwischen drei und sechs Monaten, sagte der Vorstandsvorsitzende der Agrargenossenschaft Michael Jänsch dem rbb am Mittwoch.

Dienstagmorgen um fünf Uhr sei der Tierpfleger in den Stall gekommen und habe bemerkt, dass von der Gruppe von 80 Tieren nur noch zehn da gewesen seien.

"Die Kleinsten haben sie zurückgelassen"

Jänsch vermutet, dass die Täter mit einem Sattelschlepper rückwärts von hinten an den Stall gefahren sind und das Tor aufgebrochen haben. "Sonst hätten sie die Tiere nicht weg gekriegt", sagte er. "Dadurch dass es Montag regnete, hat man die Lkw-Spuren deutlich gesehen." Wie die Polizei mitteilte, wurden mehrere Spuren gesichert, darunter auch die mindestens eines Lastwagens.

Die Unbekannten "haben die Tiere aufgeladen und sogar noch sortiert", sagte Jänsch. "Die Kleinsten haben sie zurückgelassen."

Rasse der gestohlenen Rinder vom Aussterben bedroht

Der Diebstahl bedeutet für die Agrargenossenschaft Jänsch zufolge nicht nur einen hohen finanziellen Verlust, denn die Deutsch Schwarzbunten Niederungsrinder gehören zu den vom Aussterben bedrohten Rinderrassen. "Bundesweit gibt es nicht mehr als 4.000 Kühe", sagte Jänsch. Auf dem Hof der Agrargenossenschaft habe es bisher den größten Bestand europaweit gegeben, das Team setze sich für den Erhalt der Rasse ein und werde dabei auch von der EU gefördert.

Dass die Tiere wegen ihrer seltenen Rasse gestohlen wurden, halte Jänsch trotzdem nicht für wahrscheinlich. Er tippe stattdessen auf Milch und Fleisch. In der Zwischenzeit meldeten sich auch andere Landwirte bei Jänsch und berichteten von ähnlichen Fällen, bei denen eine große Anzahl von Tieren gestohlen wurde. Es nehme zu, so Jänsch.

Im Gegensatz zu Schweinefleisch erzielt Rindfleisch derzeit noch höhere Gewinne. "Schwein erholt sich langsam, ist aber noch lange nicht in der Gewinnzone. Was in den letzten Monaten immer noch vernünftiges Geld gebracht hat, war Rindfleisch", sagte Jänsch.

"Diebstahl in der Größenordnung relativ selten"

Durch die Ohrmarken können die gestohlenenen Rinder nicht auf den herkömmlichen Markt kommen. Jänsch schätzt, dass die Rinder "weiter aufgemästet" oder zur Milcherzeugung genutzt werden könnten und mittlerweile über die Grenze gebracht wurden.

Die Polizei ermittelt nun wegen besonders schwerem Diebstahl. Wie ein Sprecher sagte, ist ein "Diebstahl in der Größenordnung relativ selten". Der Gesamtschaden wird auf rund 50.000 Euro geschätzt.

Ein Teil des jeweiligen Zeitwerts der Rinder wird von der Versicherung voraussichtlich abgedeckt. Die Tiere seien dennoch nicht zu ersetzen, so Jänsch. Die Agrargenossenschaft will die Nachzucht auch ohne die gestohlenen Tiere überbrücken.

Sendung: Sendung: Fritz vom rbb, 21.04.2026, 14:31 Uhr

Audio: Fritz vom rbb, 21.04.2026, Hannah Burmeister

Brandenburg Tiere

Mehr bei rbb|24