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Rechts­ex­tre­mis­ti­sche Par­tei­en

"Die Hei­mat" (ehe­mals Na­tio­nal­de­mo­kra­ti­sche Par­tei Deutsch­lands [NPD])

  Deutsch­land Sachsen-​Anhalt
Sitz Ber­lin pos­ta­lisch Ber­lin
Grün­dung 1964 1990 (als "Mit­tel­deut­sche Na­tio­nal­de­mo­kra­ten")
Vor­sitz Peter Schrei­ber Henry-​Kurt Lip­pold
Pu­bli­ka­tio­nen Deut­sche Stim­me  
Mit­glie­der 2.500 70

Die Par­tei „Die Hei­mat“, die von ihrer Grün­dung im Jahr 1964 bis zu ihrer Um­be­nen­nung im Juni 2023 den Namen „Na­tio­nal­de­mo­kra­ti­sche Par­tei Deutsch­lands“ (NPD) ge­tra­gen hat, ver­tritt ein ge­schlos­se­nes rechts­ex­tre­mis­ti­sches Welt­bild, des­sen ideo­lo­gi­sches Kern­ele­ment die Idee einer eth­nisch ho­mo­ge­nen „Volks­ge­mein­schaft“ ist. Davon aus­ge­hend pro­pa­giert sie un­ver­hoh­len ras­sis­ti­sche und frem­den­feind­li­che Po­si­tio­nen. Die „Vier Säulen-​Strategie“ der Par­tei, be­stehend aus dem „Kampf um die Köpfe“, dem „Kampf um die Stra­ße“, dem „Kampf um die Par­la­men­te“ und dem „Kampf um den or­ga­ni­sier­ten Wil­len“, ver­deut­licht seit Jah­ren das Ziel von „Die Hei­mat“, den de­mo­kra­ti­schen Ver­fas­sungs­staat sys­te­ma­tisch und um­fas­send zu be­kämp­fen.

Wenn­gleich „Die Hei­mat“ seit den 2010er Jah­ren einen star­ken Mit­glie­der­schwund zu ver­zeich­nen hatte, ist sie nach wie vor die mit­glie­der­stärks­te neo­na­zis­ti­sche Par­tei so­wohl in Sachsen-​Anhalt als auch in Deutsch­land. Hatte „Die Hei­mat“ bis zum Be­ginn der ver­gan­ge­nen De­ka­de noch den Sta­tus einer Samm­lungs­par­tei im or­ga­ni­sier­ten Rechts­ex­tre­mis­mus, die je­weils zehn Jahre lang in den Lan­des­par­la­men­ten des Frei­staa­tes Sach­sen und von Mecklenburg-​Vorpommern ver­tre­ten war, so muss­te sie seit­dem einen ste­ti­gen Nie­der­gang ver­zeich­nen, der sich bei den jün­ge­ren Wah­len im Jahr 2021 fort­ge­setzt hat. Bei der Wahl zum Land­tag von Sachsen-​Anhalt am 6. Juni 2021 konn­te die Par­tei le­dig­lich 0,3 Pro­zent der Zweit­stim­men auf sich ver­ei­nen (ge­gen­über 1,9 Pro­zent bei der vor­an­ge­gan­ge­nen Land­tags­wahl 2016); bei der Bun­des­tags­wahl er­ziel­te sie 0,1 Pro­zent (2017: 0,4 Pro­zent) der Zweit­stim­men. Damit hat „Die Hei­mat“ ihren An­spruch auf Teil­ha­be an der staat­li­chen Par­tei­en­fi­nan­zie­rung auf­grund der er­ziel­ten Wahl­er­geb­nis­se schon vor der grund­sätz­li­chen Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­rich­tes vom 23. Ja­nu­ar 2024 voll­stän­dig ver­lo­ren. Ak­tu­ell be­schrän­ken sich die Ak­ti­vi­tä­ten des Lan­des­ver­ban­des Sachsen-​Anhalt von „Die Hei­mat“ größ­ten­teils auf die Prä­senz in den so­zia­len Me­di­en. Dort wer­den al­ler­dings fast aus­schließ­lich Ar­ti­kel der Par­tei­zei­tung „Deut­sche Stim­me“ ge­teilt.

Die Ju­gend­or­ga­ni­sa­ti­on von „Die Hei­mat“ sind die „Jun­gen Na­tio­na­lis­ten“ (JN), die sich der neo­na­zis­ti­schen Ideo­lo­gie be­die­nen. Sie ma­chen ge­le­gent­lich durch Ak­tio­nen mit frem­den­feind­li­chen oder ge­schichts­re­vi­sio­nis­ti­schen In­hal­ten auf sich auf­merk­sam. Ein jün­ge­res Bei­spiel hier­für ist die Be­tei­li­gung der JN Sachsen-​Anhalt an der bun­des­wei­ten Ak­ti­on „Schwar­ze Kreu­ze“, bei der Rechts­ex­tre­mis­ten all­jähr­lich am 13. Juli or­ga­ni­sa­ti­ons­über­grei­fend und deutsch­land­weit schwarz be­mal­te Kreu­ze an öf­fent­li­chen Stra­ßen und Plät­zen auf­stel­len, um an die deut­schen Opfer so­ge­nann­ter Aus­län­der­ge­walt zu er­in­nern.

„Der III. Weg“ (III. Weg)

  Deutsch­land Sachsen-​Anhalt
Sitz Wei­den­thal (Rheinland-​Pfalz) Stütz­punkt Mag­de­burg/Alt­mark, Stütz­punkt Bur­gen­land­kreis, Stütz­punkt An­halt
Grün­dung 2013 2021
Vor­sitz Mat­thi­as Fi­scher  
Mit­glie­der etwa 950 100

„Der III. Weg“ ist ak­tu­ell die ak­tivs­te Or­ga­ni­sa­ti­on des par­tei­ge­bun­de­nen Neo­na­zis­mus in Sachsen-​Anhalt. Zu­letzt konn­te die Par­tei ihre Struk­tu­ren wei­ter aus­bau­en. Ein Aus­druck die­ser Er­wei­te­run­gen sind die im Au­gust 2021 er­folg­te Grün­dung des „Stütz­punk­tes Mag­de­burg/Alt­mark“ und die 2022 er­folg­ten Grün­dun­gen der Stütz­punk­te „Bur­gen­land­kreis“ und „An­halt/Harz“. Als „Stütz­punk­te“ be­zeich­net „Der III. Weg“, in dem für diese Par­tei ty­pi­schen mi­li­ta­ris­ti­schen Duk­tus, die re­gio­na­len Glie­de­run­gen der Par­tei. Bun­des­weit glie­dert sich die Par­tei in drei Lan­des­ver­bän­de und mehr als 20 Stütz­punk­te.

Pro­gram­ma­tisch steht die Par­tei in der Tra­di­ti­on des „na­tio­nal­re­vo­lu­tio­nä­ren“ Flü­gels des deut­schen Na­tio­nal­so­zia­lis­mus, der ein völkisch-​antipluralistisches Menschen-​ und Ge­sell­schafts­bild mit an­ti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Ideo­lo­ge­men ver­bin­det. In ihrem „Zehn-​Punkte-Programm“, das zahl­rei­che Par­al­le­len zum 25-​Punkte-Programm der NSDAP von 1921 auf­weist, for­dert sie die Er­hal­tung der „bio­lo­gi­schen Volks­sub­stanz“ zur „Ab­wen­dung des dro­hen­den Volks­to­des“ und die Rea­li­sie­rung eines „Deut­schen So­zia­lis­mus“, der u. a. durch die Ver­staat­li­chung sämt­li­cher Schlüs­sel­in­dus­trien, Ban­ken und Groß­be­trie­be ver­wirk­licht wer­den soll. „Der III. Weg“ agi­tiert ins­ge­samt an­ti­se­mi­tisch, aus­län­der­feind­lich und re­vi­sio­nis­tisch.

Wenn­gleich sich „Der III. Weg“ ver­ein­zelt um die Teil­nah­me an Wah­len be­müht, ist das Er­rin­gen par­la­men­ta­ri­scher Man­da­te je­doch nicht das vor­ran­gi­ge Ziel der Par­tei, die stark ak­ti­ons­ori­en­tiert ope­riert. Wich­ti­ger als Wahl­er­geb­nis­se sind für sie die bei Wahl­kämp­fen sich bie­ten­den Mög­lich­kei­ten, mit pro­vo­kan­ten Ak­tio­nen auf sich auf­merk­sam zu ma­chen und so die ei­ge­ne Be­kannt­heit zu stei­gern. Bei der Bun­des­tags­wahl 2021, bei der die Par­tei le­dig­lich in den Frei­staa­ten Bay­ern und Sach­sen Lan­des­lis­ten auf­stell­te und letzt­lich ein Zweit­stim­men­er­geb­nis von 0,0 Pro­zent er­ziel­te, ge­lang ihr dies ins­be­son­de­re durch die Ver­wen­dung eines Wahl­pla­ka­tes mit dem Slo­gan „HÄNGT DIE GRÜ­NEN“, über die von den Me­di­en bun­des­weit be­rich­tet wurde.

Seit dem Früh­jahr 2022 ge­wann der völ­ker­rechts­wid­ri­ge An­griffs­krieg Russ­lands gegen die Ukrai­ne in der Agi­ta­ti­on der Par­tei zu­neh­mend an Be­deu­tung. „Der III. Weg“ hatte schon vor Kriegs­be­ginn be­kun­det, „auf der Seite der na­tio­nal­re­vo­lu­tio­nä­ren Be­we­gung der Ukrai­ne“ zu ste­hen, womit sich die Par­tei gegen die über­wie­gend pro-​russische Po­si­tio­nie­rung in­ner­halb der rechts­ex­tre­mis­ti­schen Szene stellt.

„Al­ter­na­ti­ve für Deutsch­land“ Lan­des­ver­band Sachsen-​Anhalt (AfD Sachsen-​Anhalt)

* Hier­zu zähl­ten auch die Mit­glie­der der (mitt­ler­wei­le auf­ge­lös­ten) "Jun­gen Al­ter­na­ti­ve Sachsen-​Anhalt", die oft­mals auch AfD-​Mitglieder waren.
Sitz Mag­de­burg
Grün­dung 2013
Vor­sitz Mar­tin Rei­chardt (MdB)
Mit­glie­der etwa 2.580*

Am 7. No­vem­ber 2023 hat der Ver­fas­sungs­schutz auf Nach­fra­ge von Pres­se­ver­tre­tern be­stä­tigt, dass der Lan­des­ver­band Sachsen-​Anhalt der AfD als ge­si­chert rechts­ex­tre­mis­ti­sche Be­stre­bung im Sinne von § 4 Abs. 1 des Ge­set­zes über den Ver­fas­sungs­schutz im Land Sachsen-​Anhalt (VerfSchG-​LSA) ein­ge­stuft wor­den ist. Im Rah­men eines um­fang­rei­chen Prüf­pro­zes­ses hat die Ver­fas­sungs­schutz­be­hör­de zahl­rei­che In­for­ma­tio­nen ge­sam­melt und aus­ge­wer­tet, die be­le­gen, dass sich die po­li­ti­sche Agi­ta­ti­on der AfD Sachsen-​Anhalt gegen es­sen­ti­el­le Prin­zi­pi­en der frei­heit­li­chen de­mo­kra­ti­schen Grund­ord­nung rich­tet, ins­be­son­de­re gegen die Ga­ran­tie der Men­schen­wür­de aus Ar­ti­kel 1 Ab­satz 1 des Grund­ge­set­zes (GG) und gegen das De­mo­kra­tie­prin­zip aus Ar­ti­kel 20 Ab­satz 1 GG.


Eth­ni­scher Volks­be­griff und Mi­gra­ti­ons­feind­lich­keit

Die Pro­gram­ma­tik des AfD-​Landesverbandes Sachsen-​Anhalt ist we­sent­lich von der ras­sis­ti­schen Ideo­lo­gie des Eth­noplu­ra­lis­mus durch­drun­gen. Dem Eth­noplu­ra­lis­mus liegt ein völkisch-​abstammungsmäßiger Volks­be­griff zu­grun­de, der Men­schen nach ver­meint­li­chen Her­kunfts­ge­bie­ten sor­tie­ren will. Ziel des von der AfD ver­tre­te­nen Eth­noplu­ra­lis­mus und des damit ver­bun­de­nen Volks­be­griffs sind wei­test­ge­hend ho­mo­ge­ne Staa­ten. Diese Vor­stel­lung läuft letzt­lich auf die Schaf­fung eth­nisch rei­ner Ge­sell­schaf­ten und damit die Aus­wei­sung aller „Volks­frem­den“ hin­aus.

Zahl­rei­che mus­lim­feind­li­che, ras­sis­ti­sche und auch an­ti­se­mi­ti­sche Aus­sa­gen von Funktions-​ und Man­dats­trä­gern des Lan­des­ver­ban­des be­le­gen, dass die AfD Sachsen-​Anhalt genau die­ses eth­no­kul­tu­rell ho­mo­ge­ne Staats­volk an­strebt und die Aus­gren­zung von Men­schen auf­grund ihrer Her­kunft oder Re­li­gi­on for­dert. So be­die­nen sich füh­ren­de Ver­tre­ter des Lan­des­ver­ban­des einer ver­un­glimp­fen­den Wort­wahl, indem sie zum Bei­spiel dä­mo­ni­sie­ren­de Be­grif­fe wie „Messer-​Migration“ ver­wen­den, Mi­gran­ten als „In­va­so­ren“, „Ein­dring­lin­ge“ oder „kul­tur­frem­de Ver­sor­gungs­mi­gran­ten“ dif­fa­mie­ren oder deut­sche Staats­bür­ger mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund als „Pass­deut­sche“ be­zeich­nen.

Eine sol­che Ab­wer­tung von Men­schen­grup­pen auf­grund ihrer eth­ni­schen oder re­li­giö­sen Iden­ti­tät ver­stößt gegen die Ga­ran­tie der Men­schen­wür­de aus Art. 1 Abs. 1 GG.

Zur Ver­brei­tung ihrer xe­no­pho­ben The­sen nut­zen Funktions-​ und Man­dats­trä­ger der AfD Sachsen-​Anhalt in­ten­siv die so­zia­len Me­di­en. Die fol­gen­den Bei­trä­ge zei­gen bei­spiel­haft, dass sie dabei Be­völ­ke­rungs­grup­pen mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund be­wusst dä­mo­ni­sie­ren und damit in der Be­völ­ke­rung Hass gegen Mi­gran­ten schü­ren:

Der stell­ver­tre­ten­de Schatz­meis­ter der AfD Sachsen-​Anhalt, Jan MOL­DEN­HAU­ER (MdL), schrieb auf sei­ner Facebook-​Seite zu ge­walt­tä­ti­gen Aus­schrei­tun­gen in der Sil­ves­ter­nacht 2022/2023:

Der Be­griff „kul­tur­fremd“ ist ein ty­pi­scher Aus­druck der eth­noplu­ra­lis­ti­schen Ideo­lo­gie. Ver­meint­lich nicht zur deut­schen Ge­sell­schaft ge­hö­ren­de Men­schen wer­den als „kul­tur­fremd“ ver­bal aus­ge­grenzt. Als „or­ga­nisch ge­wach­sen“ ver­stan­den, geht der Eth­noplu­ra­lis­mus davon aus, dass die ethnisch-​kulturelle Iden­ti­tät eines Men­schen an­ge­bo­ren und das In­di­vi­du­um damit un­trenn­bar an ein be­stimm­tes Kol­lek­tiv ge­bun­den ist, wes­halb die deut­sche Staats­bür­ger­schaft al­lein nicht aus­reicht, um als ech­ter Deut­scher gel­ten zu kön­nen. Auf­grund der als un­über­wind­bar an­ge­nom­me­nen Un­ter­schied­lich­keit der Kul­tu­ren, muss das Zu­sam­men­le­ben von Men­schen un­ter­schied­li­cher kul­tu­rel­ler Iden­ti­tät aus Sicht des Eth­noplu­ra­lis­mus zwangs­läu­fig in Kon­flik­ten mün­den. Daher fin­det die Agi­ta­ti­on gegen als „kul­tur­fremd“ dif­fa­mier­te Men­schen vor allem an­läss­lich von Mel­dun­gen zu Ge­walt­ta­ten und an­de­ren Ver­bre­chen statt.

Der stell­ver­tre­ten­de Kreis­vor­sit­zen­de der AfD Börde, Felix ZIET­MANN (MdL), ver­öf­fent­lich­te auf sei­ner Facebook-​Seite am 2. Ja­nu­ar 2023 den fol­gen­den Bei­trag:

Seit ei­ni­gen Jah­ren ist es ins­be­son­de­re die rechts­ex­tre­mis­ti­sche „Iden­ti­tä­re Be­we­gung“ (IB), die unter dem Schlag­wort „Re­con­quis­ta“ ihre eth­noplu­ra­lis­tisch be­grün­de­te For­de­rung nach einer Ver­drän­gung des Is­lams aus Eu­ro­pa pro­pa­giert. Die spa­ni­sche und por­tu­gie­si­sche „Re­con­quis­ta“ des Mit­tel­al­ters wird damit zum his­to­ri­schen Vor­bild für eine „Rück­erobe­rung“ Eu­ro­pas im 21. Jahr­hun­dert. ZIET­MANN macht sich diese ver­fas­sungs­feind­li­che Po­si­ti­on hier zu eigen.

Die Ju­gend­or­ga­ni­sa­ti­on des AfD-​Landesverbandes, die „Junge Al­ter­na­ti­ve Sachsen-​Anhalt“, pos­te­te am 21. Juni 2022 den fol­gen­den Bei­trag auf der Platt­form „Twit­ter“ (heute „X“):

Der Be­griff „Re­mi­gra­ti­on“, wie ihn die Neue Rech­te ver­wen­det, be­zieht sich klar auf die ras­sis­ti­sche Ideo­lo­gie des Eth­noplu­ra­lis­mus. Ge­meint ist mit „Re­mi­gra­ti­on“ die mas­sen­haf­te Aus­wei­sung all jener Men­schen, die ent­spre­chend des völkisch-​abstammungsmäßigen Volks­be­griffs nicht als Deut­sche ver­stan­den wer­den.
 

Staats-​ und De­mo­kra­tie­feind­lich­keit

Die AfD Sachsen-​Anhalt strebt die Ab­schaf­fung der par­la­men­ta­ri­schen De­mo­kra­tie in ihrer der­zei­ti­gen Form an und rich­tet sich somit gegen das De­mo­kra­tie­prin­zip aus Art. 20 Abs. 1 GG. Sie ist fort­wäh­rend be­strebt, das de­mo­kra­ti­sche Sys­tem der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land sowie seine In­sti­tu­tio­nen und deren Ver­tre­ter ver­ächt­lich zu ma­chen, um das Ver­trau­en der Be­völ­ke­rung in diese fun­da­men­tal zu ero­die­ren. Ins­be­son­de­re wäh­rend der Corona-​Pandemie haben Funktions-​ und Man­dats­trä­ger des AfD-​Landesverbandes Sachsen-​Anhalt die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land immer wie­der mit au­to­kra­ti­schen oder gar to­ta­li­tä­ren Re­gi­men gleich­ge­setzt.

Auch für diese Ver­su­che, die De­mo­kra­tie in Deutsch­land mit to­ta­li­tä­ren Sys­te­men gleich­zu­set­zen, nut­zen Mandats-​ und Funk­ti­ons­trä­ger der AfD Sachsen-​Anhalt in­ten­siv die so­zia­len Me­di­en. So ver­öf­fent­lich­te der Vor­sit­zen­de der AfD-​Ortsgruppe Mer­se­burg, Da­ni­el WALD (MdL), am 13. Ja­nu­ar 2021 auf Face­book einen Bei­trag in Re­ak­ti­on auf einen Pres­se­bei­trag, der „Son­der­re­geln für Ge­impf­te“ the­ma­ti­siert. WALD kom­men­tiert:

Die le­gi­ti­me, von vie­len Kri­ti­kern der pan­de­mie­be­ding­ten Ein­däm­mungs­maß­nah­men ge­äu­ßer­te Be­fürch­tung, dass man­che die­ser Maß­nah­men ein­zel­ne Grund­rech­te in un­ver­hält­nis­mä­ßi­ger Weise ein­schrän­ken, wird hier weit über­schrit­ten: WALD be­haup­tet, dass in Deutsch­land be­reits eine „to­ta­le Dik­ta­tur“ herr­sche. In ähn­li­cher Weise haben auch an­de­re Funktions-​ und Man­dats­trä­ger die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land wäh­rend der Pan­de­mie als „Corona-​Diktatur“ ver­un­glimpft. Zum Teil wur­den in die­sem Zu­sam­men­hang auch an­ti­se­mi­tisch ge­präg­te Be­grif­fe her­an­ge­zo­gen, z. B. die Ver­schwö­rungs­theo­rie des „Great Reset“, wo­nach eine glo­ba­le Elite die Pan­de­mie in­stru­men­ta­li­siert oder ge­plant habe, um eine von ihr ge­steu­er­te „neue Welt­ord­nung“ zu er­rich­ten. Ein prä­gnan­tes Bei­spiel hier­für ist der fol­gen­de Facebook-​Beitrag des stell­ver­tre­ten­den Vor­sit­zen­den der AfD Sachsen-​Anhalt, Hans-​Thomas TILL­SCHNEI­DER (MdL). Die­ser schrieb im Ok­to­ber 2021:

Indem Ak­teu­re der AfD Sachsen-​Anhalt die de­mo­kra­ti­sche Ord­nung in ihrer Dar­stel­lung zu einer Dik­ta­tur und ele­men­ta­ren Be­dro­hung für Leib und Leben ver­zer­ren, ent­wer­fen sie ein Be­dro­hungs­sze­na­rio, mit dem sie die Ak­zep­tanz für das be­stehen­de de­mo­kra­ti­sche Sys­tem sei­tens ihrer An­hän­ger ge­zielt un­ter­mi­nie­ren. Es be­steht die Ge­fahr, dass letz­te­re zu der Schluss­fol­ge­rung ge­lan­gen, ein ge­walt­frei­er Wi­der­stand könne an­ge­sichts die­ses Be­dro­hungs­sze­na­ri­os keine ra­tio­na­le Op­ti­on mehr sein. Ver­ein­zelt, wie etwa vom AfD-​Kreisverband Wit­ten­berg, ist be­reits un­ver­hoh­len zu einem Mi­li­tär­putsch gegen die deut­sche Re­gie­rung auf­ge­ru­fen wor­den.
 

Ko­ope­ra­ti­on mit rechts­ex­tre­mis­ti­schen Or­ga­ni­sa­tio­nen

Füh­ren­de Ver­tre­ter der AfD Sachsen-​Anhalt sind mit rechts­ex­tre­mis­ti­schen Or­ga­ni­sa­tio­nen ver­netzt, die Be­ob­ach­tungs­ob­jek­te der Ver­fas­sungs­schutz­be­hör­den sind. Be­son­ders enge Ver­bin­dun­gen be­stehen zu rechts­ex­tre­mis­ti­schen Ak­teu­ren in der Neuen Rech­ten, z. B. zum rechts­ex­tre­mis­ti­schen „In­sti­tut für Staats­po­li­tik“ (IfS), zum Ver­ein „Ein Pro­zent e. V.“ und zur IB. Die Ko­ope­ra­ti­on folgt ziel­be­wusst dem neu­rech­ten Kon­zept der „Me­ta­po­li­tik“. Das be­deu­tet, dass sich die AfD in Sachsen-​Anhalt nicht nur mit den In­hal­ten be­sag­ter Or­ga­ni­sa­tio­nen iden­ti­fi­ziert, son­dern sich als ak­ti­ver Teil eines neu­rech­ten Netz­werks be­greift. Bei­spiel­haft lässt sich die Ko­ope­ra­ti­on zwi­schen der AfD Sachsen-​Anhalt und rechts­ex­tre­mis­ti­schen Ak­teu­ren der Neuen Rech­ten an­hand der Ak­ti­vi­tä­ten von zwei füh­ren­den Mandats-​ und Funk­ti­ons­trä­gern der AfD Sachsen-​Anhalt ver­deut­li­chen:

Der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te und Ge­ne­ral­se­kre­tär des AfD-​Landesverbandes Sachsen-​Anhalt, Jan Wen­zel SCHMIDT, ist wie­der­holt als Gast­red­ner bei Ver­an­stal­tun­gen der IB auf­ge­tre­ten. So hat er zum Bei­spiel im No­vem­ber 2021 bei einer IB-​Veranstaltung im iden­ti­tä­ren Haus­pro­jekt „Ca­s­tell Au­ro­ra“ in Ös­ter­reich re­fe­riert. Auf Fotos, die die Ver­an­stal­tung do­ku­men­tie­ren, po­siert SCHMIDT mit einem T-​Shirt von „Ca­s­tell Au­ro­ra“; mit der rech­ten Hand zeigt er das so­ge­nann­te „White Power“-​Zeichen, wel­ches seit Ende der 2010er Jahre ver­mehrt als Er­ken­nungs­zei­chen in­ner­halb der White Supremacy-​Bewegung Ver­wen­dung fin­det.

In den Jah­ren 2022 und 2023 trat SCHMIDT beim „Bun­des­la­ger“ der rechts­ex­tre­mis­ti­schen IB als Gast­red­ner auf. Auf von ihm selbst ver­öf­fent­lich­ten Fotos der Ver­an­stal­tung von 2023 ist er zu sehen, wie er dem Vor­sit­zen­den der IB die Hand schüt­telt. Auf einem Foto des wehr­sport­ar­tig or­ga­ni­sier­ten Tref­fens ist auch Mar­tin SELL­NER als Teil­neh­mer zu sehen.

SCHMIDT hat die IB zudem wie­der­holt mit Geld­spen­den un­ter­stützt. In einem Ar­ti­kel, der in sei­ner Zeit­schrift „Blaue Zu­kunft“ er­schie­nen ist, be­kennt sich SCHMIDT offen zur Ideo­lo­gie der IB. In die­sem Ar­ti­kel schil­dert Schmidt au­ßer­dem, wie er Mit­glie­der der IB mit IT-​Equipment im Nach­gang von Haus­durch­su­chun­gen un­ter­stütz­te.

Der Land­tags­ab­ge­ord­ne­te und stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de der AfD Sachsen-​Anhalt, Hans-​Thomas TILL­SCHNEI­DER, pflegt ein enges Ver­hält­nis zum IfS. So nahm er zum Bei­spiel am 24. und 25. Juli 2021 am „Tag der of­fe­nen Tür“ in Schnell­ro­da teil und po­sier­te auf Fotos von der Ver­an­stal­tung ge­mein­sam mit Götz KU­BIT­SCHEK, einem der Mit­be­grün­der des IfS und dem ver­ant­wort­li­chen Re­dak­teur der IfS-​Zeitschrift „Se­zes­si­on“. Im Rah­men des Som­mer­fes­tes des IfS im Juli 2022 trat TILL­SCHNEI­DER als Red­ner zum Thema „Krieg in der Ukrai­ne“ auf. In sei­nem Re­de­bei­trag ver­harm­los­te und recht­fer­tig­te er die rus­si­schen Kriegs­ver­bre­chen in der Ukrai­ne und ver­brei­te­te an­ti­se­mi­tisch kon­no­tier­te Ver­schwö­rungs­theo­rien. TILL­SCHNEI­DER un­ter­hält zudem gute Kon­tak­te zu dem von Jür­gen EL­SÄS­SER ver­ant­wor­te­ten „COM­PACT“-​Magazin. Im Au­gust 2022 trat er neben an­de­ren Rechts­ex­tre­mis­ten (u.a. Mar­tin SELL­NER) als Red­ner beim „COM­PACT“-​Sommerfest in Stö­ßen (Bur­gen­land­kreis) auf. Im No­vem­ber 2022 nahm er an der „Ami go home“-​Demonstration des „COM­PACT“-​Magazins in Leip­zig teil.
 

Funk­ti­ons­trä­ger mit rechts­ex­tre­mis­ti­schem Vor­lauf

Im AfD-​Landesverband Sachsen-​Anhalt sind Per­so­nen aktiv, die einen ein­deu­ti­gen rechts­ex­tre­mis­ti­schen Vor­lauf auf­wei­sen. Das Spek­trum der rechts­ex­tre­mis­ti­schen Or­ga­ni­sa­tio­nen, in denen die ge­nann­ten Per­so­nen zuvor aktiv waren oder es zum Teil noch sind, reicht ideo­lo­gisch von der Neuen Rech­ten bis hin zum Neo­na­zis­mus.

Ein par­tei­in­tern gel­ten­der Un­ver­ein­bar­keits­be­schluss der AfD, der eine AfD-​Mitgliedschaft für Per­so­nen aus­schlie­ßen soll, die ex­tre­mis­ti­schen Or­ga­ni­sa­tio­nen an­ge­hö­ren, stellt sich in die­sem Zu­sam­men­hang als blo­ßes Lip­pen­be­kennt­nis her­aus.

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