- "Frost Ibex Berlin" ist das erste queere Eishockeyteam Deutschlands
- Der Boom rund um die Eishockey-Serie "Heated Rivalry" hat das Interesse am Sport deutlich gesteigert - und viele zum Mitmachen motiviert
- Ziel: Offener Safe Space sein und Sport für alle zugänglich machen
- Erste Spiele im Winter geplant - langfristig Aufbau eines eigenen Ligateams
Eishockey ist ein schneller, körperlicher und hoch technischer Sport - und dadurch oft wenig zugänglich für Einsteiger. In Berlin entsteht gerade ein Projekt, das genau das ändern will: ein queeres Eishockeyteam, für alle.
"Frost Ibex Berlin" heißt der Verein, den Valentin Gashi gegründet hat: "Wir haben in vielen Sportarten gesehen, dass sich queere Safe Spaces entwickeln - im Eishockey gab es da noch eine Lücke." Genau diese Lücke wollen sie schließen: mit einem Team, das offen ist für alle, die Lust haben, den Sport auszuprobieren - unabhängig von Vorerfahrung, Leistungsniveau, Geschlecht, Herkunft oder sexueller Orientierung.
Idee entstand schon vor "Heated Rivalry"-Hype
Früher verfolgte der 39-Jährige hobbymäßig mit einem Kumpel Spiele der Eishockey-Regionalliga, weil die Eintritte meist kostenlos waren. Irgendwann kam die Frage auf: Warum eigentlich nur zuschauen?
Der Einstieg in den Eishockeysport ist allerdings traditionell früh - viele beginnen bereits im Kindesalter. Für Erwachsene ohne Erfahrung ist der Zugang oft schwierig. Also beschlossen sie Ende 2025, selbst aktiv zu werden. Die ursprüngliche Idee: ein paar Gleichgesinnte finden, gemeinsam trainieren und Erfahrungen sammeln.
Dass daraus so schnell mehr werden würde, war nicht absehbar. Beim ersten Treffen im Januar standen direkt über 20 Interessierte auf dem Eis - eine Nachfrage, die Gründer Valentin durch den Hype um die Eishockey-Serie "Heated Rivalry" erklärt. Die Story der beiden rivalisierenden Eishockeyspieler, die eine geheime Liebesbeziehung führen, hat bei vielen erst das Interesse am Eishockey-Sport geweckt.
Die ersten Schritte auf dem Eis - dann auf dem Feld
Die ersten Trainings fanden auf öffentlichen Eisbahnen statt, um die Grundlagen zu lernen: sicheres Fahren, erste Techniken, ein Gefühl für das Eis. Dabei wurde die Gruppe von Mitgliedern unterstützt, die bereits zehn bis 15 Jahre Erfahrung im Eishockey haben.
Mit dem Ende der Eissaison verlagerte sich das Training Anfang April nach draußen. Auf dem Tempelhofer Feld in Berlin stehen nun Floorhockey und Basics wie Stickhandling, Spielverständnis und Positionierung im Mittelpunkt. "Ein Puck bewegt sich nicht von allein - das muss man lernen", heißt es von Valentin. Die Fortschritte seien deutlich sichtbar, das macht ihn besonders stolz.
Perspektivisch soll das Projekt weiter wachsen. Geplant ist die Integration in den queeren Berliner Sportverein Vorspiel e. V., der sich seit Jahren für queeren Sport engagiert. Damit würden sich auch strukturelle Möglichkeiten verbessern - etwa bei der Vergabe von Eiszeiten. Denn genau das ist aktuell die größte Hürde: Trainingszeiten auf dem Eis sind knapp und müssen beantragt werden. Ob und wie viele Slots das Team bekommt, entscheidet sich erst noch.
Eishockey-Community empfängt Verein mit offenen Armen
Unterstützung gibt es dennoch bereits jetzt - und zwar aus der gesamten Eishockey-Community. Besonders bemerkenswert: Auch Profistrukturen zeigen Interesse. So kam der Kontakt zur EHC Eisbären Foundation zustande, einer Förderinitiative der Eisbären Berlin. Über Social Media haben sie dem Projekt aktiv Unterstützung angeboten. Dabei profitieren die "Frost Ibex Berlin" vor allem vom Netzwerk der Foundation.
"Alle wollen, dass der Sport inklusiver wird und Barrieren abgebaut werden", sagt Valentin. Auch praktisch wird geholfen: Ausrangierte Schläger von anderen Vereinen ermöglichen es den Einsteigern, ohne große Kosten mitzumachen. Denn Eishockey gilt als teure Sportart - eine komplette Ausrüstung kann schnell vierstellige Summen erreichen. Langfristig sind daher solidarische Finanzierungsmodelle, Mitgliedsbeiträge und Sponsoring geplant.
Ein Raum für Alle
Das Team selbst versteht sich als offener, queerer Safe Space. Mitmachen kann grundsätzlich jeder - entscheidend ist eine unterstützende Haltung gegenüber der Community. Aktuell trainieren rund 35 Personen gemeinsam: Menschen zwischen 19 und 46 Jahren, mit ganz unterschiedlichen Hintergründen. Einige haben bereits Erfahrung, andere standen vorher nie auf dem Eis. Für viele ist es der erste positive Zugang zu Sport überhaupt.
Was besonders erfreulich ist: Trotz wachsender Sichtbarkeit hat das Projekt bislang kaum negative Reaktionen erlebt. "Wir wurden überall mit offenen Armen empfangen", berichtet Gründer Valentin. Eine Erfahrung, die im queeren Kontext nicht selbstverständlich ist - und umso mehr motiviert.
Die nächsten Ziele sind klar: weiter trainieren, Grundlagen festigen und im Winter endlich aufs Eis mit eigenen Trainingszeiten. Vielleicht stehen dann auch die ersten Freundschaftsspiele an. Und langfristig? Warum nicht größer denken ist die Devise der Gründer. Ein eigener Ligabetrieb ist zumindest nicht ausgeschlossen. Was in Berlin entsteht, ist mehr als nur ein neues Team. Es ist der Versuch zu zeigen, was Eishockey alles sein kann: zugänglich, vielfältig und gemeinschaftlich.
Sendung: rbb|24, 17.04.2026, 14:20 Uhr
Audio: rbb|24, 17.04.2026, Antonia Kurzhals
3 Kommentare
Was diese Fokussierung und der übertriebene Drang nach Wahrnehmung anrichten kann, zeigt der letzte erschreckende Vorfall an einer Schule in Hessen. ...
Sicher hat der Verein durch den Hype um "Heated Rivalry" einen kräftigen Schub erfahren. Eine gute Entwicklung. Ich wünsche weiterhin nur positive Erfahrungen und viel Erfolg bei den umkämpften Trainingszeiten auf dem Eis :o)
Und nun noch einmal den Text lesen und dabei alle Begriffe aus dem Englischen weglassen.