Sie zählt zu den ältesten wissenschaftlichen Erhebungen, die in Österreich regelmäßig durchgeführt werden und hat mit ihrer repräsentativen Datenlage immer wieder zu politischen Maßnahmen beigetragen: Die Studierendensozialerhebung (Sola) des Instituts für Höhere Studien untersucht seit den 1970er Jahren demografische und soziale Aspekte des Lebens von Studierenden in Österreich. Sie gibt Auskunft über deren finanzielle Situation, wie lange und wie intensiv sie studieren, ihre Wohn- und Arbeitssituation und vieles mehr.
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Die aktuelle Sola, sie basiert auf einer Online-Befragung von 36.000 Studierenden im Sommersemester 2025, präsentierte Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) am Dienstag mit IHS-Projektleiterin Anna Dibiasi und ÖH-Vorsitzender Selina Wienerroither an einem dafür passenden Ort: Im „Haus Panorama“ des Schärf-Studierendenwohnheims in Wien-Brigittenau gab man bereits den Hinweis darauf, was die zentralen Erkenntnisse der Studien sein würden. Das Thema Wohnen ist bis heute eines der wichtigsten im Leben von Studierenden. Vor allem deshalb, weil es eine enorme finanzielle Belastung für viele bedeutet. Im Schärf-Heim wohnen rund 1700 Personen. Es ist damit der größte Wohnheim-Komplex Österreichs.
Weiblich, alt, in eigenem Haushalt
Prinzipiell hat sich im Vergleich zur letzten Erhebung 2023 an der Lage der aktuell 312.821 Studierenden nur wenig verändert. Sie sind vergleichsweise alt (im Durchschnitt 27,2 Jahre), ein Fünftel ist gar älter als 30 Jahre. Das liege, wie IHS-Projektleiterin Dibiasi ausführte, auch am hohen Anteil an Studierenden (24 Prozent), die im zweiten Bildungsweg und/oder berufsbegleitend studieren.
Konstant ist der Überhang an Frauen (56 Prozent), wobei der Anteil in den einzelnen Studiengängen enorm variiert. So sind es an Pädagogischen Hochschulen 82 Prozent, bei Fächern der Informatik hingegen nur 23 Prozent. Der Großteil der Studierenden stammt aus dem Inland, wobei der Anteil der ausländischen Studierenden (27 Prozent) stetig wächst. 55 Prozent sind „first generations“, haben also keine Eltern mit Hochschulabschluss. Traditionell hoch ist stets die Erwerbsquote: 24 Prozent arbeiten nebenher.
Ihre finanzielle Situation ist dafür oft auschlaggebend. 25 Prozent geben an, dass sie finanzielle Schwierigkeiten haben. Das ist etwas weniger als im Jahr 2023 (29 Prozent). Dabei gilt: je älter, desto eher hat man Schwierigkeiten. Denn ab einem gewissen Alter fallen finanzielle Unterstützung durch das Elternhaus bzw. die Familienbeihilfe oftmals weg. Die wichtigste Einnahmequelle für das monatliche Gesamtbudget ist deshalb die Erwerbsarbeit (47 Prozent).
Wohnheim teurer als WG
Wohnen ist und bleibt das große Finanz-Thema im Studentenleben. Im Schnitt geben Studierende 586 Euro monatlich für Wohnen aus, das entspricht 38 Prozent ihres vorhandenen Budgets, das im Schnitt 1662 Euro pro Monat beträgt. Auffallend ist der Umstand, dass Wohnheime (501 Euro) in der neusten Erhebung im Schnitt höhere Kosten verursachen als Wohngemeinschaften (498 Euro). Das sei erstmals der Fall, berichtete IHS-Forscherin Dibiasi. Die Wohnheimkosten stiegen auch am steilsten an: seit 2015 um 61 Prozent. Die größten Preissteigerungen gibt es an kleineren Standorten wie Leoben (plus 71 Prozent) oder Klagenfurt (plus 66 Prozent). Insgesamt am teuersten ist mit durchschnittlich 596 Euro pro Monat das Wohnheim in Wien. Insgesamt wohnt die Hälfte der Studierenden in einem eigenen Haushalt oder mit dem Partner zusammen.
Der hohe Anteil der Wohnkosten am Gesamtbudget sei ein „Alarmsignal“, betonte Holzleitner. Denn der von der EU definierte Grenzwert für Armutsgefährdung liegt bei einem Wohnkostenanteil von 40 Prozent. Tatsächlich müssten Studierende oft einen „Teufelskreis“ bewältigen, führte Dibiasi aus. Je mehr Zeit sie ins Studium investieren, desto weniger Geld können sie mit Erwerbstätigkeit verdienen. Umgekehrt dauert das Studium länger, wenn mehr Zeit in den Job investiert wird.
Fünf-Euro-Menü in der Mensa
Beim Medientermin im Schärf-Wohnheim, wo die Miete bei rund 350 Euro und damit deutlich unter dem Schnitt liege, wie die Heimleitung betonte, sprach die ÖH-Vorsitzende Selina Wienerroither von einem Beweis dafür, „dass es an allen Ecken und Enden brennt“, betonte ÖH-Vorsitzende Selina Wienerroither. Deshalb sei man froh über die im Regierungsprogramm paktierte Wiedereinführung der 2010 abgeschafften Studierendenwohnheimförderung. Sie sei gerade Teil der laufenden Budgetverhandlungen, sagte Holzleitner auf Nachfrage, wie hoch sie denn ausfallen solle. „Auch mit einem leeren Magen lernt es sich schlecht“, sagte Holzleitner, die mit der ÖH auch Maßnahmen für kostengünstigeres Essen in der Mensa plant: Ab Herbst sollen die ersten Standorte mit einem „Fünf-Euro-Menü“ starten.