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Die Polizei trägt einen Käfig in den Polizei·wagen. In diesem Käfig ist ein Wolf.
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Wolf beißt Frau in Altona - Polizei fängt ihn am Jungfernstieg ein

Stand: 31.03.2026 15:56 Uhr

Die Polizei hat am Montagabend in der Hamburger Innenstadt einen Wolf eingefangen. Er hatte zuvor eine Frau in Altona angefallen. Es ist der erste Angriff von einem Wolf auf einen Menschen in Deutschland seit der Wiederansiedlung 1998. Das bestätigte die Umweltbehörde.

Die Frau wurde laut Polizei an der Einkaufsmeile Große Bergstraße angegriffen und gebissen. Demnach hatte sie wohl versucht, das verwirrte Tier, das immer wieder gegen eine Glasscheibe lief, aus der Einkaufsmeile zu führen. Dabei wurde sie ins Gesicht gebissen. Sanitäter versorgten sie und brachten sie in ein Krankenhaus. Die Wunde musste genäht werden - anschließend konnte die Frau das Krankenhaus wieder verlassen.

Frau dachte, "es wäre ein Hund"

Beobachtet wurde die Situation vom Musicaldarsteller Lionel von Lawrence-Oehlen, der mit seiner zweijährigen Tochter einkaufen war. "Wir kamen aus dem Supermarkt und dann habe ich gehört, wie eine Frau gefallen ist. Dann sah ich dieses Riesentier und dachte erst, es wäre ein Hund. Als ich dann das Blut gesehen habe und wie groß dieses Riesentier war, dachte ich: Das ist ein Wolf". Er gab der Frau ein Taschentuch für die Wunde im Gesicht. Sie sei ansprechbar gewesen. "Wie sie es mir erklärt hat, wollte sie den vermeintlichen Hund nach draußen führen. Der war so verängstigt, dass er einfach nur zugeschnappt hat. Er wollte einfach nur raus und ist mit Wucht gegen die Glasscheibe gerannt, bis sie sich selbst geöffnet hat."

Burchardkai bei Nacht

Augenzeuge berichtet von Wolfsangriff auf Frau

Erster Wolfsangriff seit erneuter Ansiedelung

Behördenangaben zufolge ist damit in Deutschland erstmals ein Mensch von einem Wolf angegriffen worden, seit sich dieser wieder in Deutschland ausgebreitet hat. "Es gab noch keinen solchen Fall seit der Wiederansiedlung 1998", sagt eine Sprecherin des Bundesamts für Naturschutz der Deutschen Presse-Agentur.

Klaus Hackländer, Wolfs-Experte der Deutschen Wildtierstiftung, sagt dazu: "Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Wolf in eine Siedlung oder sogar in eine Stadt geht, ist groß aufgrund der hohen Anzahl an Wölfen, die wir mittlerweile haben."

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Katharina Fegebank, Zweite Bürgermeisterin und Umweltsenatorin, spricht bei einer Presskonferenz.
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Video: Umweltsenatorin Fegebank über den Hamburger Wolf (32 Min)

Wolf schwamm in der Binnenalster

Nach dem Vorfall mit der verletzten Frau wurde der Wolf auf St. Pauli, an der Feldstraße und an den Messehallen gesichtet. Polizisten und Polizistinnen konnten ihn dann in der Binnenalster schwimmend entdecken. Mit einer Schlinge zogen sie ihn aus der Alster.

Direkt in der Baustelle des ehemaligen Lokals "Alex" setzte sich das Tier zunächst noch zur Wehr, weitere Polizisten und Polizistinnen mit Schilden hielten es über eine Stunde in Schach.

Wolf soll wieder in die Natur entlassen werden

Der Abteilungsleiter für Stadtjäger vom Bezirksamt Altona übernahm den Wolf dann gemeinsam mit einem Tierarzt. Dem Tier gehe es gut. Es sei aufgeregt und müsse nun erst mal zur Ruhe kommen, sagte er dem NDR vor Ort.

Experten haben den Wolf noch am Abend mit einem Wildtiertransporter in den Wildpark Klövensteen gebracht. Das Tier soll zu einem späteren Zeitpunkt wieder ausgesetzt werden. Wann das passiert und wo genau, ist allerdings noch unbekannt. "Der Wolf hat gerade richtig die Hosen voll und Stress. Wir empfehlen den Wolf in ein dünn besiedeltes Gebiet zu bringen", sagt Christian Erdmann vom Wildtier- und Artenschutzzentrum. "Vorausgesetzt der Tierarzt hat den Gesundheitszustand des Tieres für gut befunden."

Am Wochenende zuerst im Hamburger Westen gesichtet

Das Tier war zuerst am Sonnabend im Hamburger Westen gesichtet worden. Tierpflegerin Josefine Hartung arbeitet im Wildpark Schwarze Berge im Süden von Hamburg. Sie vermutet, dass der Wolf sein Rudel verlassen musste: "Wahrscheinlich musste er sich ein neues Revier suchen", sagt Hartung. Nirgendwo gibt es so viele Wölfe von der Dichte her wie in Niedersachsen. "Diese Wölfe gehen tatsächlich oft die Elbe hoch." Laut Umweltbehörde gab es in Hamburg seit 2013 insgesamt 21 bestätigte Wolfsnachweise. Zuletzt wurde Mitte März ein verendeter Wolf auf der Autobahn 25 in Höhe der Auffahrt Curslack nach einem Wildunfall aufgefunden.

Rund 150 Jahre lang galt der Wolf in Deutschland als ausgerottet. Erst nach dem Mauerfall kamen mehrere Tiere über Polen nach Deutschland zurück. Mittlerweile streifen Wölfe durch die Wälder zahlreicher Bundesländer.

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Waldstück im Hamburger Westen
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Video: Wolf im Hamburger Westen gesichtet (3 Min)

Ein Wolf blickt nach links.

Der Bundestag hatte die Aufnahme ins Jagdrecht bereits beschlossen. Der Umgang mit dem Wolf ändert sich damit grundsätzlich.

Ausschnitt eines Privatvideos: Ein Wolf läuft über eine Straße. (Quelle: Facebook)

Am Elbdeich bei Fliegenberg und im Hamburg-Rönneburg sind in den vergangenen Tagen Wölfe mit dem Handy gefilmt worden.

Totes Schaf auf einer Weide

Ein Landwirt im Hamburger Süden fand die beiden Schafe morgens auf der Weide - das eine tot, das andere musste eingeschläfert werden.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 31.03.2026 | 12:45 Uhr

Prozess gegen Klimaaktivisten in Hamburg.

Im Juli 2023 hatten Klima-Aktivisten den Flugverkehr lahmgelegt. Ein 21-Jähriger musste sich dafür vor dem Amtsgericht verantworten.

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"Die Alternativen funktionieren nicht": Der Wolf, der in Hamburg eine Frau verletzt hat, wurde wieder freigelassen. Er trägt jetzt einen GPS-Sender.

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Das zeigen aktuelle Zahlen des Instituts für Hygiene und Umwelt. Die Droge, die mit Abstand am häufigsten im Hamburger Abwasser nachgewiesen wird, bleibt Kokain.

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Theater, Hörfunk, Fernsehen, Literatur: Es gibt kaum einen Bereich der plattdeutschen Kultur, in dem er nicht seine Spuren hinterlassen hat.