Goldgelber Sandstein, ein kleeblattförmiger Grundriss, scharfe Kanten und Falten entlang der 150 Meter hohen Fassade, der Baukörper in mehrere Blöcke geteilt und in sich verdreht. Mit anderen Worten: Der Siegerentwurf für den Hines-Tower am Alexanderplatz zeigte typischen Dekonstruktivismus à la Frank Gehry.
Frei von rechten Winkeln und Symmetrie. Stattdessen das dynamische Chaos, für das der mittlerweile verstorbene Star-Architekt berühmt war. Seine Kritiker sagten hingegen oft: berüchtigt. Denn insbesondere für Innenarchitekten sind Gehrys schwungvolle Linien eine enorme Herausforderung bei der Gestaltung praktikabler Räume.
Der US-Amerikaner plante Wohnhäuser eher als Statements im Stadtbild und scherte sich weniger um Rendite-optimierte Grundrisse. Spektakulär für die einen, Bling-Bling-Spektakel für die anderen.
Weder der Erste, noch wie geplant
Umso verblüffter war die Hauptstadtpresse im Januar 2014: Der US-Immobilienentwickler Hines und das Berliner Baukollegium präsentierten Gehrys Vision als Siegerentwurf eines Architektenwettbewerbs für das erste neue Hochhaus am Alexanderplatz nach der Wiedervereinigung.
Zwölf Jahre später steht fest: Der Turm wird weder der erste am Platz sein – noch aussehen, wie einst präsentiert. "Eine abschließende Festlegung zur konkreten architektonischen Ausgestaltung ist […] zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht getroffen", teilt eine PR-Agentur im Auftrag von Hines auf Anfrage von rbb|24 schriftlich mit. "Aktuell können wir keine Visualisierungen zur Verfügung stellen."
Auch von den überarbeiteten Entwürfen des Gehry-Teams und zwei weiterer Architektenbüros, die vor einigen Jahren präsentiert worden waren, wurden keine Bilder zur Verfügung gestellt. Auch sie sind offenbar mittlerweile obsolet. "Der zugrunde liegende Wettbewerbsprozess wird im weiteren Verfahren gemeinsam mit den zuständigen Gremien weitergeführt", hieß es.
Vergangene Woche hat das Beteiligungsverfahren für das Großprojekt begonnen. Bis Ende April kann die Öffentlichkeit die Pläne bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen einsehen und kommentieren [be.beteiligung.dieplanung.de]. "Sofern sich daraus Anpassungsbedarf ergibt, wird dieser in der weiteren Ausarbeitung berücksichtigt", so die PR-Vertretung von Hines.
Ursprünglicher Bebauungsplan nicht mehr umsetzbar
Dieser Schritt ist notwendig, um die planungsrechtlichen Voraussetzungen für das Hochhaus zu schaffen. Konkret geht es darum, den Bebauungsplan für das Grundstück zu ändern. Ursprünglich sollte der Turm weiter südlich an der Alexanderstraße entstehen, direkt gegenüber vom Haus des Lehrers, und an drei Seiten von einem Sockelbau umgeben sein.
Doch dieser Plan, der Mitte der Neunziger gefasst worden war, kann heute nicht mehr umgesetzt werden. Denn Hines hat auf dem südlichen Teil des Grundstücks ab 2007 ein Kaufhaus errichtet. Nach der Fertigstellung zwei Jahre später verkaufte der US-Immobilienkonzern das Gebäude. Beides folgenschwere Entscheidungen, die nun einen neuen Bebauungsplan erfordern.
Denn frei blieb eine trapezförmige, lediglich 1.400 Quadratmeter fassende Fläche am nördlichen Ende des Grundstücks – in unmittelbarer Nähe der Tunnelröhren, durch die die U5 fährt.
Hines muss U-Bahnröhren absichern
Die BVG sperrte sich gegen den Bau aus Sorge, dass die U-Bahntunnel beschädigt werden könnten. Hines lässt dazu mitteilen, dass in enger Abstimmung mit den Verkehrsbetrieben über mehrere Jahre umfangreiche Untersuchungen und Planungen durchgeführt worden seien. "Es wurden technische Lösungen entwickelt, die sowohl die Entwicklung des Projekts als auch den sicheren Betrieb der U-Bahn dauerhaft gewährleisten", hieß es.
Wie genau diese Lösung aussehen wird, blieb offen. Dass Hines dafür bezahlen wird, hat sich die BVG schon vor einigen Jahre garantieren lassen. In der Zwischenzeit konnte der Immobilienentwickler verfolgen, wie der märkische Sand unter dem Alexanderplatz reagiert, wenn ein Zehntausende Tonnen schweres Hochhaus hineingesetzt wird.
Die geplante Gebäudehöhe von rund 150 Metern bleibt bestehen
«Im Januar vor drei Jahren sackte eine Röhre der U2 ein paar Zentimeter ab, als nebenan die Baugrube für den Covivio-Turm ausgehoben wurde. Mehrere Monate gab es auf der Strecke Einschränkungen. Der französische Covivio-Konzern stabilisierte den Tunnel, indem er mit Zement unterspritzt wurde. Seither verlaufen die Bauarbeiten reibungslos und planmäßig.
Zeitplan offen, genaue Nutzung ebenso
Was den Zeitplan angeht, hält sich Hines ebenso bedeckt. Alles hänge maßgeblich vom Fortschritt des Bebauungsplanverfahrens ab, hieß es. Nach der Öffentlichkeit werden sich demnach auch der Senat und das Abgeordnetenhaus noch mit dem Projekt beschäftigen.
Offen scheint ebenso, was der Turm genau beinhalten wird. Ursprünglich sollte im unteren Drittel ein Hotel Platz finden, darüber waren hochpreisige Wohnungen bis unters Dach geplant. Im neuen Bebauungsplan ist von "Einzelhandelsbetrieben" bis zu einer Höhe von 29,7 Meter die Rede und darüber "mindestens 2.400 m² Geschossfläche für Wohnungen".
Wobei bis zu 38.000 Quadratmeter für Wohnungen möglich wären. Insgesamt darf der Turm eine Bruttogeschossfläche von 49.625 Quadratmetern haben.
Fest steht: "Die geplante Gebäudehöhe von rund 150 Metern bleibt bestehen und ist auch im aktuellen Bebauungsplanentwurf entsprechend vorgesehen." Inklusive Technikgeschosse und Sicherheitsaufbauten darf der Turm laut Bebauungsplan sogar bis zu 156 Meter hoch werden.
Ein Beitrag von Oliver Noffke.
Sendung: rbb|24, 30.03.2026, 14:27 Uhr
Audio: rbb|24, 30.03.2026, Sebastian Hampf
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53 Kommentare
Was ich gern gewusst hätte, kann im Falle eines großen Brandes in den oberen Stockwerken die Feuerwehr in dieser Höhe ihre Arbeit überhaupt ausführen? Welche Möglichkeiten gibt es sonst alternativ? Sind die Kräne der Feuerwehr so hoch, dass es gelingt? Kommen Hubschrauber zum Einsatz um zu Löschen?
Ich weiß nicht, ein Starentwurf, der den Untergrund nicht mitdenkt? Die ganze Planung ist sowieso unmöglich. Der Fernsehturm selbst & ganze Sichtachsen werden durch die zusätzliche Hochhausbebauung beeinträchtigt. Ein anderer Standort hätte es auch getan. Der Alexanderplatz braucht Leben, keine seelenlosen Gebäudekomplexe. Aber so ist das, wenn ortsfremde Leute sich um die Berliner Stadtentwicklung kümmern.
Das Gesamtbild wird meines Erachtens deutlich und für ewig lange verschlimmbesserr :-(