Stefan Axel Boes
Das Prinzip der schnellen Schwerpunktbildung durch luftbewegliche Operationen bleibt trotz der Bedrohung durch moderne Flugabwehrsysteme wichtig. Nicht nur zum schnellen Heranführen von Reserven, sondern auch zur unmittelbaren Luftnahunterstützung am vorderen Rand der Verteidigung. Etwa durch Kampfhubschrauber, die dafür im Tiefstflug die Deckung des Geländes nutzen.
Dabei demonstriert der Ukraine-Krieg natürlich auch den Paradigmenwechsel zum zunehmenden Einsatz von Drohnen für Aufklärungs- und Angriffszwecke im bisherigen bodennahen Lebensraum des bemannten Drehflüglers. Da sich allerdings auch die Fähigkeiten zur Drohnenabwehr rasant entwickeln, bleiben bemannte Plattformen als Rückgrat im Verbund mit Drohnen Teil der Planungen. Tatsächlich hat die NATO im vergangenen Jahr im Rahmen ihres neuen „Force Model“ die geforderte Zahl von Hubschrauberverbänden im Bündnis von 90 auf 104 erhöht.
Als „Verband“ gilt dabei ein Bataillon amerikanischen Typs mit zwei bis drei Dutzend Maschinen, die in Brigaden mit Kampf- und Transporthubschraubern organisiert sind. Diese Struktur gab es bislang in der Bundeswehr mit ihren Hubschrauberregimentern und -geschwadern von jeweils etwa 40 Maschinen nicht. Mit der Aufstellung einer operativen „Aviation Brigade“ durch das Kommando Hubschrauber des Heeres im Verbund mit der Luftwaffe in diesem Jahr ist eine entsprechende Entwicklung jedoch absehbar.
Seit dem 1. Januar 2025 stellt die Bundeswehr mit der Aviation Brigade NATO Force Model 2025-2027 einen rund 2.500 Soldatinnen und Soldaten starken Großverband, in dem Hubschrauberkräfte des Heeres und der Luftwaffe für einen Einsatz im Rahmen der NATO-Bündnisverteidigung gebündelt sind. Darin werden alle Drehflügler von Heer und Luftwaffe zusammengefasst. Ausgenommen ist nur die „Weiße Flotte“ der Flugbereitschaft. Die Luftwaffe bringt ihre Sikorsky CH-53 Transporthubschrauber des Hubschraubergeschwaders 64 ein. Vom Heer kommen die Transporthubschrauber NH90 und Kampfhubschrauber Tiger.
Nach Einführung 2027 werden die bestellten Boeing CH-47 Chinook Transporthubschrauber die CH-53 ersetzen. Die „Aviation Brigade NATO Force Model“ folgt auf den deutschen Beitrag zur Aviation Task Force der NATO Response Force (NRF), den die Heeresfliegertruppe bis Mitte 2024 stellte. Laut Heer wird sie darauf ausgerichtet, ein NATO-Korps im hochintensiven Gefecht mit den Fähigkeiten Kampf, allgemeiner und Verwundetentransport durchhaltefähig zu unterstützen. Dazu wird sie die Division 2025 (von der 10. Panzerdivision gestellt) für die NATO unterstützen.
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