Identische Bauteilschwäche wie bei 7590
Besitzer einer FritzBox 6890 LTE sehen sich aktuell mit einem beunruhigenden Déjà-vu konfrontiert. Nachdem bereits die systematischen WLAN-Ausfälle beim populären Modell 7590 auf unterdimensionierte Kondensatoren zurückgeführt werden konnten, hat der Berliner Hersteller Fritz offenbar auch bei seinem LTE-Router dieselben ungeeigneten Bauteile verwendet.Im Kern des Problems steht eine spezifische Bootstrap-Schaltung, die für die Spannungsversorgung essenzieller Komponenten auf der Platine verantwortlich ist. Technische Analysen zeigen, dass ein winziger Keramikkondensator in dieser Schaltung mit einer Kapazität von lediglich einem Nanofarad bestückt wurde. Das Datenblatt des an dieser Stelle verbauten Spannungswandlers vom Typ MP1477 empfiehlt jedoch deutlich höhere Werte im Bereich von 100 Nanofarad. Die Folge dieser massiven Unterdimensionierung sind Spannungsspitzen, die weit über das verträgliche Maß hinausgehen.
Nutzer bestätigen Totalausfälle
Wie Heise jetzt unter Berufung auf eigene Recherchen und Community-Analysen berichtet, sind die Auswirkungen bei der FritzBox 6890 LTE noch gravierender als beim Schwestermodell ohne Mobilfunk. Während bei der FritzBox 7590 im Fehlerfall meist "nur" das 2,4-GHz-WLAN ausfällt und der Router ansonsten funktionstüchtig bleibt, führt der Defekt bei der 6890 LTE häufig zum Totalausfall.Da das LTE-Modem direkt von der betroffenen Spannungsschiene versorgt wird, führt die Instabilität oder der Kurzschluss hier dazu, dass der Router in einer ständigen Boot-Schleife festhängt und nicht mehr startet. Bei der FritzBox 7590 umschifft FritzOS 8 den Wandlerausfall. Auf der 6890 steht diese Version der Firmware aber bis heute nicht zur Verfügung.
Fehler wohl behoben
Ein Blick auf die technischen Hintergründe offenbart eine tragische Trivialität. Denn der Preisunterschied zwischen dem verbauten 1-Nanofarad-Kondensator und der korrekten 100-Nanofarad-Variante bewegt sich im Bereich von Bruchteilen eines Cents. Experten vermuten daher, dass es sich nicht um eine absichtliche Maßnahme zur Kosteneinsparung handelt. Eher könnte bei der Übernahme des Schaltungsdesigns von einem Referenzlayout ein Fehler beim Lesen der Dokumentation unterlaufen sein.Der MP1477-Wandler toleriert die falsche Bestückung zwar über einen gewissen Zeitraum, doch die ständige thermische und elektrische Belastung führt über die Jahre zur Ermüdung des Materials. Das erklärt, warum die Ausfälle fast synchron nach Ablauf der typischen Garantiedauer von fünf Jahren auftreten.
Bei dieser FritzBox 6890 LTE ist der obere Kondensator durchgebrannt (Bild: Melissa Ramson / Heise Medien)
Reparatur nur für Profis möglich
Ein Vorzeichen für den drohenden Ausfall bei einer älteren Box kann ein hochfrequentes Pfeifen oder Fiepen sein, das aus dem Gehäuse kommt. Dieses Geräusch entsteht durch die unsaubere Schwingung der Spulen im Spannungswandler, wenn die Regelung aufgrund der defekten Kapazitäten aus dem Takt gerät. Wer dieses Geräusch bei seiner FritzBox 6890 LTE wahrnimmt, sollte dringend ein Backup der Konfiguration erstellen. Fritz tauscht Geräte innerhalb der fünfjährigen Garantie in der Regel kulant aus, doch nach Ablauf dieser Frist bleiben Besitzer oft auf dem Elektroschrott sitzen.Besitzt ihr eine FritzBox 6890 LTE und habt ähnliche Symptome oder gar Ausfälle beobachtet? Wir würden uns freuen, wenn ihr eure Erfahrungen und eventuelle Lösungsansätze in den Kommentaren mit der Community teilt.