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Ab Donnerstag im Kino

Die DomCom "Pillion" ist definitiv der schwule Film des Jahres

Der Kinostart des SM-Films "Pillion" wird seit Monaten mit Spannung erwartet. Zurecht, denn so massentauglich, aufrichtig und zugleich lustig wie in der Liebes-Tragikomödie hat man eine schwule Fetischbeziehung noch nie gesehen.


Schwuler SM ist im Mainstream angekommen: Harry Melling (l.) und Alexander Skarsgård als Colin und Ray in "Pillion" (Bild: Chris Harris)

Mach die Tür zu. Du schläfst auf dem Boden. Kauf dir einen Butt-Plug, du bist zu eng. Ray spricht im Befehlston mit Colin. Wenn Colin etwas fragt, wird er ignoriert. Sobald Ray ihm eine Einkaufliste schickt, geht er los, selbst an seinem eigenen Geburtstag. Ray macht die Regeln. Und Colin gefällt das.

Der schüchterne Colin lebt zurückgezogen bei seinen Eltern. Er verteilt Knöllchen in einem Parkhaus, wofür er regelmäßig Beleidigungen erntet. In einem Pub mit ein paar anderen a cappella zu singen, scheint seine einzige Freude zu sein. Bis er in diesem Pub Ray trifft.

Stiefellecken beim ersten Date

Der blasse Mann mit dem Mittelscheitel und dem unschuldigen Hundeblick kann es gar nicht fassen, dass dieser groß gewachsene Kerl in Lederkombi ihn eines Blickes würdigt. Und sich auch noch am nächsten Tag – an Weihnachten – mit ihm treffen will. Nur so viel: Ein klassisches Date wird es nicht. Und dass es Colin gefällt, jemandem die Lederstiefel zu lecken, wusste er vorher wohl auch nicht.

Die zwei ungleichen Männer treffen sich häufiger. Colin kocht für Ray, er putzt, er darf nur vor dem Bett schlafen. Die zwei küssen sich nie, auch sonst tauschen sie keine Zärtlichkeiten aus. Doch es gibt Zuneigung zwischen ihnen, sie zeigen sie nur anders.

Colin trägt jetzt eine dicke Eisenkette mit Schloss


(Bild: Poster zum Film: "Pillion" startet am 26. März 2026 bundesweit im Kino)

Ray – dessen Name wohl nicht zufällig an die romanischen Wörter für König erinnert – lässt Colin ihm dienen. Das erfüllt ihn, und er geht anders, selbstbewusster durchs Leben. Plötzlich wird er gesehen, er ist wer. Er lächelt sogar auf der Arbeit. Und auch optisch verändert sich Colin, seit er Ray trifft: Er soll sich die Haare schneiden und trägt eine dicke Eisenkette mit Schloss um den Hals.

Es wäre mehr als leicht, diese unkonventionelle Beziehung in einer Komödie billig auszuschlachten und sie lächerlich zu machen. Über Schwule lässt sich ohnehin leicht lachen, und wenn sie dann auch noch – aus Mehrheitsperspektive – in einer so befremdlichen Dynamik leben, umso lustiger.

Der Film lacht nicht über die Form der Beziehung

Doch genau das tut der schwule Regisseur Harry Lighton in seinem Spielfilmdebüt nicht. Sein Drehbuch, das auf dem Roman "Box Hill"1 von Adam Mars-Jones basiert, behandelt die zwei Figuren aufrichtig. "Pillion" nimmt die SM-Beziehung zwischen Ray und Colin ernst, beleuchtet sie vielschichtig und zeigt sie in ihrer Komplexität. Vor allem aber lacht der Film nicht über den schwulen Sex oder Rays Biker-Crew an sich, sondern findet einen urkomischen Humor in Situationen und Figuren.

Natürlich ist es lustig, wenn der unbeholfene Colin versucht, mehrere Pakete die Treppe hoch zu balancieren und dabei bloß nichts fallen zu lassen, weil sein Dom das im Wohnzimmer hören würde. Aber es ist eben nicht seine Homosexualität oder seine Vorliebe dafür, sich Ray hinzugeben, die zum Lachen bringen soll.

Colins nervöses Lachen

Genauso lustig sind Colins Eltern: Sie unterstützen ihren Sohn, wo es nur geht – vielleicht ein bisschen zu viel. Auch sie sind überrascht, als sie den Biker Ray das erste Mal sehen. So einen hätten sie ihrem Sohn wohl selbst nicht zugetraut. Und als sie Ray besorgt und beeindruckt fragen, ob er denn auch einen Helm für Colin habe – köstlich.

Dass das gelingt, ist nicht zuletzt eine hervorragende Ensemble-Leistung: Lesley Sharp und Douglas Hodge überzeugen in Nebenrollen als Colins Eltern. Harry Melling, der kaum wiederzuerkennende Dudley Dursley aus den ersten fünf "Harry Potter"-Filmen, brilliert als Colin mit seinem schüchternen Gang und dem nervösen Lachen aus Unsicherheit.

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"Pillion" schafft ein eigenes Genre

Und Alexander Skarsgård ist nicht nur mit seinen 1,94 Metern und dem definierten Bizeps eine ideale Besetzung. Auch sein Spiel zwischen strengen Blicken und einer herausragenden Schlussszene lässt erahnen, dass hinter Ray deutlich mehr steckt als ein Mann, der den Befehlston mag. Für Regisseur Harry Lighton war es "überraschend unkompliziert", einen der begehrtesten europäischen Schauspieler für diese Rolle zu gewinnen, verriet er im queer.de-Interview3.

Mit dieser Mischung begründet "Pillion" – die deutsche Übersetzung "Sozius" für den Motorrad-Beifahrer klingt allzu bieder – gleich ein ganz neues Genre: Die DomCom – weil sich der Film klassischer Formeln der romantischen Komödie bedient, aber eben mit SM-Fetischsex auflädt. Der wird zwar für einen Mainstreamfilm in einigen Szenen vergleichsweise explizit gezeigt, in Deutschland und fast allen österreichischen Bundesländern ist der Film dennoch ab 16 freigegeben.

Alexander Skarsgård ist ein Hingucker auf den roten Teppichen

Ein Mainstream-Publikum hat womöglich noch nie vier devote Männer gesehen, die bei einem Zeltlager im Wald nackt mit dem Bauch auf Tischen liegen, die Füße auf dem Boden, – und nur darauf warten, dass sich die Doms an ihnen bedienen.

Ist das subversiv? "Pillion" ist sicher weit davon entfernt, so transgressiv wie "No Skin Off My Ass"4 (1990) von Bruce LaBruce zu sein, auch wenn sich die Handlungen ähneln. "Pillion" ist von der Machart eher ein konventioneller Mainstream-Film. Das zeigt auch die enorme PR-Maschinerie, die rund um den Film und seine Premierenfeiern läuft: Darsteller Alexander Skarsgård ist in seinen sexy Outfits aber auch ein Hingucker auf den roten Teppichen.

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Die eigenen Vorstellungen von Beziehung erweitern

Muss das subversiv sein? Schwuler SM ist im Mainstream angekommen, nachdem das mit "Fifty Shades of Grey" vor zehn Jahren schon bei Heteros geschehen ist, nur ganz und gar furchtbar. Massentauglich zu sein ist – wenn es so passiert wie hier – eine gute Nachricht, weil es Normen aufbricht und Konventionen in Frage stellt.

Wer keine Berührungspunkte zu diesen Themen hatte, wird eine authentisch-komplexe, liebevolle und unverkrampfte Geschichte sehen – und die eigenen Vorstellungen von Beziehungen erweitern. Und wer tief in der Szene verankert ist, wird sich identifizieren können mit den Figuren und ihren Schwierigkeiten.

Denn so unterhaltsam "Pillion" auch ist, so relevant ist der Film auch über seine Repräsentation hinaus, und zwar für alle: Die DomCom von Harry Lighton betont, wie wichtig es ist, in einer Beziehung miteinander zu kommunizieren – nicht nur im Imperativ.

Infos zum Film

Pillion. Tragikomödie. Großbritannien 2025. Regie: Harry Lighton. Cast: Alexander Skarsgård, Harry Melling, Douglas Hodge, Lesley Sharp. Laufzeit: 107 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 16. Verleih: Weltkino. Kinostart: 26. März 2026
Galerie:
Pillion8
26 Bilder
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