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Umfrage
Deutsche sind offen gegenüber Homosexuellen, haben aber Probleme mit nichtbinären Menschen
Gut 30 Jahre nach der Abschaffung des Paragrafen 175 sind die Deutschen warm geworden mit Schwulen und Lesben. Bei geschlechtlichen Minderheiten ist die Akzeptanz aber noch ausbaufähig.
Nichtbinäre Menschen haben es in Deutschland noch schwer (Bild: ChatGPT)
- 7. März 2026, 11:16h 3 Min.
Eine umfangreiche Umfrage zur Akzeptanz von queeren Menschen in Deutschland kommt zu dem Ergebnis, dass Homo- und Bisexuelle gesellschaftlich weitgehend akzeptiert werden. Gegenüber trans und nichtbinären Menschen existieren aber noch immer viele Vorbehalte.
Die Umfrage unter 1.000 Menschen des anerkannten Marktforschungsinstituts Pollfish im Auftrag des Erotikportals Erobella1 zeigt, dass 75 Prozent der Befragten die gleichgeschlechtliche Ehe befürworten. 72 Prozent würden einen homosexuellen Kanzler oder eine homosexuelle Kanzlerin akzeptieren.
Bei geschlechtlichen Minderheiten halten sich aber noch Vorurteile: Nur 32 Prozent finden demnach etwa die offizielle Anerkennung des dritten Geschlechts richtig. Hintergrund ist, dass das Bundesverfassungsgericht 2017 geurteilt hatte, dass inter Menschen ein Recht auf Anerkennung eines dritten Geschlechts haben (queer.de berichtete2). Mit dem im November 2024 in Kraft getretenen Selbstbestimmungsgesetz können auch Menschen, die nicht intergeschlechtlich sind, ihren Geschlechtseintrag auf "divers" ändern lassen.
Nur Minderheit würde ihr trans Kind akzeptieren
Auch trans Menschen werden eher kritisch beäugt: So hätten zwar 72 Prozent der Menschen in Deutschland kein Problem, wenn ihr Kind homosexuell wäre; wenn es trans wäre, sinkt der Wert aber auf 48 Prozent.
Insgesamt zeigten sich die Anhänger*innen von Grünen und Linken am offensten gegenüber queeren Menschen, gefolgt von Fans der SPD. Am intolerantesten sind Anhänger*innen der Sahra-Wagenknecht-Partei BSW und insbesondere der AfD.
Trotzdem gibt es sogar in der AfD eine Mehrheit für die gleichgeschlechtliche Ehe. Diese wird von 60 Prozent der Anhänger*innen der rechtsextremen Partei befürwortet. Dabei hatte die AfD nach ihrem Einzug in den Bundestag noch versucht, Schwulen und Lesben das Recht auf Eheschließung wieder zu entziehen (queer.de berichtete2).
Bei den Anhänger*innen anderer Parteien ist die Zustimmung indes weit höher: Bei den Grünen liegt sie bei 92 Prozent, bei der Linken bei 89 Prozent, bei der SPD bei 84 Prozent, bei der FDP bei 82 Prozent, bei der Union bei 77 Prozent und bei BSW bei immerhin 70 Prozent.
Ältere sind toleranter als Jüngere
Bei Frauen ist die Akzeptanz bei queeren Rechten insgesamt höher. Das war bereits aus früheren Umfragen hervorgegangen. Überraschend ist jetzt allerdings, dass die Zustimmung bei älteren Menschen ein bisschen höher ist als bei jüngeren – dies war in der Vergangenheit immer umgekehrt. In der Altersgruppe der 18- bis 39-Jährigen sind etwa 73 Prozent für die Ehe für alle, bei den über 60-Jährigen hingegen 78 Prozent.
"Deutschland ist sexuell offener als noch vor einem Jahrzehnt, aber keineswegs am Ziel. Rechtliche Gleichstellung geht nicht automatisch mit voller gesellschaftlicher Akzeptanz einher", so die Bilanz der Meinungsforscher*innen. Gerade für die Ablehnung von geschlechtlichen Minderheiten sei die politische Polarisierung "der entscheidende Faktor", heißt es weiter. "Während das progressiv-liberale Lager eine hohe bis sehr hohe Akzeptanz aufweist, positioniert sich das konservative und rechte Lager zurückhaltender bis ablehnend."
Das Fazit: "Insbesondere die Lebensrealitäten von trans* Personen und die Anerkennung nicht-binärer Identitäten bleiben zentrale Herausforderungen für eine inklusive Gesellschaft." (cw)
Links
- https://erobella.com/sexuelle-offenheit-deutschland/
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=30052













