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Stichwahl
München wählt den "BürGAYmeister"
Aus dem jungen Stellvertreter wird der Oberbürgermeister: Der schwule Physiker Dominik Krause von den Grünen hat mit 56,4 Prozent die Stichwahl gegen den langjährigen SPD-Amtsinhaber Dieter Reiter gewonnen.
Dominik Krause (r.) küsst seinen Verlobten Sebastian Müller nach seinem Wahlsieg in der OB-Stichwahl (Bild: IMAGO / Wolfgang Maria Weber)
- Heute, 05:25h 4 Min.
Er ist gerade 35 Jahre alt, studierter Physiker, schwul: Dominik Krause ist das neue, frische Gesicht im Münchner Rathaus. Er bezwang in der Stichwahl am Sonntag sensationell den zwölf Jahre lang amtierenden Oberbürgermeister Dieter Reiter von der SPD – laut vorläufigem Ergebnis mit 56,4 Prozent der Stimmen. Der bisherige Zweite Bürgermeister profitierte von Reiters Patzern im Wahlkampfschlussspurt – und einer gewachsenen Grünen-freundlichen Stimmung in Bayerns Landeshauptstadt.
Krause ließ sich in der Münchner Muffathalle bei der Grünen-Wahlparty wie ein Popstar mit "Dominik, Dominik"-Rufen feiern. "Es ist wirklich irre", beschrieb das neue Stadtoberhaupt die Stimmung der vergangenen Tage in München. "Es war Aufbruch, es war Erneuerung", erklärt Krause seinen Wahlerfolg. Die Menschen hätten ihm auf der Straße zugerufen: "Jetzt pack ma's."
Dieter Reiter: "Ich hab's verbockt"
Dominik Krause bei der Stimmabgabe in Giesing (Bild: Grüne München)
Für München ist der Sieg des Grünen eine Zäsur. Seit dem Zweiten Weltkrieg regierte 72 Jahre lang ein Sozialdemokrat die bayerische Landeshauptstadt, die damit im von der CSU geprägten Bayern eine stabile Sonderrolle einnahm. Die CSU stellte nur wenige Jahre selbst den Oberbürgermeister. Mit der SPD-Vorherrschaft ist nun Schluss. Das lag zu einem großen Teil allerdings am bisherigen Amtsinhaber Reiter.
"Ich hab's verbockt", räumte Reiter am Wahlabend ein. Er hatte Details seiner Funktionärsarbeit für den FC Bayern München verschwiegen – als das bekannt wurde, kippte die Stimmung gegen den 67-Jährigen.
Wer ist eigentlich dieser Krause?
Die Frage, wer eigentlich dieser Krause ist, stellten sich viele Münchner erst kurz vor der Wahl. Offensichtlich überzeugte der junge Mann dabei. 1990 in München geboren und in den Stadtteilen Moosach und Untermenzing mit zwei Geschwistern aufgewachsen, studierte Krause nach dem Zivildienst Physik und machte einen Master.
In die Politik kam er nach eigenen Worten, weil ihn ein Aufmarsch von Neonazis schockierte. Krause trat in die Grünen ein, kam 2014 als junger Student in den Stadtrat und ist seitdem auch stellvertretender Vorsitzender des populären Vereins "München ist bunt", der immer wieder große Demos gegen Extremismus organisiert.
Einsatz für LGBTI-Rechte
"BürGAYmeister"-Wahlplakat: Dominik Krause warb um die Stimmen der queeren Community
Im Oktober 2023 wurde Krause nach dem Rücktritt von Katrin Habenschaden zum Zweiten Bürgermeister gewählt (queer.de berichtete1). Zuvor war der er Fraktionschef von Grünen und Rosa Liste. Auf die Frage, warum ihm die Betonung, er sei der "erste offen schwule Bürgermeister Münchens", wichtig sei, sagte er damals: "Es sollte im Jahr 2023 keine Rolle mehr spielen, welche Sexualität man hat. Leider sind aber viele queere Menschen nach wie vor von Diskriminierung betroffen, auch in München. Solange das so ist, finde ich Sichtbarkeit wichtig."
Krause setzt sich seit Jahren intensiv für queere Rechte ein – so besuchte er vor dem russischen Angriffskrieg mehrfach den CSD in Kyiw, um die LGBTI-Community in der Ukraine zu unterstützen. Auf einem Wahlplakat der Grünen hieß es: "BürGAYmeister Dominik Krause".
Verlobung im Pfingsturlaub 2024
Privat gibt sich Krause als typischer Münchner – zum Wandern, Klettern oder Skifahren zieht es ihn in der Freizeit in die Berge. Seit vielen Jahren lebt er mit seinem Verlobten Sebastian Müller im einstigen Arbeiterviertel Giesing – die beiden Männer lernten sich als Jugendliche beim Tanzkurs kennen. Im Pfingsturlaub 2024 hatten sich die beiden Männer verlobt (queer.de berichtete2).
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Krause kommt mit seiner weltoffenen Art offensichtlich an. Und er weiß auch Schlagzeilen zu setzen: Vor einigen Jahren brachte er als Bürgermeister die Oktoberfestwirte gegen sich auf, als er München als die "Stadt mit der weltweit größten offenen Drogenszene, nämlich dem Oktoberfest" bezeichnete. Krause wollte so für eine Cannabislegalisierung werben – die harschen Reaktionen der Wiesnwirte brachten ihm über München hinaus Bekanntheit.
In der Münchner Staatskanzlei dürfte nun Ministerpräsident Markus Söder (CSU) deutlich genauer als bisher hinschauen, was im Münchner Rathaus passiert. Söder schoss sich schon seit langem auf die Grünen als einen Hauptgegner ein. In München nutzte es ihm nicht viel. Die Grünen gewannen dort trotz leichter Verluste vor zwei Wochen die Stadtratswahl – nun stellen sie erstmals auch den Oberbürgermeister. (cw/AFP)
Links
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=47371
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=49983
- https://www.instagram.com/reel/DWNCoAcDMMY/?utm_source=ig_embed&utm_campaign=loading
- https://www.instagram.com/p/DWNCoAcDMMY/













