Vor knapp zwei Jahren stand sie vor dem Aus: die Tafel in Bad Freienwalde, die Bedürftige mit Lebensmitteln versorgt. Doch dank einer ehrenamtlichen Helferin konnte sie vor der endgültigen Schließung bewahrt werden.
Die 61-jährige Bürgergeldempfängerin Kerstin Richter engagiert sich derzeit fünf Tage pro Woche für den Weiterbetrieb der Tafel. Sie beschreibt die Arbeit als ihre Art, der Gesellschaft etwas zurückzugeben.
Für den Neustart im Februar vergangenen Jahres musste Richter zunächst bei örtlichen Geschäften wieder Vertrauen aufbauen. Tafeln arbeiten in der Regel mit festen lokalen Partnern zusammen - etwa Supermärkten, Bäckereien oder Produzenten. Diese geben überschüssige Lebensmittel ab, die von Ehrenamtlichen abgeholt und an Bedürftige verteilt werden.
Neuverhandlungen mit lokalen Partnern
Nach Angaben der Supermarktkette Kaufland, deren Bad Freienwalder Filiale inzwischen wieder mit der Tafel kooperiert, holen Freiwillige die Lebensmittel direkt an der Warenrampe des Marktes ab.
Die Gespräche mit einzelnen Händlern seien anfangs schwierig gewesen, sagt Richter. „Ich bin öfter zum Laden gegangen und habe nachgefragt.“ Mehrere Partner habe sie davon überzeugen müssen, dass die Tafel wieder verlässlich organisiert sei. „Wir haben uns neue Verträge erkämpft“, so Richter.
Unterstützernetzwerk aus Menschen und Händlern
Nach Angaben des Bundesverbands Tafel Deutschland holen Tafeln überschüssige Lebensmittel regelmäßig bei Supermärkten und anderen Lebensmittelhändlern ab. Voraussetzung für solche Kooperationen ist unter anderem, dass Transport und Lagerung den geltenden Lebensmittelhygiene-Vorschriften entsprechen und die Abholung zuverlässig organisiert ist.
Laut Richter haben einige lokale Partner der neu aufgestellten Tafel erst nach mehreren Monaten wieder Lebensmittel überlassen.
Die Lebensmittelspenden stammen aus der Region. Richter arbeitet nach eigenen Angaben auch mit den Tafeln in Bernau und Oderberg zusammen. Unterstützt wird sie von fünf freiwilligen Helfern, die für ihren Einsatz eine Aufwandsentschädigung erhalten.
Der Bedarf ist groß
Der Bedarf ist Richter zufolge im vergangenen Jahr noch gestiegen - auch wegen der höheren Preise für Energie und Lebensmittel. Das merke sie täglich vor der Ausgabestelle: Oft würden schon eine Stunde vor der Öffnung die ersten Menschen warten.
Kundin Liane Schulz etwa sagt, ohne die Tafel würde ihr Geld nur bis zur Monatsmitte reichen. Ein voller Einkaufsbeutel kostet bei der Tafel etwa sieben Euro.
Einkaufen dürfen dort nur Menschen, die ihre Bedürftigkeit nachweisen können. Nach Angaben der Tafel kommen monatlich rund 200 Menschen zur Ausgabe.
Mit Material von Silja Sodtke
Sendung: rbb24 DER TAG, 18.03.2026, 19:25 Uhr
10 Kommentare
Ich finde es sehr gut, das Bürgergeldempfänger dem Staat etwas zurückgeben. Leider geschieht das viel zu selten. Gemeinnützige Aufgaben gibt es in Hülle und Fülle, will nur keiner wirklich machen.
Es kann keine Normalität sein, daß private Initiativen das Überleben von Bedürftigen sichert. Für mich sieht es damit so aus, als ob der Staat seine Verantwortung auf Private abwälzt. Da läuft etwas grundverkehrt.
So viel Bürgergeldempfänger, soviel offene Ehrenamtsstellen. Warum? Die Dame zeigt, das es geht. Dafür und für die Einstellung, der Gesellschaft was zurückgeben zu wollen, ein dickes Danke.