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Stichwahl in München

Erster "BürGAYmeister": Welche Chancen hat Dominik Krause?

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) muss nach einem für ihn enttäuschenden ersten Wahlgang in die Stichwahl gegen den schwulen Grünen-Politiker Dominik Krause. "Das wird ein harter Kampf", kommentiert ein Politologe.


Dominik Krause, OB-Kandidat der Münchner Grünen, bei Wahlkampftermin (Bild: IMAGO / Wolfgang Maria Weber)
  • 11. März 2026, 02:59h 3 Min.

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) kann sich nach dem enttäuschenden Kommunalwahl-Ergebnis bei der Stichwahl am 22. März nicht auf seinen Amtsbonus verlassen. "Das wird ein harter Kampf", sagte der Passauer Politologe Michael Weigl dem "Münchner Merkur". Reiter kam auf 35,6 Prozent und muss nun gegen den schwulen Grünen-Politiker Dominik Krause antreten, der 29,5 Prozent erreichte und bislang Zweiter Bürgermeister in seiner Heimatstadt war (queer.de berichtete1).

Krause habe am Wahltag selbst sogar ein stärkeres Ergebnis als Reiter erreicht und viele Nichtwähler *­innen mobilisiert, sagte Weigl. In der Tat hatte der 35-Jährige den bisherigen Rathauschef bei der Stimmabgabe direkt an der Wahlurne übertrumpft. In den Wahllokalen votierten 32,5 Prozent der Wähler*­innen für Krause und nur 30,8 Prozent für Reiter. Bei den Briefwahlstimmen hatte der 67-jährige Amtsinhaber mit 39,1 Prozent noch deutlich vor seinem Herausforderer gelegen, der hier nur auf 27,2 Prozent kam.

Experte: Reputationsschaden ist "enorm"


"BürGAYmeister"-Wahlplakat: Dominik Krause warb um die Stimmen der queeren Community (Bild: Grüne München)

Die jüngsten Schlagzeilen um Reiters Posten im Verwaltungs- und Aufsichtsrat des FC Bayern könnten manche Wähler*­innen bewogen haben, beim Urnengang nicht für Reiter zu stimmen.

Diese Nebentätigkeiten dürften bei der Wahl "eine größere Rolle gespielt haben", so die Einschätzung des Kommunalpolitik-Experten Martin Gross von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) unlängst im "Münchner Merkur".

Nun muss der OB sich also zum dritten Mal einer Stichwahl stellen. Ob er diese ebenso wie 2014 und 2020 für sich entscheiden kann? "Dieter Reiter hat einen gewissen Vorteil. Aber durch ist er auf gar keinen Fall", meint Weigl. So müsse er die Wähler*­innen des CSU-Kandidaten Baumgärtner auf seine Seite ziehen. Das sei aber kein Selbstläufer. "Nicht jeder CSU-Sympathisant schwenkt automatisch auf die Seite eines SPD-Kandidaten", so Weigl. Und: "Der Reputationsschaden in den letzten Tagen vor der Wahl war schon enorm".

Stimmen CSU-Wähler für die SPD?

LMU-Experte Gross ist da optimistischer und räumt Reiter bessere Chancen ein. "Wenn es eine solide Wahlbeteiligung gibt, dann ist meine Vermutung, dass der größte Teil der CSU-Anhängerinnen und -Anhänger bei der Stichwahl eher für Dieter Reiter stimmen wird als für Dominik Krause", sagte er. "Die 20 Prozent Wählerinnen und Wähler der CSU kommen eher aus einem konservativen und wirtschaftsfreundlicheren Lager als die klassischen grünen Wähler in einer Großstadt wie München."

Gewinnt Dominik Krause die Stichwahl, wäre er Münchens erster offen schwuler Bürgermeister. Der Grünen-Politiker setzt sich seit Jahren intensiv für queere Rechte ein – so besuchte er vor dem russischen Angriffskrieg mehrfach den CSD in Kyiw, um die LGBTI-Community in der Ukraine zu unterstützen. Seit langem ist er außerdem aktiv im Bündnis "München ist bunt". Im Pfingsturlaub 2024 verlobte er sich mit seinem Lebenspartner Sebastian Müller (queer.de berichtete2). (cw/dpa)

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