„Es ist sein Verdienst, dass die Salzburger Festspiele dort stehen, wo sie hingehören: an der Spitze der Klassikwelt“: So begründete Andrea Mayer, damals Kulturstaatssekretärin, im April 2024, dass der davor nur bis Ende September 2026 geltende Vertrag des Salzburger Festspielintendanten Markus Hinterhäuser verlängert wurde – bis 30. September 2031, wenn auch mit der Möglichkeit einer vorzeitigen Auflösung zum 30. 9. 2029. Dieser Folgevertrag soll nun nicht in Kraft treten. Diese Absicht hat das Kuratorium der Festspiele am Donnerstag verkündet. Damit würde Hinterhäusers Amtszeit mit September 2026 auslaufen, also gleich nach Ende der heurigen Festspiele. Wie soll das möglich sein?
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Die Vorsitzende des Kuratoriums, die Salzburger Landeshauptfrau Karoline Edtstadler, selbst Juristin, sprach von einer Klausel, die Hinterhäusers „Verhalten gegenüber dem Direktorium und gegenüber Dritten regelt“. Diese Bedingung sehe das Kuratorium „geschlossen“ – also einstimmig – als nicht erfüllt an. Es habe aber Hinterhäuser ein Angebot gemacht, doch etwas länger zu bleiben, um einen „guten Übergang“ zu schaffen. Dieses Angebot müsse er bis zur Fortsetzung der – formal nur unterbrochenen – Kuratoriumssitzung am 20. März prüfen: „Derzeit liegt der Ball bei ihm.“
Auch ohne den Wortlaut des Vertrags zu kennen, kann man annehmen, dass Hinterhäuser die Kündigung nicht so einfach akzeptieren wird. Es ist wohl nicht so leicht, juristisch einwandfrei sein angebliches Fehlverhalten festzumachen, das den von Kuratoriumsmitgliedern immer wieder behaupteten „Vertrauensverlust“ rechtfertigen soll. Da werden womöglich Sitzungsprotokolle oder diverse SMS analysiert werden, und das kann lang dauern und einiges kosten – mit unsicherem Ausgang.
Bergmann hat sich nicht beworben
Auslöser des Eklats war die fällige Bestellung einer neuen Schauspieldirektion. Das Kuratorium hatte von Hinterhäuser verlangt, den Posten auszuschreiben, was bisher nicht üblich war und laut Geschäftsordnung nicht notwendig ist. Hinterhäuser hatte sich gefügt, aber laut „Kronen Zeitung“ die ehemalige Burgtheaterdirektorin Karin Bergmann als Favoritin genannt und gesagt, sie habe sich einem Hearing unterzogen. Was sie nicht getan hat. Doch es steht nicht fest, dass Hinterhäuser das wirklich so gesagt hat. Die „Salzburger Nachrichten“ mussten die Behauptung, er habe das Kuratorium belogen, zurückziehen.
Es ist also gar nicht auszuschließen, dass sich die Streitigkeiten bis in den heurigen Festspielsommer ziehen werden. Dessen Schauspielprogramm hat Hinterhäuser ausnahmsweise selbst erstellt, es wird – mit Handke- und Jelinek-Uraufführungen, einem „Faust“ und Molières „Menschenfeind“ – im Vorfeld allseits positiv kommentiert. Das Kuratorium hat am Donnerstag erklärt, eine Bestellung Bergmanns trotz etwaigem Abgang Hinterhäusers zu akzeptieren. Doch ob Bergmann unter diesen Umständen noch bereit wäre, ist fraglich.
Auch Planung 2027 wäre gefährdet
Bei einer Trennung im Unfrieden wäre auch die Planung des Sommers 2027 gefährdet, die ja längst begonnen hat – Festivals mit Opern haben einen sehr langen Vorlauf. Dazu kommt der fällige und beschlossene Umbau des Festspielbezirks, dessen Organisation eine gewisse Kontinuität voraussetzt. Ist das dem Kuratorium bewusst? Hat es womöglich bereits einen Plan B in den Köpfen?
Das muss durchaus nicht sein, der Streit sieht nach halbwegs spontanen Emotionen aus. Und, so attraktiv die Salzburger Intendanz sein mag, in den Jahren der Renovierung ist sie es weniger, auf einer Baustelle kann man schlecht glänzen. So dürften internationale Bewerbungen rar sein, vor allem von für dieses Amt genügend renommierten Personen. Könnte der bald 75-jährige Nikolaus Bachler, derzeit Leiter der Osterfestspiele, die Gelegenheit nützen und seinen alten Traum erfüllen, deren große Schwester zu übernehmen? Wahrscheinlicher sind wohl kolportierte Ambitionen des Dirigenten Franz Welser-Möst, dessen Verhältnis zu Hinterhäuser in letzter Zeit auffällig getrübt ist.
Zu solchen Spekulationen fragt sich freilich, wie haltbar und einig die Koalition all jener, die den Sturz Hinterhäusers bewirken wollen, nach diesem sein wird. So oder so, diese Krise geht nicht so schnell vorüber.