Sei nicht so streng, hat meine Frau morgens beim Abschied gesagt. Sie meinte es spöttisch und tippte dabei auf das Namensschild an meinem Jackett. Den Lehrern der Berliner Spree-Schule*, denen ich mich kurze Zeit später vorstelle, ist nicht zum Scherzen zumute. Unsicher und skeptisch schauen sie, als ob sie nichts Gutes zu erwarten haben.
Normalerweise sind sie es, die Leistungen beurteilen, Fehler anstreichen und Noten vergeben. Heute und morgen aber werden die Lehrer selbst bewertet. Vier Schulinspektoren prüfen die Qualität des Unterrichts, testen die Führungsqualitäten der Schulleitung, fragen nach der Zufriedenheit der Eltern. Selbst der Zustand der Toiletten bleibt ihnen nicht verborgen. Drei der Prüfer sind Mitarbeiter der Berliner Schulbehörde. Der vierte bin ich: Vater zweier Grundschüler, Elternsprecher, Redakteur der ZEIT und seit Neuestem ehrenamtlicher "Schulinspektor". So steht es auf dem Namensschild am Revers.