Rente mit 70 und ArbeitsbelastungEin Angriff auf den Körper

Die Rentenkommission will über die Rente mit 70 sprechen. Viele werden das nicht durchhalten und könnten zum Fall für medizinische Gutachter werden.

Die tapfere Schneiderin steht auch noch mit 70 am Stoffballen Foto: plainpicture

Jochen H. hat früher als Fotograf und Kameramann gearbeitet. Jetzt sitzt der 75-jährige Rentner drei Tage in der Woche am Empfang eines Einrichtungshauses in Berlin und klärt die Kun­d:in­nen darüber auf, wo man dort die Designersessel findet und wo die Toiletten. „Es ist ein ruhiger Job“, sagt er.

Seine frühere Tätigkeit mit der Schlepperei von Kameras und Lampen könne er schon seit vielen Jahren „auf keinen Fall mehr machen, das würde ich nicht mehr durchhalten“, erklärt H. „Eine Rente mit 70 schlagen nur Politiker vor, die von der Gesundheit, von der Lebenssituation der Alten keine Ahnung haben.“

Die Rentenkommission, die sogenannte „Alterssicherungskommission“ der Bundesregierung, will in Kürze wieder über die Zukunft der Rentenversicherung beraten. Auch die Rente mit 70 soll dabei ein Thema sein.

Viele gehen jetzt schon früher in Rente

Eine schrittweise Erhöhung des Renteneintrittsalters zur Stabilisierung der Rentenkasse ist schon länger im Gespräch. Martin Werding, Mitglied der Wirtschaftsweisen und Teil der Rentenkommission, schlägt vor, das Renteneintrittsalter an die Erhöhung der durchschnittlichen Lebenserwartung zu koppeln. Steige die Lebenserwartung, solle das Renteneintrittsalter dann alle zehn Jahre um ein halbes Jahr steigen. Manche Experten verweisen auf Dänemark, wo das Renteneintrittsalter ab dem Jahre 2040 schon 70 Jahre betragen wird.

Die Frage lautet: Wer würde dann überhaupt durchhalten bis zum Ruhestand? Die Probleme zeigen sich schon jetzt, im geltenden Recht, wo das Renteneintrittsalter steigt und im Jahre 2031 bei 67 Jahren liegen wird.

Laut der Statistik der Deutschen Rentenversicherung für das Jahr 2024 wechselten nur 40 Prozent der neuen Al­ters­rent­ne­r:in­nen zum gesetzlichen Eintrittsalter, das 2024 bei 66 Jahren lag, in den Ruhestand. 60 Prozent gingen früher. Sie nahmen zum Beispiel Abschläge in Kauf, die etwa für drei Jahre früheren Renteneintritt bis zum Lebensende fast 11 Prozent weniger Rente ausmachen. Oder sie wechselten ohne Abschläge früher in Rente, was aber nur möglich ist, wenn man 45 Jahre Berufstätigkeit hinter sich hat. Zehntausende bezogen vorzeitig die Altersrente für schwerbehinderte Menschen.

In Bau- und Reinigungsberufen ist das Risiko der vorzeitigen Berufsunfähigkeit besonders hoch

Martin Brussig, Uni Duisburg-Essen

Zwar sind 21 Prozent der 65- bis 69-Jährigen noch erwerbstätig. Für die Mehrheit dieser Erwerbstätigen aber ist das Einkommen ein Hinzuverdienst neben der Rente. Knapp 10 Prozent der Rentenzugänge hätten direkt zuvor lange Phasen der Krankheit und Arbeitslosigkeit erlebt, berichtet der Altersübergangsforscher Martin Brussig vom Institut für Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen im Gespräch mit der taz.

Brussig sagt, dass es sich schon bei den relativ frühen Renteneintrittsaltern in Deutschland in der Vergangenheit nicht etwa um „Lifestyle-Vorruhestände“ gehandelt habe. „Wer nicht so lange arbeiten konnte, fiel damals nicht so auf, weil das Renteneintrittsalter niedriger lag“, sagt Brussig. „Doch jetzt, mit dem höheren gesetzlichen Renteneintrittsalter, werden die Unterschiede sichtbar.“ In den Bauberufen, in Verkehr und Logistik, in den Reinigungsberufen sei das Risiko der vorzeitigen Berufsunfähigkeit besonders hoch, berichtet Brussig.

Eine Studie der Stiftung Eurofound über die EU-Länder listete die Bedingungen dafür auf, wann Ältere überhaupt durchhalten bis zur Rente und wann nicht. Körperliche Beanspruchungen wie schweres Heben, ungünstige Arbeitshaltungen, Lärm, chemische Ausdünstungen und eine hohe Arbeitsgeschwindigkeit wie etwa auf dem Bau, in der Reinigungsbranche oder in der Pflege, erhöhen laut Studie das Risiko, früh schon aus dem Erwerbsleben auszuscheiden. Emotionale Belastungen wie etwa in den helfenden Berufen kommen dazu. Auch Schichtarbeit schlaucht. Ältere Frauen haben eine „schlechtere Jobqualität“ als ältere Männer, heißt es in der Studie.

Chance auf Erwerbsminderungsrente steht schlecht

Könnte man besonders belastete Berufsgruppen abgrenzen und dann beim Renteneintritt bevorzugen? Der Arbeitswissenschaftler Hans Martin Hasselhorn von der Universität Wuppertal vertrat diese Ansicht in der taz. Aber es gibt Gegenmeinungen.

Belastungen hängen auch von den einzelnen Arbeitsbedingungen ab, so die Studie von Eurofound. Kann man selbst im Job nicht über die Arbeitsmenge bestimmen und hat keinen Ermessensspielraum, hält man nicht so lange durch. Pfle­ge­r:in­nen und Pa­ket­zu­stel­le­r:in­nen etwa scheiden oftmals wegen chronischer Überforderung vorzeitig aus. Ist die individuelle Gesundheit ohnehin schon angeschlagen, wird es noch schwieriger.

Im Grunde seien „alle Berufe betroffen“, meint Brussig „es kommt ja nicht nur auf die Tätigkeit an, sondern auch auf den konkreten Arbeitsplatz und die Belastbarkeit der Menschen. Es mag Lehrer geben, die mit 68 noch an ihrer Schule unterrichten können, wo die Belastbarkeit und das Umfeld stimmen. Aber die kann man doch nicht als Kronzeugen dafür nehmen, dass nun alle Lehrer und Lehrerinnen mit Ende 60 noch arbeiten können.“

Schaffen es Menschen nicht bis zum Renteneintrittsalter, können sie derzeit eine Erwerbsminderungsrente beantragen. Doch damit gibt es empfindliche Abschläge bei der Rente im Alter und die Kriterien der Erwerbsminderungsrente sind eng: Wer zwar nicht mehr in seinem Beruf arbeiten kann, aber noch als Portier oder Wachmann einen leichten Job ausüben könnte, jedenfalls theoretisch, der bekommt die Erwerbsminderungsrente nicht, auch wenn sie oder er gesundheitlich angeschlagen ist. Etwa die Hälfte der Anträge auf eine solche Rente werden abgelehnt. Rund 171.000 Menschen gingen im Jahre 2024 erstmals in eine Erwerbsminderungsrente.

Eine Möglichkeit bestünde darin, die Kriterien für diese Rente abzuwandeln. Brussig schlägt vor, über „individuelle medizinische Gutachten eine Berufsunfähigkeit festzustellen und damit frühere Renteneintritte zu ermöglichen“. Dann würde es ausreichen, im bisherigen Beruf nicht mehr aus gesundheitlichen Gründen arbeiten zu können, um vor dem gesetzlichen Renteneintrittsalter in den Ruhestand wechseln zu können. Der Verweis auf andere Jobs irgendwo als Pfört­ne­r:in wäre dann im Unterschied zu heute gegenstandslos.

Eine Frage der Würde

Die Grünen haben kürzlich einen ähnlichen Antrag in den Bundestag eingebracht mit dem Vorschlag, dass Berufsunfähige mit einer sogenannten „Überlastungsschutzrente“ zwei Jahre vor dem gesetzlichen Rentenbeginn ausscheiden können. Dies soll möglich sein, wenn die Angeschlagenen „im bisherigen Beruf oder dem bisherigen Beruf ähnlichen Betätigungsfeldern wegen Krankheit oder Behinderung“ nicht mehr arbeiten können, heißt es in dem Antrag.

Doch damit wird der frühe Renteneintritt immer abhängiger von individuellen medizinischen Gutachten. Das ist heikel.

„Es ist auch eine Frage der Würde“, sagt eine Lehrerin in Berlin, die wegen gesundheitlicher Probleme früher in den Ruhestand ging und wie Jochen H. nicht mit vollem Namen in der Zeitung stehen will, „wenn du nach vielen Jahrzehnten Arbeit zum Gutachter musst und dein Körper und dein Kopf durchexaminiert werden, ob du auch ja schwach und angeschlagen genug bist, um etwas früher als andere in Rente zu gehen, dann ist das demütigend. Umso trauriger, wenn sowas dann zur Regel werden könnte.“

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66 Kommentare

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  • Der Kabarettist Volker Pispers hatte schon vor 15 Jahren erklärt, wieso das deutsche Rentensystem nicht funktioniert, aber es bleibt alles so wie es ist - und mit Friedrich Merz soll es sogar noch schlimmer werden.

    Und wenn die Merz-CDU jetzt sehr viel über die Erhöhung des Renteneintrittsalter redet, dann vergessen die Bürger vielleicht sogar die Vermögenssteuer für die Reichen - denn so etwas ist ja nur unerfreulich für die CDU/CSU und ihre reichen Gönner.

    ***Volker Pispers (Rente)*** www.youtube.com/watch?v=xp5H52quEYg

    Pispers kritisierte auch, dass die gesetzliche Rente bewusst geschwächt wurde, um Menschen in private, kapitalgedeckte Versicherungen (z.B. "Riester-Rente") zu drängen. Dies nütze der Finanzwirtschaft, führe aber zu geringeren Leistungen der gesetzlichen Rente.

    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Volker Pispers die "leere Rentenkasse" als eine bewusste Entscheidung der Politik darstellt, zugunsten der Wohlhabenden und zulasten der arbeitenden Bevölkerung, die jetzt sogar schon bis zur Totenbahre arbeiten sollen.

  • Die armen Rentner subventionieren die Reichen. Wohlhabende Menschen zahlen Anteilig an dem was Sie verdienen deutlich weniger als weniger wohlhabende Menschen. Zudem Leben Sie länger, beziehen also mehr Rente, während arme Menschen auch gerne mal vor der Rente an den folgen der Lohnsklaverei sterben.

  • Die Lebenserwartung in Deutschland liegt unter dem westeuropäischen Durchschnitt; in Ländern wie Schweden, Italien oder Spanien leben Menschen mehrere Jahre länger. Dieser Befund ist für die Renten- und Arbeitszeitdebatte zentral. Wer eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit fordert, muss Unterschiede in Lebenserwartung, Morbidität und sozialer Ungleichheit berücksichtigen. Empirisch ist belegt, dass Lebenserwartung stark vom sozioökonomischen Status und von Arbeitsbedingungen abhängt. Pauschale Reformen wirken daher regressiv, wenn sie unterschiedliche gesundheitliche Belastungen ignorieren. Eine nachhaltige Politik sollte fiskalische Ziele nicht isoliert betrachten, sondern Lebensqualität, Verteilungsgerechtigkeit und ökologische Grenzen systematisch einbeziehen.

    • @Eichhörnchen99:

      Dieses Problem über die Rentenpolitik lösen zu wollen, zäumt das Pferd von hinten auf. Das muß über die Bildungspolitik gelöst werden, für die sich aber hierzulande keiner interessiert oder keiner ran traut, weil man dafür in die Kulturhoheit der Länder eingreifen müsste.



      Am Ende des Lebens die Leiche hübsch herzurichten, bringt nicht viel.

      • @Oma:

        Welches Problem genau meinen Sie – das der geringeren Lebenserwartung? Ich habe geschrieben, dass die geringere Lebenserwartung im Reichsten Land der EU, eine Rolle spielen sollte bei der Bewertung des Sachverhalts. Ich bin mir nicht sicher, inwiefern formale Bildung in einem Land wie Italien unmittelbar zu einer höheren Lebenserwartung führt. Vielleicht spielen andere Faktoren eine wesentlich größere Rolle: stabile soziale Bindungen, familiärer Zusammenhalt, ausreichend Ruhe und Zeit zur Genesung bei Krankheit, regelmäßiger Aufenthalt in der Natur. Möglicherweise tragen solche Lebensumstände stärker zu einem langen Leben bei als die Schuldbildung.

    • @Eichhörnchen99:

      Klar, .... leider bin ich ein Anhänger des möglichst einfache Haltens von Regelungen. Konkret:



      5 Jahre Nachtdienst, knapp 2 Rettungsdienst, 3 Jahre Arbeiter auf dem Baugerüst, 1 a Landwirtschaftshelfer, 6 Jahre studiert, 25 Jahre Außendienst mit 70.000 km/a und Schreibtisch. Viele Jahre selbstständig.



      Und jetzt? Wie wollen Sie das fassen?

      • @Tom Farmer:

        Komplexe Realitäten verlangen differenzierte Regelungen. Umso irritierender ist die fortgesetzte Fixierung von Akteuren wie Merz auf ein vermeintlich unbegrenztes Wachstum – trotz der evidenten Überschreitung planetarer Belastungsgrenzen. Diese marktgläubige Verkürzung ökonomischer Steuerung blendet ökologische und soziale Folgekosten systematisch aus.



        Mein eigener Erwerbsverlauf – durchgehend berufstätig, auch in der Pflege – illustriert ein strukturelles Problem: Altersarmut ist kein individuelles Versagen, sondern Resultat prekärer Arbeitsbedingungen und inadäquater Entlohnung. Die Rentenfrage lässt sich nicht isoliert betrachten; sie ist die Konsequenz von Lohnniveau, Tarifbindung und Beschäftigungsstabilität. Wer systemrelevante Arbeit leistet, darf nicht mit Verweis auf „berufliche Alternativen“ abgespeist werden. Eine solidarische Ökonomie muss jene Sektoren materiell und institutionell stärken, auf die sie existenziell angewiesen ist.

        • @Eichhörnchen99:

          Auf welche Sektoren sind wir denn NICHT angewiesen?



          Strom, Wasser, Abwasser, Nahrungsmittelproduktion, Heifürsorge, Wohnen, Verkehr, Müllentsorgung..... selbst Bestatter!



          Das Argument der existenziellen Sektoren trägt 0,0.



          Bei den ökologischen Grenzen die unabdingbar gelten und sofort, und nicht erst in 20 Jahren, da bin ich bei Ihnen. Was das aber wieder mit Rente zu tun hat erschließt sich mir nicht.

          • @Tom Farmer:

            Im Übrigen würde ich Ihre kleine Liste von Berufen unterschreiben. Ich denke mit etwas Mühe fallen Ihnen auch ein paar ein, die sehr gut bezahlt sind und weitaus weniger wichtig als die Müllabfuhr.

          • @Tom Farmer:

            Es gibt viele Berufe, auf die wir nicht angewiesen sind und noch mehr, auf die wir es nicht wären, lebten wir nicht in einer verqueren Logik der Vermögensanhäufung im obersten Prozent, einer entfesselten Produktionsmaschinerie auf Kosten von Mensch und Umwelt und einer konsumgetriebenen Anhäufung von Dingen, die nach kurzer Zeit ersetzt werden müssen und nichts hinterlassen als Mangel und Müll. Im 21. Jahrhundert gibt es keine isolierte Krise mehr; jede ist Teil eines Geflechts sich gegenseitig verstärkender Krisen. Ich weiß nicht, was Sie von mir wollen. Vielleicht verstehen Sie wie so viele andere nicht Falschheit des gesamten Systems, vielleicht l wollen Sie, wie so viele Bürgerinnen und Bürger, dass jemand die Löcher stopft in Schlauchboot stopft, indem wir alle sitzen und das geradewegs auf einen Wasserfall zutreibt.

  • Was soll der Geiz mit länger arbeiten? Die Renten und Krankenkassen sind leer. Warum wohl? Nicht weil die Menschen zu wenig einzahlen. Ich möchte daran erinnern das im Keller der Bundesbank 3500 Tonnen Gold liegen und würde man das durch 84 Millionen Bundesbürger teilen dann wäre das ein Vermögen von Zwei Millionen fünfhunderttausendzweihundert Euro für jeden einzelnen. Eigentlich ist der Mensch ja gar nicht zum arbeiten geboren. Man sollte Arbeit ledlich als angehmen Zeitvetreib betrachten.

  • Es ist schon bemerkenswert, dass in Deutschland ein millionenschwerer Ex-Manager eines amerikanischen Grossunternehmens Kanzler werden kann, seinen Untertanen Faulheit vorwirft und dass sie gefaelligst mehr zu arbeiten haben, waehrend er zur Profiterweiterung von Oel- und Gasunternehmen ihnen Extrakosten aufbuerdet.

    Gruss aus Australien, wo man zu so einem Prime Minister "Nicts wie weg' gesagt haette.

  • Ich bin NotSan und werde mit Sicherheit nicht bis 70 im Einsatzdienst arbeiten können.



    Das ist in irre vielen Verufen so.



    Wir werden zwar immer älter aber wir sind auch immer früher kaputt (die körperlich Arbeitenden).



    Denn Worte wie Arbeitsschutz und Mitarbeiterpflege oder soziale Kompetenz sind für Arbeitgebende heutzutage ein Fremdwort.



    Und wir sehen ja, dass wir Bürger den Regierenden vollkommen schnuppe sind.... und zwar unabhängig von der Partei.

  • Die Diskussion über "besonders belastete Berufsgruppen" und dementsprechend auch weniger belastete Berufsgruppen führt in ein falsche Richtung. Sie setzt als gegeben voraus, dass die gesetzliche Altersrente zu einer Art Invalidenrente werden soll, in der nur diejenigen in den Ruhestand gehen dürfen, die sich praktisch kaputtgearbeitet haben. Oder, noch schlimmer: Wer zu einer Berufsgruppe gehört, die als "weniger belastet" eingestuft wird, muss auch dann eine höhere Regelaltersgrenze hinnehmen, wenn er selbst nicht mehr arbeitsfähig ist, was zu Abschlägen bei der ohnehin relativ niedrigen gesetzlichen Rente führt. Im Übrigen hängt das Ausmaß der Belastung weniger von der Berufsgruppe ab als von den individuellen Arbeitsbedingungen, worauf auch die im Artikel zitierte Studie von Eurofound hindeutet, und natürlich auch von der körperlichen und psychischen Verfassung des Einzelnen.

  • "Eine Studie der Stiftung Eurofound über die EU-Länder listete die Bedingungen dafür auf, wann Ältere überhaupt durchhalten bis zur Rente und wann nicht. Körperliche Beanspruchungen wie schweres Heben, ungünstige Arbeitshaltungen, Lärm, chemische Ausdünstungen und eine hohe Arbeitsgeschwindigkeit wie etwa auf dem Bau, in der Reinigungsbranche oder in der Pflege, erhöhen laut Studie das Risiko, früh schon aus dem Erwerbsleben auszuscheiden. Emotionale Belastungen wie etwa in den helfenden Berufen kommen dazu. Auch Schichtarbeit schlaucht. Ältere Frauen haben eine „schlechtere Jobqualität“ als ältere Männer, heißt es in der Studie." - Wow, dafür brauchen die eine Studie, das weiß jeder Arbeitspsychologe und jeder, der sonst ein bisschen was davon verstanden hat, was Menschen brauchen, um im Alter noch Leistungsfähig zu sein. Konzept der CDU: Alle 1 Stunden länger arbeiten. Merke: Wenn jemand nicht mehr kann, brumm ihm Mehrarbeit auf, dann wird er leistungsfähiger – oder anders formuliert: Ein Burnout will erarbeitet sein.

  • Leider ist es nicht wie geschrieben im letzten Absatz eine Frage der Würde früher aufzuhören nach Gutachten, sondern eine Frage der Finanzierbarkeit.



    Ich habe auch keine schnelle Lösung, aber mit Moraldiskussion à la Würde (hier das Zitat) und Respekt der Lebensleistung (SPD) es müssen Reformen her wie das in der Balance gehalten werden kann, die Einnahmen und die Ausgaben. Sachlich fachlich, nicht emotional und empört.

  • taz: *Die Rentenkommission will über die Rente mit 70 sprechen.*

    Laut Statistisches Bundesamt versterben 16% der Männer und 10% der Frauen jetzt schon vor dem Renteneintritt. Wenn man das Rentenalter auf 70 hochsetzt, dann werden es natürlich noch mehr werden.

    Da kann man ja mal bei einer Tasse Tee drüber nachdenken.

    • @Ricky-13:

      Und die die vor Renteneintritt sterben haben ihr Arbeitsleben lang umsonst eingezahlt. 100 jährige halt länger was bekommen. Deswegen braucht man da mal gar nicht nachdenken, das ist der Charakter einer Versicherung. Oder wollen Sie eine rein private kapitalgedeckte Vorsorge, dann kann jeder seinen erworbenen Anspruch vererben?

      • @Tom Farmer:

        Haben Sie das nicht verstanden oder wollen Sie es nicht verstehen?

        In Deutschland ist die Lebenserwartung von Arbeitern (also abhängig Beschäftigte, die überwiegend körperliche Arbeit in Produktion, Handwerk oder Landwirtschaft verrichteten), insbesondere bei Männern, signifikant niedriger als die von Beamten oder höheren Einkommensgruppen. Männliche Arbeiter haben im Schnitt eine um über 5 Jahre geringere Lebenserwartung als Beamte. Wenn man das Renteneintrittsalter (eine Idee des CDU-Wirtschaftsrat) auf 70 setzt, dann spart der Staat sich sehr viel Rente an den Arbeitern, weil viele von denen das 70' Lebensjahr gar nicht erreichen werden.

        Das meinte ich mit: 'Da kann man ja mal bei einer Tasse Tee drüber nachdenken.'

  • Auch wenn ich persönlich von der ab 1.1.26 gültigen Regelung "Aktivrente" profitiere - sie ist hinsichtlich der "leeren" Rentenkassen eigentlich Schwachsinn. Die Rentner arbeiten länger, zahlen aber keine Rentenversicherung ein. M.a.W.: Nur der einzelne Rentner hat etwas davon - die Solidargemeinschaft jedoch nichts.

  • Wenn Menschen länger leben aber nicht länger arbeiten können heißt das ja auch sie können nicht wirklich qualitativ gut leben, wer es nicht mehr in die Arbeit schafft kann auch nicht bergsteigen gehen oder Ski fahren, wer sich nicht mehr auf Veränderungen am Arbeitsplatz einstellen kann der kann längeren Büchern, komplexeren Filmen und Theaterstücken nicht mehr folgen. Vielleicht wäre es angebracht mal eine Diskussion zu führen das die Steigerung der Lebenserwartung nicht verfolgt werden sollte bis eine Steigerung der leistungsfähigkeit erreicht werden kann. Mit 65 in Rente, 5 gute Jahre und dann 15-20 Jahre langsam dahinvegitieren? Da würde ich für mich persönlich Soylent green bevorzugen.

    • @Machiavelli:

      Ganz ehrlich - ich möchte eigentlich nicht als kleine grüne Tafel, die irgend jemand später in sich hineinstopft, enden.

      • @Il_Leopardo:

        Mein Körper ist eine Maschine, wenn sie kaputt ist soll sie recycelt werden. Wobei das auch nicht mein Hauptpunkt war. Leben ist für mich mehr als existieren und wenn die Menschen länger existieren aber nicht viel länger leben machen wir etwas falsch.

        • @Machiavelli:

          Ich sage immer zu allen, ob jung oder alt: "Ihr müsst laufen, laufen, laufen ..." Und ich gehe mit gutem Beispiel voran: Täglich 8 bis 10 km mit meinen Nordic-Walking-Stöcken. Gut, ich war schon immer ein passionierter Läufer - macht mir einfach Spas!

          • @Il_Leopardo:

            Ich gehe seit dem ich 3 bin Joggen und bergsteigen, später auch skifahren, radfahren etc. trotzdem kann einem im Alter schnell eine Verletzung oder Erkrankung dauerhaft außer Gefecht setzen.

  • Mal eine generelle Feststellung:



    Immer, wenn es gerade anfängt, interessant zu werden, wird die Kommentarfunktion geschlossen.



    Wenn ich es allerdings mit anderen Nachrichtenplattformen vergleiche, ist es durchaus angebracht.



    Bei den heutigen allgemeinen Um/Zuständen gehen einem leicht mal die Pferde durch.

  • Ich bin Lehrer und obwohl sich insbesondere die Schulleitung um eine arbeitnehmerfreundliche Arbeitsatmosphäre bemüht, ist der Job trotzdem sehr herausfordernd. Trotzdem stelle ich mich schon jetzt darauf ein, dass ich bis min. 70 arbeiten muss, wer hier etwas anderes fordert ist m.M.n. realitätsfremd. Unser Rentensystem kollabiert seit Jahren, jeder, der ein bisschen rechnen kann, muss sich nur die Zahlen angucken und kann dies dann nachvollziehen. Selbstverständlich darf das nicht für alle Berufe gelten, Handwerker oder Menschen aus dem Pflegesektor müssen auch in Zukunft früher in Rente gehen dürfen. Aber Journalisten, Lehrern, Anwälten, anderen Schreibtischkräften etc. muss eine längere Arbeitszeit zwangsläufig zugemutet werden. ODER wir senken entsprechend das Rentenniveau. Die Mittel eines Haushalts sind endlich, und BITTE: Nicht einfach mit "Steuern für Reiche!" argumentieren. Dies gleicht das Defizit nicht mal annähernd aus. Wir leben heute deutlich länger, also müssen wir zwangsläufig länger arbeiten. p.s.: Martha Cooper ist heute über 80 und klettert noch immer mit u.a. der 1UP-Crew durch U-Bahn Tunnel. Es gilt: Auf die eigene Gesundheit achten zahlt sich langfristig aus!

    • @MarsiFuckinMoto:

      "



      Nur noch rund 18 Prozent der Pädagoginnen und Pädagogen gehen laut einer Auswertung des bayerischen Kultusministeriums von September 2024 zur gesetzlichen Altersgrenze oder danach in Pension. Die meisten scheiden damit oft deutlich früher aus dem Dienst.

  • „......wenn du nach vielen Jahrzehnten Arbeit zum Gutachter musst und dein Körper und dein Kopf durchexaminiert werden, ob du auch ja schwach und angeschlagen genug bist, um etwas früher als andere in Rente zu gehen, dann ist das demütigend. Umso trauriger, wenn sowas dann zur Regel werden könnte.“



    Das macht der MD (Medizinische Dienst) schon seit Jahr und Tag zur Feststellung des Pflegegrades.

    Übrigens, was man nicht unterschlagen sollte:



    Die Lebenserwartung in Deutschland stieg 2024 laut



    Statistischem Bundesamt auf 83,5 Jahre für Frauen und 78,9 Jahre für Männer.



    Dem gegenüber das RKI:

    Die durchschnittliche Anzahl der



    gesunden Lebensjahre (definiert als Lebenszeit ohne größere gesundheitliche Einschränkungen) liegt in Deutschland aktuell bei ca. 57 Jahren.

    • @Thomas Böttcher:

      Oh, jetzt schmeißen Sie zu viel in einen Topf... zwischen Rente und Pflegebedürftigkeit liegen meist noch einige Jahre...

  • Ohh je, ohh je, ohh je

    Wir haben ja so einen schrecklichen Fachkräftemangel und so wenig Geld in den Kassen und da müssen die Menschen halt mal länger arbeiten und nicht faul in der Ecke liegen.

    Dabei haben wir so so eine gastfreundliche Willkommenskultur. Warum will denn niemand aus dem Ausland hier arbeiten ? Verstehe ich nicht.

    Und die hiesigen ? Die faulen Säcke ! Befristeter Arbeitsvertrag in 100 km Entfernung im Großraumbüro ! Das ist doch attraktiv ! Verstehe ich nicht.

    Und die armen Unternehmer. Die Löhne sind so teuer, das Material ist so teuer und die Leute kaufen nicht! Verstehe ich nicht.

    Dabei sorgt der Staat doch für Arbeit ! Also nicht jetzt im Wohnungsbau oder in der Infratrukturerhaltung also nee, das wäre ja zu teuer.



    Er sorgt für Arbeit in den Amtstuben.



    Und in den Buchhaltungen der Firmen.



    Die Einen schreiben stundenlang Steuererklärungen, Berichte, Statistiken und Erhebungen - und Anderen müssen die dann lesen und bearbeiten und beantworten . Und damit ist Arbeit geschafft. Arbeit die zwar niemanden satt macht die aber notwendig ist.

    Verstehe.

  • Das Renteneintrittsalter ist immer verbunden mit den zu erwarteten



    Einkünften. Wer das ganze Erwerbsleben halbtags oder im Niedriglohnsektor gearbeitet hat, wird keine auskömmliche Rente bekommen, egal, wann er in Rente geht. Hier ist private Vorsorge gefragt, wenn man es sich denn leisten kann. Das scheint aber in Berlin noch nicht wirklich angekommen sein. Das wird sich rächen.

    • @Wolfgang Laux:

      So wie es jetzt ist - ja. Das kommt aber darauf an, wie das Rentensystem ausgestaltet ist.



      Warum nicht einmal eine radikale Änderung:



      Rentenbeiträge absenken. Dafür bekommt jeder eine relativ niedrige Grundrente, die für alle der gleiche Betrag ist. Wer mehr möchte, muss privat vorsorgen.

    • @Wolfgang Laux:

      Verstehe: Gerade im Niedriglohnsektor sollen die Leute privat Vorsorgen.



      Die haben ja auch Geld über dafür !

  • Neben dem traurigen Punkt dass viele in einem Beruf stecken der sie körperlich überlastet muss man aber auch festhalten: Kaum jemand bemüht sich ab 40, 50, 60 aktiv um die eigene Gesundheit: Richtiges Krafttraining ist was man braucht um lange aktiv zu sein. Zum Glück kann man das sogar noch mit 80 anfangen. Krankenkassen, Pflege- und Rentenversicherung sehen immer nur einen Abschnitt im Leben eines Menschen, aber es braucht einen gesamtheitlichen Blick der die Vorsorge viel weiter denkt. Schafft man das dann könnte man in körperlich anstregenden Berufen sogar die Arbeitszeiten verkürzen, die Arbeiter, wir alle, stecken mehr Zeit in Sport und das wird dann langfristig auch die Pflegekasse entsorgen.

    • @Thomas Koll:

      Hoffentlich ist das Satire.

      Ansonsten ist es eine Unverschämtheit gegenüber Menschen, die körperlich hart arbeiten. Diese Menschen machen nämlich 8 Stunden am Tag Krafttraining.

      Und natürlich gibt es auch viele Menschen, die aus verschieden Gründen so ein Training nicht lange überleben würden.

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Die Lebenserwartung steigt und steigt, wenn die Leute wirklich so einen Raubbau betreiben würden, dann würde die Volksgesundheit Deutschland anders aussehen. Ist ein Scherz.

  • Rente mit 67 heißt vorher mit Abschlägen gehen. Das Ganze ist einfach Mist und produziert Armut bei Menschen, die nicht mehr arbeiten können. Und es gibt diesen Zwang zum langen arbeiten nicht, die Gesellschaft definiert, was für eine Rente gerecht ist. Die Rente ist für den Staat immer teurer. Im Kapitalismus muss gearbeitet werden, da entsteht der Wohlstand, der Ruhestand ist eigentlich nicht vorgesehen.

    • @Andreas_2020:

      "Im Kapitalismus muss gearbeitet werden, da entsteht der Wohlstand" - Das ist in jedem System so...

      • @Chris McZott:

        Wo gibt’s denn noch alternative Wirtschaftssysteme zum Kapitalismus, außer vielleicht in einigen wenigen isolierten indigenen Gesellschaften im Amazonas-Regenwald?

        • @Abdurchdiemitte:

          Hier geht es darum ob und wie ohne Arbeit Wohlstand erzeugt werden soll. Könnten Sie sich so ein System vorstellen? Man kann ja hinterfragen was Wohlstand bedeutet, aber letztlich ist selbst das reine Überleben Arbeit.

          Ansonsten: Gab es denn überhaupt jemals alternative Wirtschaftssysteme zum Kapitalismus? Im Realsozialismus jedenfalls herrschten zur Genüge Zwänge analog zum Kapitalismus...der Schwarzmarkt war zum Beispiel durch und durch kapitalistisch strukturiert.

          • @Chris McZott:

            Im realen Sozialismus konnte der Staat wahllos Dinge anbieten und erzeugen, er brauchte dafür nur Maschinen und Arbeitskraft. Die DDR hatte selbst im Ost-Block sehr niedrige Preise für viele Produkte. Kurz: Die DDR hatte mit der Rente kein Problem, (dafür jede Menge andere) In kapitalistischen System muss die Rente erwirtschaftet werden, was problemlos geht, aber es wird darum Machtkämpfe geben.

  • 1.gibt es Jobs, in denen Menschen nicht bis 70 arbeiten können (wie im Artikel schon erwähnt).



    2. Lässt die Anpassungsfähigkeit mit zunehmenden Alter nach. In einer sich immer schneller verändernden Arbeitswelt ist das ein Problem.



    Warum müssen wir eigentlich immer ausbaden, was Regierende an die Wand fahren? Grundsätzlich sollten alle Menschen spätestens mit 65 Jahren in Ruhestand gegen. Auch und insbesondere Politiker*innen. Sie sind im Schnitt zu alt und treffen Entscheidungen, die aus der Zeit gefallen sind.

    • @MaTaBe:

      Zu Punkt 1 gebe ich Ihnen recht, bei Punkt 2 liegen Sie falsch. Sich an eine ständig verändernde Arbeitswelt anzupassen, hält fit. Ich habe oft genug gesehen, wie Leute nach dem Renteneintritt plötzlich rasend schnell gealtert sind. Für mich war das ein Grund, deutlich länger zu arbeiten, als ich gemusst hätte. Ich kenne viele Leute, die freiwillig über das Rentenalter hinaus gearbeitet haben, und das sind in der Regel auch die spannenderen Leute. Natürlich ist es immer auch Glück, gesund zu sein und einen Beruf zu haben, den man gerne macht. Rechtzeitig die Weichen dafür zu stellen, bringt mehr Spaß, als jahrelang sehnsüchtig auf den Ruhestand zu warten.

    • @MaTaBe:

      Was Sie vorschlagen, ist Altersdiskriminierung. Wenn jemand gesund ist, Spaß hat und weitermachen will, warum wollen Sie das verbieten? Und ich spreche hier nicht nur von Politikern.

      Einen alten Mann wie DT würde ich allerdings selbst gerne in Rente schicken... und den Wladimir darf er gleich mitnehmen.

    • @MaTaBe:

      Eine solch starre Regelung wird der Fragestellung sicher nicht gerecht. Es gibt tatsächlich Menschen die nicht selbständig sind und mit 65 nicht in den Ruhestand gehen wollen. Wenn es sich dabei um qualifizierte Personen handelt, dann ist das auch nicht sinnvoll. Hier empfiehlt sich ein langsamer Abbau der Arbeitszeit. Allerdings kann man nicht erwarten, dass diese Personen zum eigenen finanziellen Schaden handeln. Das ist nur ein Beispiel, warum die Frage nach dem Ruhestandsalter nicht so einfach zu beantworten ist.

    • @MaTaBe:

      Wir gehen zur Wahl und es ist nicht lange her, da haben Menschen Friedrich Merz gewählt und die Ampel abgewählt. Da liegt das Problem. Wer so wenig nachdenkt, dass er die Union wählt, der kriegt das Fell über die Ohren gezogen. Und beim letzten Wahlkampf ging es um MIgration von Asylbewerbern, an den Rest kann sich keiner erinnern. Es wäre wichtig gewesen, sich über Jobcenter, Rente, Außenpolitik, stagnierendes Wachstum, mangelhafte Infrastruktur auszutauschen. Dazu kam es aber nicht, weil plötzlich die CDU/CSU sich mit afd-ähnlichen Themen beschäftigte und so tat, als ob Olaf Scholz für massenhafte illegale Einwanderung steht. Was er nie tat.

  • "Martin Werding, Mitglied der Wirtschaftsweisen und Teil der Rentenkommission, schlägt vor, das Renteneintrittsalter an die Erhöhung der durchschnittlichen Lebenserwartung zu koppeln. Steige die Lebenserwartung, solle das Renteneintrittsalter dann alle zehn Jahre um ein halbes Jahr steigen."

    1) Wie kommt man auf die seltsame Idee, von der durch medizinische Fortschritte und Hilfen erhöhten Lebenserwartung auf erhöhte Leistungsfähigkeit im Alter zu schließen? Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun, denn:

    2) Wenn dem so wäre: Warum schickt die Industrie ihre Leute mit 60 Jahren (und manchmal noch darunter) mit extrem hohen Abfindungen nach Hause (das geht teils in die Hunderttausende)?

    3) Wer kam auf die abgedrehte Idee, eine Gruppe von Wirtschaftern als "Weise" zu bezeichnen?

    • @Josef 123:

      Punkt 2: Die Zeiten sind in vielen Branchen längst vorbei. Ich kenne eine Reihe von Leuten, die in ihrer Lebensplanung genau darauf spekuliert haben und jetzt zähneknirschend feststellen, dass ihr Arbeitgeber da nicht mitspielt.

  • Auf jeden Fall gibt es eine große soziale Ungleichheit der Erkrankungen und des arbeitsbedingten Gesundheitsverschleißes. Daher ist es sinnvoll mit der Verrentung auch auf diese Lage einzugehen. Die ressourcenärmeren sollten früher aufhören dürfen.

  • Länger arbeiten und auch, wie gerne populistisch gefordert, mehr Stunden arbeiten hat einen unangenehmen Nebeneffekt. Wir benötigen weniger Menschen für die ohnehin schon knappe Arbeit. Das führt dann zu mehr Arbeitlosen.

    Die Arbeit wird ja nicht schlagartig mehr nur weil länger gearbeitet wird.

    Hingegen würde eine flächendeckende Einführung einer 4 Tage Woche vermutlich einen sinnvollen Effekt haben und tatsächlich in Richtung Vollbeschäftigung führen.

    Und wenn jemand unbedingt 5 Tage 10 Stunden arbeiten will .... whatever.... Ich habe auch mal ne Phase mit 50 Stunden Woche gehabt so was geht vorbei... und auf Dauer macht es krank, sogar in einem Bürojob.

    • @Moonlight:

      Und doch heißt es immer, wir hätten Fachkräftemangel. Wie passt das zusammen? Bei jetzt schon 3 Mio Arbeitslosen ist das alles nicht plausibel.

    • @Moonlight:

      Dass es gar nicht mehr genug Arbeit für alle gibt, wird durch KI und Roboter, die in ein paar Jahren kommen werden, noch viel schlimmer. Das haben die meisten noch nicht begriffen, welche ungeheure Welle da auf und zukommt.



      Wenn nur die Hälfte aller Bürojobs wegfällt, ist es für die Menschen noch gut gelaufen. Wahrscheinlich werden es in den nächsten 10-20 Jahren eher 80-90% sein, die wegfallen.

      • @EchteDemokratieWäreSoSchön:

        Rund um die Entwicklung und den Einsatz von KI gibt es jede Menge administrative Jobs, auch für Leute, die nicht so technikaffin sind.



        Schon vor 50 Jahren hieß es, die IT würde Arbeitsplätze vernichten. Sie haben sich nur verlagert. Seit es die Menschheit gibt, sind alte Berufe verschwunden und neue entstanden. Uhrmacher, Porzellanmaler, Kürschner, Stenografen, Datentypisten usw. usf. sind längst verschwunden. Dafür gibt es jetzt Betreiber von Nagel- oder Tattoostudios, Solarien, Fitnessstudios, Personal Trainer, Influencer, Call Center Agenten etc. Es wird immer neue Betätigungsfelder und Berufe geben.

  • Viele Arbeitgeber möchten keine Arbeitnehmer mehr die über 60 sind.



    Wie soll es dann bis 70 gehen. Es führt zu mehr Arbeitslosen und ‚Bürgergeld Empfänger‘ führen, dafür spart man sich Rente.



    Die Ersparnisse erfolgen dann ab 70, da die Renten durch die lange Erwerbslosigkeit niedriger ausfallen.



    Schlimm

  • Eine Gesellschaft, die sich seit 50 Jahren in zunehmendem Maß der Reproduktion verweigert und auch Migration nicht auf wirtschaftlich vernünftigem Niveau hinbekommt, muß sich im Alter nunmal um sich selbst kümmern. Ist kein anderer da, der das macht. Das wird irgendwie bei all den Gerechtigkeitsdebatten aussen vor gelassen. Und muss denn jeder sein ganzes Leben nur in einem Beruf arbeiten? Der 57-jährige Rentner aus dem Artikel hat einen Wechsel hinbekommen. Das kommt auf viele von uns aus o.g. Gründen zu.

    • @Jens Köster:

      Der Mangel wird vor allem in den Pflegeberufen eklatant werden, weil die Boomer alle gebrechlich werden und gepflegt werden wollen. Doch wer will mit 57 noch auf Altenpfleger umschulen, um die (noch) Älteren zu pflegen?

    • @Jens Köster:

      man kann nicht von einem Wechsel sondern, bei 3 Tagen p. Woche, von einem Nebenjob sprechen. Glaube nicht das das auskömmlich ist fall er nicht noch andere Geldquellen hat.

  • Aktuell entscheiden die Gutachter der Gesundheitsämter und der Rentenversicherung nach völlig willkürlichen Kategorien. Wer weniger als 3 Stunden am Tag arbeiten könne sei nicht arbeitsfähig, 3 bis 6 Stunden teilschichtig arbeitsfähig und mehr als 6 Stunden vollschichtig arbeitsfähig. Diesen Stundenschlüssel kann kein Gutachter erklären.

  • Ja, die Lebenserwartung in fast allen Ländern zugenommen. Unklar sei jedoch, wie es um die Gesundheit der immer älteren Menschen bestellt ist. Viele Menschen erreichten dank moderner Medizin zwar ein höheres Alter, aber möglicherweise verbunden mit einer höheren Krankheitslast.



    Das Renteneintrittsalter also einfach nur zu verlängern, weil wir alle älter werden, ist zu kurz gedacht.

  • Das Statistische Bundesamt

    Lebenserwartung (bei Geburt, 2022/2024)







    Männer: ca. 78,5 Jahre.



    Frauen: ca. 83,2 Jahre.

    Das RKI

    Gesunde Lebensjahre / Gesundheitserwartung (bei Geburt, ca. 2023)



    Die Gesundheitserwartung (gesunde Lebensjahre ohne starke Einschränkungen) liegt signifikant niedriger.

    Männer: ca. 56,7 Jahre.



    Frauen: ca. 57,1 Jahre

  • Die Menschen werden immer älter, die Arbeitszeit aber ist in ungefähr gleich geblieben. Es ist doch logisch, dass so der Rentenkasse das Geld ausgeht. Um das Rentenalter zu halten müssten die Beiträge deutlich steigen.



    Welche Partei ist so blöd, diese Wahrheit dem Wähler vor der Wahl zu sagen? Denn wer dies tut, verliert Wähler. Das ist auch der Grund, warum es nicht endlich angegangen wird.

    • @Hans Dampf:

      Richtig. Die Wähler wollen es nicht hören. Die beste Wahlwerbung ist der Spruch: "Die Rente ist sischer!" (das wusste ja schon Nobbi Blüm). Die Parteien rechnen mit der Dummheit der Wähler - leider zurecht.

  • Wer bestimmt denn den Gutachter?



    Kann ich mir den aussuchen oder ablehnen?



    Das ist doch alles wieder überreguliert.



    Die jetzigen Regelungen sind schon kompliziert genug.



    Warum soll die Sozialversicherung immer gekürzt werden?



    Warum nicht statt Dänemark Frankreich als Beispiel, da geht man früher in Rente als bei uns.



    Warum nicht das Drei Säulen Modell der Schweiz anstatt des schwachsinnigen und halbherzigen deutschen Modells an dem nur Banken und Versicherer verdienen.

    • @Tz-B:

      Frankreich steuert auf den Staatsbankrott zu.

  • Die Erwerbsminderungsrente mit ihrem Gutachtersystem, auch in einer abgewandelten Form als BU Rente als Vorschlag zu präsentieren ist komplett naiv. Schon heute sind die Gutachter der DRV völlig überaltert, überfordert, unterbezahlt und vollständig parteiisch. Ihre "Gutachten" werden der Reihe nach von Gerichten kassiert, da sie qualitativ derart unterirdisch sind. Und auf diesem System will man nun eine Lösung aufbauen? Das benötigt aber eine Menge Arbeit.

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