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Staatshomophobie
Malaysia: Mehr als 200 Männer in Schwulensaunen festgenommen
Die Staatsmacht in Malaysia ging am Wochenende gegen Besucher von zwei Schwulensaunen vor. Für die mehr als 200 Festgenommenen kann das schlimme Konsequenzen haben.
TV-Sender berichteten ausführlich über die Festnahmen (Bild: Screenshot TV3)
- 1. Dezember 2025, 14:14h 2 Min.
Bei Razzien gegen die schwule Community hat die Polizei von Malaysia am Wochenende hunderte Menschen festgenommen. Bei einer Razzia in der Hauptstadt Kuala Lumpur sind nach Polizeiangaben 201 Gäste und sieben Mitarbeiter festgenommen worden. In einer Sauna in Prai im Bundesstaat Penang sind laut Medienberichten 13 Männer festgenommen worden.
Den Festgenommenen wird vorgeworfen, gegen Paragraf 377 des Strafgesetzbuches verstoßen zu haben. Dieser sieht Haftstrafen von bis zu 20 Jahren und Prügelstrafen für Menschen vor, die "sexuelle Handlungen gegen die natürliche Ordnung" vornehmen. Mit dem Gesetz verfolgt das islamisch geprägte Land hauptsächlich queere Menschen.
Der Polizei-Vizechef von Kuala Lumpur hat wegen der Festnahmen sogar eine Pressekonferenz einberufen. Datuk Mohd Azani Omar sagte: "Unter denjenigen, die inhaftiert worden sind, waren auch 24 Ausländer. Der Rest waren Leute aus der Umgebung, darunter 17 Staatsbedienstete zwischen 19 und 60 Jahren. Die Polizei hat auch mehrere Kondome sichergestellt sowie Gegenstände, die in den Aktivitäten genutzt worden sind." Die Sauna sei zwei Wochen lang observiert worden, mit Hilfe der islamischen Bundesbehörde JAWI, einer Art Religionspolizei.
Outing kann schlimme Konsequenzen haben
Inzwischen sind laut Medienberichten 200 der 201 in der Hauptstadt festgenommenen Gäste wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Ein Ausländer, dessen Visum bereits abgelaufen sei, sei weiterhin in Haft. Die freigelassenen Männer müssen noch ein Gerichtsverfahren fürchten, außerdem könnten sie öffentlich geoutet werden. Das Outing kann in Malaysia zum Verlust des Arbeitsplatzes und zur gesellschaftlichen Ächtung führen.
Malaysias Umgang mit queeren Menschen steht in starkem Widerspruch zu einigen seiner Nachbarländern: Der nördliche Nachbar Thailand gilt als eine der queerfreundlichsten Nationen Südostasiens, der südliche Nachbar Singapur hat Homosexualität 2022 legalisiert (queer.de berichtete1). Malaysia hält allerdings an der Verfolgung queerer Menschen fest.
Die malaysische Regierung wirbt sogar offen für die "Heilung" von Homosexualität: So wurde 2023 ein "islamisches Rehabilitationszentrum" gegründet, um Homosexuelle in Heterosexuelle zu verwandeln (queer.de berichtete2). Sogenannte Konversionstherapien, bei denen unter anderem die sexuelle Orientierung eines Menschen verändert oder unterdrückt werden soll, werden von Fachorganisationen allerdings als gefährlich und unwissenschaftlich beschrieben. Der Weltärztebund warnte wiederholt, dass damit Menschen in die Depression oder gar den Suizid getrieben werden würden. (dk)
Links
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=43959
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=47716











