Adeliepinguine stehen auf einem schwimmenden Eisblock auf den Yalour-Inseln in der Antarktis
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Vogelgrippe Droht wirklich ein Massensterben in der Antarktis?

Stand: 24.02.2026 • 13:42 Uhr

Weltweit gibt es immer wieder massive Ausbrüche der Vogelgrippe - seit 2023 auch in der Antarktis. Medien berichten, das Virus könne dort binnen kurzer Zeit alle Tiere töten. Was ist da dran?

Von Lilly Zerbst, SWR

Die Vogelgrippe breitet sich auch in der Antarktis aus. Immer mehr Arten, darunter auch Säugetiere, infizieren sich. Aktuell kursieren Schlagzeilen, dass das Vogelgrippevirus alle Tiere in der Antarktis töten könnte. Doch Forschende sehen die Lage anders.

Das Vogelgrippevirus H5N1 sorgt seit 2020 immer wieder für massive Ausbrüche weltweit. Im Oktober 2023 wurde das Virus erstmals im antarktischen Raum nachgewiesen. Infiziert waren braune Skuas auf Bird Island, einer zu Südgeorgien gehörenden Insel. Die aasfressenden Raubmöwen schleppten das Virus vermutlich aus Südamerika ein.

Seither werden immer wieder Vogelgrippefälle gemeldet. Die meisten Meldungen konzentrieren sich auf die Brutzeit von November bis März.

Kein großflächiges Massensterben

Der chilenische Polarforscher Victor Neira untersucht seit Jahren die Ausbreitung des Vogelgrippevirus in der Antarktis und hat die jüngsten Verläufe genau im Blick: "Im Jahr 2026 deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass das Virus geografisch weiter verbreitet ist und eine größere Bandbreite an Arten befällt“, meldet er gegenüber dem SWR. Aber: "Die Todesfälle waren jedoch lokal beschränkt und in ihrem Ausmaß begrenzt.”

In den Medien wurde dem Polarforscher die Aussage zugeschrieben, dass das Vogelgrippevirus eventuell alle infizierte Vögel in einem bestimmten Gebiet töten könnte. Gegenüber dem SWR stellt er jedoch klar, dass sich seine Aussagen über eine hohe Sterblichkeit auf Geflügelbetriebe in Chile und nicht auf die antarktische Tierwelt bezogen habe.

Antarktische Vögel bilden Antikörper

Das Infektionsgeschehen zur aktuellen Brutzeit lässt sich noch nicht abschließend bewerten. Bei den antarktischen Aasfressern, die in der Antarktis bisher am stärksten von der Vogelgrippe betroffen waren, könnte sich aber sogar ein positiver Trend abzeichnen, so der Biologe Simeon Lisovski vom Alfred-Wegener-Institut in Potsdam.

"Gerade bei den braunen Skuas und Südpolarskuas, die es vor allem betroffen hat, haben wir dieses Jahr weniger (Anm. der Redaktion: tote Exemplare) gefunden als im letzten Jahr." Der Polarforscher untersuchte 2024 eine Population brauner Skuas und konnte bei vielen Tieren spezifische Antikörper nachweisen - ein Zeichen dafür, dass sie eine Vogelgrippe-Infektion überlebt haben.

Neue Fälle bei Pinguinen und anderen Arten

Auch wenn es derzeit keine Anzeichen für ein Massensterben in der Antarktis gibt, bleibt unklar, wie andere Tierpopulationen in der Antarktis auf einen Ausbruch in Zukunft reagieren würden. In Südamerika wurden bereits Ausbrüche der Vogelgrippe bei verschiedenen Pinguinarten beobachtet. Hier gab es teilweise hohe Sterberaten, so der Biologe Simeon Lisovski - auch einige Eselspinguine verendeten. Eine Pinguinart, die auch in der Antarktis vorkommt.

Im antarktischen Raum untersuchte Lisovski eine Population von Pinguinen auf der King George Island. Hier fand er weder positive Vogelgrippefälle noch Antikörper. Er vermutet, dass die Populationen dort bislang nicht mit dem Virus in Kontakt gekommen sind: "Wir haben da natürlich großen Respekt davor, und es kann auch wirklich zu schlimmen Szenen führen, denke ich. Es kann aber auch genauso andersrum sein, dass das wirklich überhaupt nicht in die Tiere ankommt oder nur ganz langsam.“

Victor Neira berichtet zudem von einer kürzlichen Expedition, bei der neue Fälle bei einigen Raubmöwen, einem Adeliepinguin, einer Kelp-Möwe und ein paar antarktischen Seebären gemeldet wurden. Es handle sich um eine geringe Anzahl einzelner positiver Fälle verteilt auf mehrere Standorte entlang der antarktischen Halbinsel.

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tagesschau

Vogelgrippe in der Antarktis

Lilly Zerbst, SWR, tagesschau, 24.02.2026 • 10:16 Uhr

Dieses Thema im Programm: tagesschau.de I Vogelgrippe in der Antarktis I 24.02.2026 I 10:16 Uhr

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