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Sirenenfehlalarm in Halle (Saale) 2026

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Der Sirenenfehlalarm in Halle (Saale) 2026 bezeichnet die unbefugte Auslösung des kommunalen Warnsirenen­systems der Stadt Halle (Saale) am 10. Januar 2026. Dabei wurden alle 16 zu diesem Zeitpunkt betriebsbereiten Sirenen im Stadtgebiet gleichzeitig aktiviert. Neben dem einminütigen auf- und abschwellenden Heulton für „Gefahr“ wurden englischsprachige Sprachdurchsagen abgespielt. Nach Angaben der Stadt bestand keine reale Gefahrenlage; es wurde ein externer Eingriff in das System vermutet.[1][2]

Nach dem Wiederaufbau eines flächendeckenden Sirenennetzes verfügte Halle (Saale) seit 2025 über 16 elektronische Hochleistungssirenen mit Sprachmodul.[3][4] Die Anlagen befinden sich unter anderem an Feuerwehrgerätehäusern in Passendorf, Neustadt, Nietleben, Diemitz, Kanena und Lettin sowie an Schulstandorten und am Ratshof.[5]

Die Sirenen unterstützen die in Deutschland üblichen Warntöne, darunter das einminütige auf- und abschwellende Signal für eine erhebliche Gefahr. Tests erfolgten einzeln oder im Verbund, etwa an bundesweiten Warntagen.[6] Eine Anbindung an den BOS-Digitalfunk war zum Zeitpunkt des Vorfalls noch nicht umgesetzt.[7] Digitale Warnsysteme wie NINA und Katwarn ergänzten die akustische Alarmierung; eine direkte MoWaS-Anbindung bestand nicht.[8]

Am 10. Januar 2026 gegen 22:05 Uhr wurden alle 16 Sirenen im Stadtgebiet gleichzeitig aktiviert.[9] Das Signal entsprach dem Warnton für eine akute Gefahrenlage. Zusätzlich wurden englischsprachige Durchsagen mit dem Inhalt „Active Shooting in progress! Lockdown!“ abgespielt.[10] Die Alarmierung dauerte etwa 15 Minuten.[1] Eine Entwarnung per Sirene erfolgte nicht.

Die Integrierte Leitstelle bestätigte, dass keine autorisierte Auslösung erfolgt sei.[1] Gegen 23:00 Uhr veröffentlichte die Stadt eine Mitteilung, in der zunächst von einer technischen Fehlfunktion ausgegangen wurde.[1] Aufgrund hoher Zugriffszahlen war die städtische Website zeitweise nicht erreichbar.[11]

Am 12. Januar erklärte Oberbürgermeister Alexander Vogt, es bestehe eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen externen Cyberangriff.[12][13]

Die nächtliche Alarmierung führte zu Verunsicherung in der Bevölkerung. In sozialen Netzwerken wurden zahlreiche Nachfragen und Videoaufnahmen verbreitet.[14] Da eine unmittelbare Entwarnung über Katwarn oder NINA ausblieb, blieb die Lage zunächst unklar.[15]

IT-Sicherheitsexperten warnten vor möglichen Auswirkungen auf das Vertrauen in Warnsysteme.[7]

Technische Analyse

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Nach Medienberichten wurde eine Schwachstelle im System „SiRcom SMART Alert“ (CVE-2025-13483) ausgenutzt.[16][8] Die Sicherheitslücke betrifft eine fehlende Authentifizierung für kritische Funktionen.

Der IT-Experte Thomas Blinn von der AG KRITIS äußerte die Vermutung, dass ein über das Internet erreichbarer Fernwartungszugang missbraucht worden sei.[7] Ein ähnlicher Vorfall in Querfurt betraf zuvor die Auslösung einer einzelnen Sirene.[17]

Ermittlungen und Maßnahmen

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An den Untersuchungen beteiligten sich unter anderem das Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt und CERT Nord.[8] Im Stadtrat wurde eine Anfrage zur IT-Sicherheit eingebracht.[18]

Nach Angaben der Stadt wurden zusätzliche Sicherungsmaßnahmen umgesetzt. Eine Anbindung an den geschützten BOS-Digitalfunk wird vorbereitet.[12]

Sirenenauslösungen gelten in Deutschland nicht als Kritische Infrastruktur im Sinne des BSI-Gesetzes. Die Verantwortung für Betrieb und Absicherung liegt bei den Kommunen. Der Vorfall wurde bundesweit aufgegriffen und im Zusammenhang mit der Cybersicherheit kommunaler Warnsysteme diskutiert.[2]

Einzelnachweise

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  1. Hochspringen nach: a b c d Fehlauslösung aller Sirenen im Stadtgebiet. In: halle.de. Abgerufen am 22. Februar 2026.
  2. Hochspringen nach: a b Sirenen-Fehlalarm in Halle – Stadt geht von Angriff aus. In: tagesschau.de. Abgerufen am 22. Februar 2026.
  3. Bundesweiter Warntag 2024 wird zur Feuertaufe. In: Mitteldeutsche Zeitung. Abgerufen am 22. Februar 2026.
  4. Erfolgreicher Test der 16 Sirenen in Halle (Saale). In: halle.de. Abgerufen am 22. Februar 2026.
  5. Sirenen-Netz in Halle (Saale) soll ab Herbst funktionieren. In: Du bist Halle. Abgerufen am 22. Februar 2026.
  6. Warntag 2025: Erfolgreicher Test der 16 Sirenen in Halle (Saale). In: Halle Anzeiger. Abgerufen am 22. Februar 2026.
  7. Hochspringen nach: a b c Sirenen in Halle und Querfurt: Lücke zwischen Funk und Internet. In: MDR. Abgerufen am 22. Februar 2026.
  8. Hochspringen nach: a b c Cyberangriff auf Sirenen in Halle? In: MDR. Abgerufen am 22. Februar 2026.
  9. Sirenen-Alarm mit Ansage sorgt für Verunsicherung. In: Mitteldeutsche Zeitung. Abgerufen am 22. Februar 2026.
  10. „Bewaffneter Angreifer aktiv“ – Das wurde beim Sirenen-Alarm gesprochen. In: Du bist Halle. Abgerufen am 22. Februar 2026.
  11. Rätselhafter Sirenenalarm sorgt für Verwirrung. In: Mitteldeutsche Zeitung. Abgerufen am 22. Februar 2026.
  12. Hochspringen nach: a b Sirenen-Fehlalarm: Stadt geht von externem Angriff aus. In: halle.de. Abgerufen am 22. Februar 2026.
  13. Sirenenfehlalarm in Halle: Stadt geht von Angriff aus. In: Zeit Online. Abgerufen am 22. Februar 2026.
  14. Sofortiger Lockdown: Mysterioser Sirenenalarm in Halle. In: Focus Online. Abgerufen am 22. Februar 2026.
  15. Stadt sah Entwarnung über Katwarn als unzweckmäßig an. In: Du bist Halle. Abgerufen am 22. Februar 2026.
  16. ICSA-25-329-06: SiRcom SMART Alert. In: CISA. Abgerufen am 22. Februar 2026.
  17. Sirenen-Alarm in Querfurt: Polizei ermittelt. In: MDR. Abgerufen am 22. Februar 2026.
  18. Cyberangriff auf Halles Sirenen: Stadtrat drängt auf Aufklärung. In: Du bist Halle. Abgerufen am 22. Februar 2026.