Faschingsausklang

Das Elmayer-Kränzchen: Viel Etikette, viel Tradition und sehr viel Schmuserei

Der Ball der Tanzschule Elmayer bildet den traditionellen Abschluss der Wiener Ballsaison. Es war ein lebendiger Abend der Jugend mit Charme, Freude und Augenzwinkern.

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Gastgeber Thomas Schäfer-Elmayer zelebrierte das 104. Elmayer-Kränzchen in der Hofburg.
Gastgeber Thomas Schäfer-Elmayer zelebrierte das 104. Elmayer-Kränzchen in der Hofburg. Katharina Schiffl

Verbeugung, Knicks. Da standen sie. Zehn Kolonnen, 35 Reihen, 350 Paare, die das 104. Elmayer-Kränzchen in der Wiener Hofburg eröffneten. „Wenn 700 junge Menschen mit solcher Präzision und Freude tanzen, dann ist das mehr als ein Ball, es ist Lebensfreude“, sagte Thomas Schäfer-Elmayer.

Es war wieder der traditionelle charmante Abschluss der Wiener Ballsaison. Bereits vor 17 Uhr wuselte es am Wiener Heldenplatz. Aufgeregte junge Damen im weißen Kleid, betont lässige Burschen im Frack tummelten sich, um rechtzeitig in der Hofburg zu sein. So mancher kam direkt aus der Schule – im Smoking.

Denn das Kränzchen fängt bekanntlich um 18 Uhr an und endet Punkt Mitternacht. Es ist wohl der familiärste Ball des Jahres. Auf dem Parkett die Teenager, in den Logen die entzückten Mütter und stolzen Väter. Etikette hin oder her: Da wurden die Smartphones in die Höhe gestreckt und gefilmt, bis der Akku glühte.

700 junge Damen und Herren eröffneten das Elmayer-Kränzchen.
700 junge Damen und Herren eröffneten das Elmayer-Kränzchen.Florian Wieser

Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker überbrachte die Grußworte des Bürgermeisters Michael Ludwig. Auch Hacker betonte die Etikette. „Der Ellenbogen bleibt am Körper und wird nicht ausgefahren“, betonte er. Das gilt natürlich auf dem Tanzparkett. Im politischen Turniertanz, den Hacker trefflich beherrscht, wird bekanntlich gerempelt, was das Zeug hält. Stichwort Gastpatienten. Da kann schon passieren, dass da zwei Wiener und zwei Weinviertler Ellenbogen zusammenkrachen.

Nix mit Verbeugung, Knicks.

Der ukrainische Bariton Alex Ilvakhin sang „Dunkelrote Rosen“ aus Millöckers Gasparone und die Champagnerarie aus Mozarts Don Giovanni. Danach gab es noch ein Ständchen der besonderen Art. Peter Hacker erinnerte auch daran, dass Thomas Schäfer-Elmayer erst kürzlich seinen „60. Geburtstag“ hatte. Prompt intonierte das Orchester „Happy Birthday“ und der ganze Festsaal stimmte mit ein und sang dem Jubilar zu dessen 80er ein Ständchen.

Es oblag schließlich Verkehrsminister Peter Hanke, den Ball zu eröffnen. „Hier tanzt unsere Zukunft. Das ist Wien“, sagt er und dann ging’s rund – auf dem Parkett natürlich.

Gesundheitsstadtrat Peter Hacker lobte die Tradition des angelegten Ellenbogens.
Gesundheitsstadtrat Peter Hacker lobte die Tradition des angelegten Ellenbogens.Florian Wieser

Aber es wäre nicht das Elmayer-Kränzchen, würden nicht gesellschaftlicher Tanz und gesellschaftliche Verantwortung mit einhergehen. Die Erlöse des Abends kamen dem Kinderpflegedomizil des Hauses der Barmherzigkeit und Caritas-Projekten für Kinder in der Ukraine zugute. „Kinder zahlen den höchsten Preis in Kriegen und Krisen. Ihnen Schutz, Perspektive und Würde zu geben, ist unsere Verpflichtung“, sagte Schäfer-Elmayer.

Verkehrsminister Peter Hanke eröffnete den Ball.
Verkehrsminister Peter Hanke eröffnete den Ball.Florian Wieser

Wie jedes Jahr ließen sich auch heuer zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur diese Balltradition nicht entgehen. Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling (Neos) und der Wiener ÖVP-Chef und Bezirksvorsteher der Inneren Stadt Markus Figl waren genauso unter den Ehrengästen wie der frühere Verteidigungsminister Werner Fasslabend und seine Frau Martina. Auch die Botschafterinnen und Botschafter aus Belgien, Deutschland, Italien, Spanien, Venezuela und Malta waren gekommen. Und wenn die eigene Tochter eintanzt, dann wird auch ein so streitbarer Industrieller wie Stephan Zöchling butterweich.

Der Rest des kurzen Abends gehörte der Jugend. Auf keinem traditionsreichen Hofburgball wird so ausgelassen gefeiert, so hemmungslos geflirtet und so ungeniert geschmust. Das muss sein. Auch das hat Tradition. Genauso wie die Publikumsquadrille und das „Brüderlein fein“, gesungen von Kammersänger Clemens Unterreiner, das auch das Ende der Wiener Ballsaison und des Faschings markiert. Verbeugung, Knicks.

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