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Heimkino

Schwuler Sex zwischen Spaß, Ablenkung und Selbstverletzung

Jetzt auf DVD und digital: Der dänische Spielfilm "Sauna" zeigt, dass die Szene sehr befreiend wirken kann, aber manchmal der Drang zu performen einen enorm hohen Preis hat.


Szene aus "Sauna" (Bild: Salzgeber)
  • Von Christopher Filipecki
    Gestern, 12:11h 6 Min.

Der dänische Film "Sauna"1 (Amazon-Affiliate-Link ) von Mathias Broe erscheint nun keine drei Monate nach dem Kinorelease auf DVD. Wer bisher unfreiwillig drumherum kam, sollte nun die Chance nutzen, ihn doch noch anzuschauen – gar nicht mal, weil er so außergewöhnlich gut ist, sondern eher, weil er viele aktuelle queere Themen aufgreift und bei mancher genauen Betrachtung auch ganz schön wehtun kann.

Nochmal kurz zum Inhalt: Johan (gespielt von Magnus Juhl Andersen) ist jung, blond, trainiert und kommt in der Gay-Szene Kopenhagens richtig gut an. Er arbeitet nachts in der Männersauna "Adonis" und gönnt sich sowohl dort als auch über Grindr regelmäßig eine schnelle Nummer mit Unbekannten. Eines Tages landet William (Nina Terese Rask) in seiner Wohnung. Zunächst soll alles so ablaufen wie immer, doch nach einigen Minuten merkt Johan, dass William trans ist und noch vor seinen geschlechtsangleichenden OPs steht.

Coming-out, Wahlfamilien, Körperbilder

"Sauna" dreht sich um alles, was in irgendeiner Form für queere Menschen Relevanz hat. Um Reaktionen auf das Coming-out innerhalb der eigenen Familie, um Wahlfamilien, um Identitätsfindung, um Körperbilder, um sexuelle Befriedigung, um Solidarität und Loyalität. Dabei fallen immer wieder große Widersprüchlichkeiten auf, die viele tagtäglich in Kauf nehmen. Vermeintlich freiwillig, oft aber eher, weil es – sagen wir – kompliziert ist.

Johan weiß seine Optik perfekt einzusetzen. Eigentlich findet er immer den Top, den er an dem jeweiligen Abend sucht. Doch im Inneren geht es um mehr. Das eine Date bittet er darum, doch über Nacht bei ihm zu bleiben. Es lehnt aber ab und verschwindet. In einer späteren, ruhigen und schön geschriebenen Szene über das jugendliche Verliebtsein in den besten Freund gibt es eine ähnliche Aussage: Ich suche Geborgenheit, noch mehr jedoch Intimität. Das Gefühl, mit jemandem zu verschmelzen. Auch körperlich, aber eben nicht nur.

Sex in der Gay-Sauna ist nicht intim


"Sauna" ist am 12. Februar 2026 auf DVD erschienen

Sexdates sind launig, gar keine Frage. Gay-Saunen sorgen für ein aufregendes Abenteuer, für einen Dopamin- und Endorphin-Überschuss deluxe. Aber sie sind eben exakt das: ein Abenteuer. Ein Ort, an dem man sexuelle Fantasien er- und ausleben kann, an dem man sich ausprobiert und es zwischen dem ersten Blickkontakt und dem Blowjob oft nur Sekunden dauert. Genau das wird aber von vielen eher falsch eingesetzt. Denn wenn ich eigentlich Intimität suche, sollte ich eben nicht dorthin gehen. Der Sex dort ist nicht intim. Er ist anonym, thrilling, auf den Orgasmus zusteuernd. Hat man das nicht verstanden, ist die Leere danach oft viel schlimmer als vor dem Saunabesuch.

Johan kompensiert die Ablehnung seiner Eltern gegenüber seiner Sexualität durch genau diese Mechanismen. Am Ende ist es aber ein Lauf im Hamsterrad. Deswegen flasht ihn William umso mehr. Der trans Mann geht offen mit seiner Geschlechts­identität um, hat es sogar in seinem Grindr-Profil stehen. Johan hat es übersehen und lediglich nach Aussehen aussortiert, einfach weil er es gewohnt ist.

Eigentlich soll die Sauna ein Safe Space sein. Der Ort, an dem alles ok ist. Doch im Wahren ist er unglaublich elitär. Die Männer dort erfüllen alle das klassisch-schöne Männlichkeitsklischee. Andere Besucher mit Makeln am Körper werden abschätzig angeguckt. Und sind wir mal ehrlich: Wie oft haben wir schon selbst vor dem Besuch darüber nachgedacht, ob wir heute wirklich so in Ordnung sind oder uns eher blamieren würden?

"Hier haben Männer mit Männern Sex"

Die Blamage erfährt dann auch William. Auch wenn er als Anhang von Johan super selbstbewusst, neugierig und gut gelaunt das "Adonis" betritt, so fliegt er schon nach kurzer Zeit raus. "Hier haben Männer mit Männern Sex". Das ist einerseits natürlich äußerst diskriminierend gegenüber trans Männern, gleichzeitig aber auch illoyal gegenüber Johan, der selbst Mitarbeiter ist und hier seinen Partner offensichtlich nicht mitbringen darf, weil er nicht ins Schema gehört. Dass beide sich als schwul definieren, ist zweitrangig.

Sowieso setzt sich William zwangsläufig mit der Thematik auseinander, wann er männlich genug ist und was das überhaupt heißt. Immer wieder ist es die große Frage, ab wann ein trans Mann denn nun wirklich ein Mann ist – sobald er es so definiert oder erst, wenn er die geschlechts­angleichenden OPs hinter sich hat? Die werden generell zum großen Problem. Zwar nicht finanziell, schließlich hat William ziemlich reiche Eltern im Nacken, die mit seiner Trans­identität cool sind, aber rechtliche Schritte sind einfach die viel größeren Hürden. Laut eines Begutachters kann ein trans Mann zum Beispiel nicht schwul sein. Ah, ok. Und nicht zuletzt bleibt es auch ein bisschen im Unklaren, wie groß der Anteil in William selbst ist, wirklich sämtliche OPs durchzuführen, um sich oder eigentlich nur der Gesellschaft einen Gefallen zu tun, um bitte ein bisschen weniger Hate abzubekommen.

Das Zwang, perfekt zu performen

In der queeren Community haben viele im Kopf, perfekt performen zu müssen. Wenn man schon hinsichtlich Sexualität und/oder Gender "versagt" hat, dann muss der Rest eben stimmen. Job, Optik, Kohle, Intelligenz, Erfolg. "Ok, der ist zwar schwul, aber ansonsten ja total vorbildlich". Genau das sorgt für enorm viel Druck, außerhalb wie innerhalb der Gleichgesinnten. Dabei ist der Kernwunsch doch in den allermeisten Fällen, so geliebt zu werden, wie man ist. Ohne sich dafür besonders anstrengen zu müssen.

Wenn es zwischen Johan und William knallt, lässt sich Johan kurzdarauf impulsiv von mehreren Typen in einer Sling im "Adonis" ficken. Oder sucht sich einen dick zahlenden Daddy und macht spontan eine Nebentätigkeit als Callboy. Ablehnung geschah schon so oft in den essenziellen Momenten – bei Johan eben durch seine Eltern – dass der ausgewählte Partner nicht auch noch in die gleiche Kerbe schlagen darf. Tut er es, wird nicht getrauert. Es wird überkompensiert. Es wird drübergestanden und so getan, als ob einem niemand etwas tun kann. Als ob Gefühle kontrolliert werden können und man alles allein hinkriegt. Ablenkung für den Moment, Selbstverletzung für den darauffolgenden Tag.

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Ein authentischer Film

Beziehungen kosten sehr viel Arbeit, sehr viel Selbstreflexion und nochmal mehr Dialog. Beide haben ihre überdimensional großen Päckchen auf den Schultern, die das Ganze sehr erschweren. Umso wichtiger, dass beide füreinander Verständnis mitbringen und genauso kritisch auf sich selbst schauen. Altlasten müssen bearbeitet werden, sonst werden sie lebenslang mitgeschleppt. Sich mehr um die Probleme des Partners zu kümmern, mag zwar leichter sein, ist nichtsdestotrotz jedoch genauso kontraproduktiv.

"Sauna" hat auf all diese Dinge keine klärenden, ausreichenden Antworten oder Tipps. Er traut sich aber recht authentisch mit unaufgeregtem Schauspiel viele alltägliche Situationen aufzuzeigen und auf subtilem Wege innere Zerrissenheit zu pitchen. Er macht weder Halt vor der Nutzung eines Klistiers noch vor dem Einsetzen von Strap-Ons und wirkt damit nahbar. Zwischen diesen Szenen steht aber oft mehr, nämlich dass Szene ziemlich viel Spaß machen und befreiend wirken kann, aber manchmal der Drang zu performen einen enorm hohen Preis hat.

Infos zum Film

Sauna. Drama. Dänemark 2025. Regie: Mathias Broe. Cast: Magnus Juhl Andersen, Nina Rask, Dilan Amin, Klaus Tange, Peter Oliver Hansen. Laufzeit: 105 Minuten. Sprache: dänisch-schwedische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. FSK 16. Salzgeber. Erhältlich als DVD und VoD

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Sauna9
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