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BKA-Auswertung
Queerfeindliche Sraftaten weiter auf hohem Niveau
Eine vorläufige Statistik für 2025 zeigt laut den Grünen "alarmierende Zahlen" und Handlungsbedarf für die Bundesregierung.
Symbolbild: Die bundesweite Statistik zu Politisch motivierter Kriminalität zeigt seit Jahren steigende Zahlen bei anti-queeren Delikten
- Heute, 13:40h 3 Min.
Die Anzahl erfasster queerfeindlicher Strafttaten in Deutschland bleibt weiter auf einem hohen Niveau: Zum Stichtag 31. Dezember 2025 wurden von den Behörden für das Jahr 1.776 Taten im Bereich "sexuelle Orientierung" und 1.132 Taten im Bereich "geschlechtsbezogene Diversität" erfasst.
Das geht aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine Frage der Grünen-Abgeordneten Marlene Schönberger zurück. Die Fallzahlen sind damit in etwa mit denen des Vorjahres vergleichbar, als sie einen Höchststand erreichten. Allerdings sind noch Nachmeldungen möglich. Im Bereich sexuelle Orientierung hatte die Statistik zu Politisch motivierter Kriminalität des BKA für 2024 1.765 Taten erfasst, nach 1.499 und 1.005 in 2023 und 2022. Bei "geschlechtsbezogener Diversität" wurden in diesen Jahren 1.152, 854 und 562 Taten erfasst. Allerdings wird von einem hohen Dunkelfeld an Taten ausgegangen, die zudem erst in den letzten Jahren von den Behörden in ganz Deutschland konsequenter gemeldet wurden.
Für das letzte Jahr wurden laut der Antwort der Bundesregierung im Bereich sexuelle Orientierung unter anderem je ein vollendetes und versuchtes Tötungsdelikt und 210 Körperverletzungen sowie vereinzelt Raub, Freiheitsberaubung, Erpressung und Brandstiftung erfasst. Dazu kommen unter anderem 207 Sachbeschädigungen, 132 Nötigungen und 411 Propaganda- oder Volksverhetzungsdelikte.
Bei "geschlechtsbezogener Diversität" wurden unter anderem 97 Körperverletzungen, 174 Sachbeschädigungen, 74 Nötigungen und 295 Fälle von Propaganda oder Hetze gemeldet. Eine Erfassung von Taten unter beiden Unterfeldern war möglich. Eine gemeinsame Statistik kommt auf insgesamt 2.048 Taten. 868 Taten wurden dem Bereich "Rechts" zugeordnet, 68 einer "ausländischen" und 52 einer "religiösen Ideologie" sowie 33 "Links". Gut die Hälfte aller Taten wurde keinem der Felder direkt zugeordnet.
Grüne: Zahlen "alarmierend"
Schönberger sprach von "alarmierenden Zahlen", die zeigten, dass Hasskriminalität gegen queere Menschen weiter "auf sehr hohem Niveau" bleibe. "Zudem verweist das Ministerium auf die begrenzte Datenlage und eine hohe Dunkelziffer. Daher müssen wir davon ausgehen, dass die tatsächliche Anzahl an Angriffen noch viel höher ist. So weist etwa die kürzlich veröffentlichte Dunkelfeldstudie1 darauf hin, dass Mitglieder der queeren Community besonders häufig von Gewalt betroffen sind." Noch immer trauten sich viele queere Menschen nicht, Gewaltdelikte anzuzeigen.
Das Ausmaß an Gewalt gegen die LSBTIQ-Community sei beängstigend und sollte die Bundesregierung und insbesondere den für Sicherheit zuständigen Innenminister alarmieren", so Schönberger. Die Grünenpolitikerin kritisierte, dass diese stattdessen den Aktionsplan "Queer leben" einstelle2 und "Innenpolitiker*innen der Union gegen transgeschlechtliche Menschen und das Selbstbestimmungsgesetz" hetzten.
Laut Schönberger brauche es "gezielte Forschung zu Hasskriminalität, eine genauere Erfassung queerfeindlicher Straftaten sowie LSBTIQ-Ansprechpartner*innen bei der Polizei und den Staatsanwaltschaften in allen Bundesländern." Auch müsse das Diskriminierungsverbot im Artikel 3 Absatz 3 des Grundgesetzes "endlich auch queere Menschen schützen". (cw)
Links
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=56847
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=56684











