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Sauerland
Nach Vandalismus: Politik will Regenbogentreppe aufgeben
Zweimal wurde die Treppe in Arnsberg von Unbekannten in Schwarz-Rot-Gold übermalt. Der Bezirksausschuss will sie nun nicht wieder herrichten lassen.
Am letzten Wochenende waren dutzende Menschen bis hin zur grünen Bundestagsabgeordneten Sandra Stein einem Aufruf der Partei gefolgt, ein Zeichen der Solidarität an der nach der erneuten Reinigung leicht verblassten Treppe zu zeigen und der Parteifreundin Verena Verspohl den Rücken zu stärken (Bild: Grüne Arnsberg / Instagram)
- Heute, 16:46h 2 Min.
"Knickt die Stadt vor Vandalen ein?" – Diese besorgt-empörte Frage stellt sich nicht nur der Verein Offen.Bund.Arnsberg anlässlich einer Entscheidung des Bezirksausschusses Neheim, eine Regenbogentreppe nach zweimaliger Zerstörung nicht mehr herrichten zu lassen.
Wie die "Westfalenpost" Ende letzter Woche berichtete1, sei bei der letzten Bezirkssitzung ein entsprechender Beschluss gefasst worden. Anfang Februar war die Treppe am Busbahnhof in Arnsberg-Neheim, gestaltet von einem Arnsberger Gymnasium, zum zweiten Mal in den Farben Schwarz-Rot-Gold übermalt worden.
Der Vandalismus hatte für Empörung gesorgt – aber auch zu zusätzlicher Hetze und Queerfeindlichkeit geführt. So hatte sich gegen die Arnsberger Grünensprecherin Verena Verspohl ein rechter Shitstorm samt Morddrohungen entwickelt, nachdem sie das Übermalen als "klare rechtsextreme Aussage gegen Vielfalt, Queers und eine bunte Gesellschaft" bezeichnet hatte. Auch gegen die örtliche CDU gab es Hetze, etwa von Julian Reichelt, nachdem diese sich in sozialen Netzwerken hinter den Regenbogen gestellt hatte (queer.de berichtete2).
CDU will nicht "provozieren"
Nach einer Reinigung der Treppe sind die Regenbogenflaggen nun verblasst und sollen nach dem Willen des Bezirks nicht mehr erneuert werden. "Wir provozieren nur", hatte Bezirksausschuss-Vorsitzender Andreas Dieck den Beschluss gegenüber der "Westfalenpost" verteidigt. Er habe einst für die Errichtung gestimmt, aber angesichts "der Haushaltslage" sei es nicht vertretbar, dass die Regenbogentreppe immer wieder gereinigt und neu angestrichen werden müsse.
Zudem sei beschlossen worden, an anderer Stelle ein Zeichen für Vielfalt zu setzen, das "sicher vor Vandalismus" sei. Damit wolle man sich bei der nächsten Sitzung im März näher befassen. Wie die Zeitung einen Tag später schrieb3, stehe dann auch nochmal der ursprüngliche Beschluss zur Abstimmung auf der Tagesordnung – aufgrund eines Formfehlers rund um die späte Einbringung des Antrags sei der Beschluss nichtig. Bürgermeister Ralf Paul Bittner (SPD) bestätigte das gegenüber der Zeitung – vor einem erneuten oder anderen Beschluss werde nichts an der Treppe passieren.
Queerer Verein kritisiert "falsche Entscheidung"
In einem Offenen Brief kritisierte der Verein Offen.Bund.Arnsberg4 den (Vorab-)Beschluss des Bezirksausschusses: "Diejenigen, die in unserer Stadt Dinge zerstören, weil sie sie für überflüssig halten, gewinnen mit ihren Aktionen. Das darf nicht sein und das ist die falsche Entscheidung!"
Gerade für queere Menschen im Sauerland sei es wichtig, "dass sich die Stadt positioniert und unter anderem Sichtbarkeit von Queerness durch Dinge wie zum Beispiel die Regenbogentreppe im öffentlichen Raum schafft." Der Verein will selbst dazu beitragen: Für den 22. August plant er den ersten CSD in Arnsberg, in der Neheimer Innenstadt. (cw)
Links
- https://www.queer.de/detail.phpticle411188381/bezirksausschuss-neheim-verabschiedet-sich-von-regenbogentreppe.html
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=56819
- https://www.wp.de/lokales/arnsberg/article411188381/bezirksausschuss-neheim-verabschiedet-sich-von-regenbogentreppe.html
- https://offen-bund-arnsberg.de











