Ratsbeschluss in Essen: Patienten zahlen Rettungswagen

02:40 Min. Verfügbar bis 11.12.2027

267 Euro pro Fahrt: Essener Rat stimmt für Rettungswagen-Gebühren

Stand: 10.12.2025, 21:05 Uhr

In Essen müssen Patienten einen Teil der Kosten für Kranken- und Rettungstransporte in Zukunft selber zahlen.

Es ist ein Rückschlag für Patienten im Streit zwischen den Kommunen und den Krankenkassen. Der Essener Rat stimmte am Mittwochnachmittag für die Änderung der Satzung. Hintergrund ist, dass die Krankenkassen nicht mehr die vollen Kosten für einen Rettungstransport übernehmen wollen. Die Stadt Essen sagt, sie könne die Beträge nicht übernehmen und fordert, dass der Bund sich einschaltet.

Essens Ordnungsdezernent Christian Kromberg sagte gegenüber der WAZ, er sehe die Lösung selbst sehr kritisch, jedoch bleibe im Moment keine andere Möglichkeit. Zudem hat der Essener Rat einstimmig beschlossen, dass es eine Lösung für Menschen geben soll, die sich diese Kosten nicht leisten können.

Da der Streit zwischen Kommunen und Krankenkassen wohl nicht in absehbarer Zeit beigelegt werden kann, geben viele Kommunen die Kosten zum Teil an die Patienten weiter. Das haben bereits mehrere Kommunen in NRW beschlossen. Essen ist jetzt nachgezogen und legt als erste Stadt konkrete Berechnungen vor.

Gebühren für Rettungstransporte in der Stadt Essen

WDR Studios NRW 11.12.2025 00:26 Min. Verfügbar bis 11.12.2027 WDR Online


Rettungswagenfahrt kostet 267 Euro

Die konkreten Zahlen hat die Stadt jetzt veröffentlicht. Demnach kostet der Einsatz eines Rettungswagens laut Gebührenordnung ab Januar 2026 1.020 Euro. Davon sollen 267 Euro an die jeweiligen Patienten weitergegeben werden. Bei einem Krankentransport, beispielsweise zur Dialyse oder zur Chemotherapie, werden 62 Euro berechnet, so die Stadt Essen.

Fehlfahrten zentraler Streitpunkt

Ein großes Problem sind dabei offenbar sogenannte Fehlfahrten. Die entstehen, wenn ein Rettungswagen gerufen wird, aber letztlich wieder ohne Patient ins Krankenhaus fährt. Diese Fahrten machen laut den Kommunen, 25 Prozent aller Fahrten aus. Die Träger der Rettungsdienste, also in der Regel die Städte und Kreise, würden dafür aber kein Geld von den Krankenkassen bekommen.

Das Gesundheitsministerium sieht nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa aktuell keine Lösung. Es gebe keine rechtliche Handhabe, die Krankenkassen zur Kostenübernahme für Fehlfahrten zu verpflichten.

Krankenkassen für Rettungsdienst-Reform

Laut den Krankenkassen lasse die Rechtslage keine andere Möglichkeit zu. Sie dürfe nur für Kosten aufkommen, die für die Versorgung der eigenen Versicherten entstehen, schreiben sie. Kosten für Fehlfahrten etwa, müssten die Kommunen selbst tragen.

Sie fordern eine Reform des Rettungsdienstes in NRW, damit es deutlich effizientere und schlankere Strukturen gebe, heißt es.

Unsere Quellen:

  • Stadt Essen
  • Nachrichtenagentur dpa

Sendung: WDR.de, Kosten für Rettungstransporte in Stadt Essen, 10.12.2025, 21.03 Uhr

Kommentare zum Thema

227 Kommentare

  • 227 Anonym 12.12.2025, 21:02 Uhr

    Klinisch relevante Notfälle haben Priorität. Viele Menschen rufen die 112 wegen Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, das ist die Realität. Das bi ...weiterlesen

  • 226 Tobias 12.12.2025, 20:42 Uhr

    Volle Zustimmung! Viele Menschen nutzen die 112 wegen Lapalien- Bauchschmerzen, Zeckenbiss, Kopfschmerzen, Übelkeit etc. Das bindet in diesem Moment ...weiterlesen

  • 225 Jan 12.12.2025, 20:24 Uhr

    Die Kommune bleibt aktuell auf den Kosten der sogenannten Fehlfahrten sitzen, weil ein Bundesgesetz regelt, das die Krankenkassen nur beim Transport ...weiterlesen