- Hochhausprojekt "Urbane Mitte" könnte wichtigen Schritt nehmen
- Bebauungsplan für südliches Areal mit zwei Häusern vor Zustimmung
- Hotel und "Wohnen auf Zeit" sollen entstehen
- Nördlicher Teil des Projekts weiter unklar, Senat will neuerdings Wohnungen
Über zehn Jahre nach dem ersten Architekturwettbewerb mit Hochhäusern und Gebäuden für die sogenannte "Urbane Mitte" am Gleisdreieck könnte - zumindest für den südlichen Teil der Flächen - ein entscheidender Schritt anstehen. Denn am Montag soll im Bauausschuss des Abgeordnetenhauses der Bebauungsplans "Urbane Mitte Süd" beschlossen werden.
Es geht zunächst um das größtenteils brachliegende Areal südlich der Station Gleisdreieckpark. Sollte der Ausschuss dem Plan zustimmen, müsste dieser noch im Abgeordnetenhaus beschlossen werden. Das gilt als sehr wahrscheinlich und könnte wenige Wochen später geschehen. Anschließend wäre zumindest in diesem Bereich des Gleisdreiecks der Weg frei zum Bau.
Auf dem Areal könnten dann in wenigen Jahren zwei Hochhäuser entstehen, eines mit einer Höhe von fast 50 Metern und ein weiteres mit rund 25 Metern. Dort sollen nach neuesten Absprachen zwischen Senat und Investor unter anderem ein Hotel, "Wohnen auf Zeit" und Studierendenwohnungen entstehen. Bausenator Christian Gaebler bestätigte dem rbb die Pläne Ende Januar.
Senat zog Planung an sich
Um das gesamte Areal "Urbane Mitte" am Gleisdreieck gibt es seit längerem Diskussionen. Der Senat hatte vergangenen Sommer dem Bezirk die Planung für das Areal entzogen und zur Landessache gemacht.
Zuvor hatte der Bezirk Anfang 2024 beschlossen, das Bebauungsplanverfahren zunächst nicht weiterzuführen und Änderungen am Investorenprojekt zu fordern. Die bebaute Fläche sollte begrenzt werden, damit möglichst viel Grün erhalten bleibe. Außerdem sollten nach dem Willen des Bezirks auch bezahlbare Wohnungen entstehen - und nicht so viele Büroflächen wie geplant.
Die ursprüngliche Rahmenplanung für das Bauprojekt stammt aus dem Jahr 2005. Sie war zwischen Bezirk, dem Land Berlin und einem Investor verabredet worden. Später war die "Urbane Mitte" in zwei Baupläne - Nord und Süd geteilt worden, um die Umsetzbarkeit zu erleichtern.
Ein Stopp des Projekts könne Schadenersatzforderungen nach sich ziehen, warnte Senator Gaebler. Auf diesen Kosten könnte am Ende möglicherweise der Bezirk sitzen bleiben.
Wohnen auf Zeit statt Büros
Im südlichen Teil, um dessen Bebauungsplan es nun im ersten Schritt geht, sei kein dauerhaftes Wohnen möglich, sagte Gaebler Ende Januar dem rbb. Als Grund nannte er den Lärm durch die direkt vorbeiführenden Bahnen. Daher sei nur Wohnen auf Zeit möglich.
Als Kompromiss stellte Gaebler neuerdings zumindest im nördlichen Teil des Areals Wohnungen in Aussicht. Untersuchungen hätten ergeben, dass dies dort trotz des Bahnlärms möglich sei, sagte Gaebler: "Deshalb haben wir uns entschieden, den Aufstellungsbescheid zu ändern." Im Klartext: Ein neuer Bebauungsplan muss her.
Dieser solle auch das Planungsziel verfolgen "auf wesentlichen Baufeldern die Schaffung von bezahlbarem Wohnungsbau nach dem Berliner Modell der kooperativen Baulandentwicklung planungsrechtlich zu ermöglichen", heißt es in einer Mitteilung des Senats. Gaebler sprach gegenüber dem rbb von "mehreren hundert Wohnungen", die so entstehen könnten.
Vieles hängt am Bautempo der Bahn
Entscheidend für das "wie", "wo" und auch "wann" wird die Abstimmung mit der Deutschen Bahn sein, die durch das Areal ihre S-Bahn-Strecke S21 baut. Ein Wohnhaus könnte beispielsweise über der Strecke entstehen.
Laut Gaebler hätte das "besonderen Charme", da eine bereits versiegelte Fläche genutzt würde, statt eine neue zu bebauen. Erstmal muss dafür aber die Bahn die S21 bauen.
Der Investor, die Periskop AG, rechnet damit, dass frühestens 2029 im Nordteil gebaut werden könnte. Finanzieren sollen die Wohnhäuser nach bisheriger Planung die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land, so Gaebler.
Die Stadt und Land ist mit dem Investor Periskop AG bereits in konkreten Gesprächen, wie beide Seiten dem rbb bestätigten.
Bürgerinitiative ist skeptisch
Die Bürgerinitiative Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck e.V. kritisierte gegenüber dem rbb, die in Aussicht gestellten möglichen Wohnungen im Norden seien nur Teil der Strategie des Senats, damit dem südlichen Bebauungsplan zugestimmt werde. Später könnten die Wohnungen auch wieder aus den Planungen verschwinden. Auch vom Wohnen auf Zeit, das laut Gaebler auch Studenten zugute kommen könnte, hält die Initiative wenig, dieser befristete Wohnraum helfe nicht das Wohnungsproblem zu lösen.
Im Süden kann es jetzt schnell gehen
Gaebler zeigte gegenüber dem rbb zuletzt nur wenig Verständnis für die Kritik an seinen Plänen, den Bebauungsplan für das südliche Areal schnell durchzubringen. Er sieht es so: Auf Flächen, auf denen bislang kaum Wohnungen vorgesehen waren, sondern Büro und Gewerbe, könnten jetzt Wohnungen entstehen.
Dass über den neuen Bebauungsplanein eine andere Regierung entscheiden wird, hält Gaebler für unproblematisch. Er glaube nicht, dass ein künftiger Senat in dem Wohnungspunkt anders entscheiden würde. Wohnungen wollten alle Parteien, deshalb gehe er davon aus, dass die Pläne auch über den Sommer hinaus fortgesetzt würden, egal wer danach regiert.
Der Investor hofft seinerseits nach den neuesten Entwicklungen, dass Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres die Bauphase beginnen könnte.
Für die Bürgerinitiative wäre es eine Niederlage, denn dann lässt sich zumindest die "Urbane Mitte Süd" kaum noch verhindern.
Sendung: rbb|24, 15.02.2026, 08:16 Uhr
26 Kommentare
Hochhäuser sind sowas von altbacken...und zerstören die gesamte Stadt. Siehe Umgebung Hauptbahnhof...Wer das schön findet, dem muss geholfen werden. Darüber hinaus haben Feuer und Gewalt in Hochhäusern eine ganz andere Auswirkung...nicht umsonst wurde lange Zeit in Berlin die Traufhöhe durchgesetzt. Wie wäre es mit Infrastruktur im Umland um Wohnraum zu schaffen?
Es geht lustig weiter mit dem Hochhaus au, am Hbf entsteht das ULAP Quartier. U.a. mit 3 Hochhäusern über 90 m und eines mit 60 Meter.
Dann doch lieber hoch bauen und nicht weiter das letzte Stück grün noch zubetonieren
"Im Klartext: Ein neuer Bebauungsplan muss her." Im Klartext: das dauert und dauert "Dieser solle auch das Planungsziel verfolgen "auf wesentlichen Baufeldern die Schaffung von bezahlbarem Wohnungsbau nach dem Berliner Modell der kooperativen Baulandentwicklung planungsrechtlich zu ermöglichen"", das alles glaube ich erst, wenn ich es sehe. Bis dahin bleibe ich skeptisch. "Wohnungen wollten alle Parteien, deshalb gehe er davon aus, dass die Pläne auch über den Sommer hinaus fortgesetzt würden, egal wer danach regiert." Das stimmt, aber die entscheidende Frage dabei ist und bleibt, welche Wohnungen dort wirklich entstehen werden.