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Sachsen
Kritik an transphoben Aussagen des Deutschen Fotomuseums
Das Deutsche Fotomuseum macht auf seiner Website Stimmung gegen trans Menschen. Die Linke queer fordert eine Entschuldigung.
Das Deutsche Fotomuseum sieht trans Menschen nicht als gleichwertig an (Bild: IMAGO / STAR-MEDIA)
- 12. Februar 2026, 14:00h 2 Min.
Die Bundesarbeitsgemeinschaft Die Linke queer hat scharfe Kritik an einem gegen trans Menschen gerichteten Text auf der Website des Deutschen Fotomuseums in Markkleeberg bei Leipzig geübt. Der queere Verband der Linkspartei verurteile "mit Nachdruck transfeindliche Aussagen auf der Website", teilten die Bundessprecher*innen Frank Laubenburg und Maja Tegeler mit.
Im Text1 zu einer Ausstellung über Frauen aus drei Jahrhunderten heißt es wörtlich: "Seit kurzem können auch Männer mit Vollbart per Sprechakt und dann urkundlich beglaubigt als Frauen in Erscheinung treten, um Boxkämpfe zu gewinnen oder sich in Frauengefängnisse einweisen zu lassen. Doch am 16. April 2025 entschied das höchste britische Gericht endlich, daß (sic) Frauen keine Ideenkonstrukte sind, sondern biologische Tatsachen."
Auszug aus dem Text des Fotomuseums (Bild: www.fotomuseum.eu)
Damit spielt das Museum wohl unter anderem auf den Fall des rechtsextremen Aktivisten Sven Liebich2 an sowie auf die Boxerinnen Lin Yu-ting und Imane Khelif, die von einem von Russland kontrollierten Verband als "Männer" bezeichnet worden waren – offenbar, um nach dem Olympia-Ausschluss des Verbands die Spiele zu delegitimieren (queer.de berichtete3). Für diese Behauptung gibt es aber bis heute keine Beweise. Queerfeindliche Politiker wie Donald Trump4 oder der deutsche Christdemokrat Johannes Winkel5 nutzten den Vorfall, um alle trans Menschen als "krank" zu diffamieren. Außerdem wird in dem Text des Fotomuseums auf ein viel kritisiertes Urteil aus Großbritannien6 eingegangen.
"Falsche und entmenschlichende Narrative"
"Diese Formulierungen reproduzieren stereotype, falsche und entmenschlichende Narrative", kritisierten Laubenburg und Tegeler. "Trans*, nicht-binäre und intergeschlechtliche Menschen werden pauschal als 'Vortäuscher*innen' oder als Bedrohung dargestellt. Solche Aussagen tragen zur gesellschaftlichen Ausgrenzung bei und gefährden die Sicherheit der Betroffenen."
Diskriminierende und wissenschaftlich nicht haltbare Aussagen unter dem Deckmantel aktueller Debatten über Geschlechtsidentität seien nicht akzeptabel. Daher fordere Die Linke queer das Museum auf, "die entsprechenden Passagen unverzüglich zu entfernen, sich öffentlich zu entschuldigen und künftig externe Expertise aus der LGBTIQ*-Community einzubeziehen". Weiter erklärten Laubenburg und Tegeler: "Eine offene und solidarische Gesellschaft lebt vom Schutz von Minderheiten – nicht von ihrer Diffamierung."
Transphobie hat schlimme Folgen für trans Menschen
Unter trans Menschen gibt es laut mehreren Studien eine stark erhöhte Suizid-Rate, transfeindliche Rahmenbedingungen7 können die Lage noch verschärfen. Dagegen senken laut einer aktuellen Untersuchung Hormonbehandlungen8 dieses Risiko.
Die Akzeptanz von trans Menschen steht dereit weltweit unter Druck, auch in Deutschland: Die "Mitte"-Studie der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung kam etwa im November zu dem Ergebnis, dass zwar Homosexuellenfeindlichkeit in Deutschland abnehme, aber dass der Hass auf trans Menschen größer wird (queer.de berichtete9). (dk)
Links
- https://www.fotomuseum.eu/ruckblick/fotografien-aus-drei-jahrhunderten
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=56743
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=50421
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=50622
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=50434
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=53268
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=51098
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=56646
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=55718













