Transparency legt Jahresbericht zur Korruption vor: Deu­t­­sch­­land im Ran­king ver­bes­sert, weil andere abge­­s­­tiegen sind

10.02.2026

Missbrauch anvertrauter Macht zum privaten Nutzen - so versteht Transparency International Korruption. Eine aktuelle Analyse der Organisation zeigt nun, dass das Problem weltweit größer wird. Und auch Deutschland bereitet Sorgen.

Die Antikorruptionsorganisation Transparency International (TI) hat am Dienstag in Berlin den Korruptionswahrnehmungsindex 2025 (Corruption Perceptions Index, CPI) veröffentlicht. Danach nimmt die Korruption weltweit zu. Nach Einschätzung der Organisation liegt das vor allem auch am Erstarken von Rechtsnationalen und Populisten. Für Deutschland fällt die TI-Analyse gemischt aus: Zwar verbesserte sich das Land im jährlichen Korruptionsranking von Platz 15 auf Platz 10. Der Aufstieg erkläre sich aber in erster Linie aus dem Abstieg anderer Länder wie Australien, Irland oder Uruguay. 

Der CPI basiert auf Einschätzungen zur Korruption im öffentlichen Sektor, die von Experten aus internationalen Institutionen und Forschungsgruppen abgegeben werden. Die Skala reicht von 0 Punkten - als sehr korrupt wahrgenommen - bis zu 100 Punkten für völlige Korruptionsfreiheit. Er umfasst 182 Staaten und Gebiete. Deutschland erreichte 77 Punkte.

Dänemark erneut mit Bestwert

Zum achten Mal hintereinander erreicht Dänemark demnach von allen Ländern mit 89 Punkten den Spitzenplatz. Es folgen Finnland (88 Punkte) und Singapur (84 Punkte). Die letzten Plätze belegen auf diesem Index Südsudan und Somalia. Weltweit habe es vor zehn Jahren noch zwölf Länder mit einer besonders hohen Punktzahl (über 80 Punkten) gegeben, heute seien es nur noch fünf. Der globale Durchschnitt habe dieses Jahr den tiefsten Wert seit über zehn Jahren erreicht (42 Punkte). 

Deutliche Rückschritte seien auch in Demokratien zu verzeichnen. "In Ländern, in denen Rechtsextreme und populistische Parteien an die Macht gekommen sind, werden Schutzmechanismen gegen Korruption meist massiv abgebaut", sagte Alexandra Herzog, Vorsitzende von Transparency International Deutschland. 

Im globalen Vergleich am meisten Punkte verloren haben laut TI-Statistik die Türkei (31 Punkte, Rang 124) und Ungarn (40 Punkte, Rang 76). Die USA fallen auf die bisher niedrigste Punktzahl (64 Punkte, Rang 29). Großbritannien fällt nach diversen Korruptionsskandalen (70 Punke, Rang 20) ebenfalls auf die niedrigste Punktzahl seit Einführung der aktuellen CPI-Methodik im Jahr 2012.

Bürokratieabbau in Deutschland zulasten von Korruptionsbekämpfung?

Aber auch die Entwicklung in Deutschland betrachtet die Organisation trotz ordentlicher Punktzahl mit Skepsis. Herzog warnte vor einem Rückbau von Maßnahmen gegen Korruption im Zuge der von der Bundesregierung vorangetriebenen Entbürokratisierung und Beschleunigung von Verfahren: “Gerade in Anbetracht der neuen Sondervermögen brauchen wir eigentlich mehr Kontrolle und nicht weniger.” Dies gelte zum Beispiel für das Vergaberecht. Nur so lasse sich sicherstellen, dass öffentliche Mittel auch dort eingesetzt würden, wo sie dringend notwendig seien.

Auch die Zivilgesellschaft als wichtige Kontrollinstanz sehe sich angesichts von Anfeindungen und Hassrede auf Social Media bis hin zu strafrechtlich relevanten Bedrohungen zunehmend Angriffen ausgesetzt. Hinzu kämen die politische Debatten über Fördermittel und Gemeinnützigkeit, die vor allem kleinere zivilgesellschaftliche Organisationen verunsichern würden. Aus Sorge vor weiteren Angriffen würden viele auf öffentliches Engagement und klare Positionierungen verzichten.

Ein Blick auf die vergangenen zehn Jahre zeigt, dass Deutschland insgesamt einem Negativtrend unterliegt. Bereits im vergangenen Jahr kritisierte Transparency die mangelnde Transparenz im Umgang mit Großspenden an politische Parteien.

Anfang Dezember hat die EU mit der Anti-Korruptionsrichtlinie Mindeststandards für die Korruptionsbekämpfung in allen Mitgliedstaaten gesetzt. Die Richtlinie muss nun auf nationaler Ebene umgesetzt werden. Ein entsprechendes deutsches Umsetzungsgesetz liegt bislang noch nicht vor.

dpa/ep/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Transparency legt Jahresbericht zur Korruption vor: . In: Legal Tribune Online, 10.02.2026 , https://www.lto.de/persistent/a_id/59285 (abgerufen am: 11.02.2026 )

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